Senioren-WM: Erlebnisse und Gedanken eines genervten Hammerwerfers

(Krefeld/München/Lyon, 17. August 2015) Entsprechend den Regularien fanden sich bei der Senioren-WM in Lyon die Hammerwerfer der Altersklasse M70 aufgewärmt komplett um 10.15 Uhr, somit die geforderten 45 Minuten vor dem angesetzten Wettkampfbeginn, im Callroom ein. Erfahrungsgemäß dauert die Anwesenheitsüberprüfung und Startnummernkontrolle keine zehn Minuten. Soweit die Theorie. Tatsächlich aber verbrachten wir dort 50 Minuten, bis der zuständige Kampfrichter erschien, um uns zur Wurfanlange auf dem Nebenplatz zu führen. Damit erstreckte sich die Zeitspanne zwischen dem Ende des Aufwärmens und dem Einwerfen auf nahezu eine Stunde. Welche Auswirkungen dies auf die Wettkampfleistungen haben kann, braucht hier nicht vertieft zu werden. Das ist der Leistungskiller schlechthin!
Wie kam es zu dieser Verzögerung? Der erste Hammerwurfwettbewerb an diesem Tag war für 8.30 Uhr angesetzt. Da aber die Athleten selbst zu diesem Zeitpunkt immer noch vor dem verschlossenen Callroom standen, war es unvermeidlich, dass die ersten Wettkampfwürfe erst gegen 9.00 Uhr erfolgen konnten. Ob es einer französischen Nonchalance oder einem gesteigerten Schlafbedürfnis geschuldet war, dass der Callroom nicht wie notwendig bereits um 7.45 Uhr besetzt worden ist, ließ sich nicht klären.
Zusätzlich kommt der Zeitplangestalter ins Spiel. Für diese erste Gruppe hatte er realistische 90 Minuten eingeplant, für die nachfolgende, zahlenmäßig identische Gruppe dagegen nur 60 Minuten. Somit war es unvermeidlich, dass die anfängliche Verzögerung und der zu knapp angesetzte Zeitraum voll zu Lasten der dritten Gruppe, der Hammerwerfer der M70, gehen musste. Da an diesem Tag nur noch die Altersklasse der M75 ihren Wettbewerb zu absolvieren hatte, wäre dem Zeitplaner jegliche zeitliche Option offen gestanden.
Zwei Schlussfolgerungen liegen also nahe:
1. Um die Unwägbarkeiten beim Hammerwurf abzufedern, wie zum Beispiel ein sich im Schutzgitter verfangenes Wurfgerät, dass dort in acht Metern Höhe aufwändig entfernt werden muss, bedarf es im Zeitplan immer eines zeitlichen Puffers.
2.  Der für  Werfer überflüssige Callroom ist abzuschaffen.
Dass diese Forderung bei einem Teil der Funktionäre bereits angekommen ist, bewies der DLV. Hat er doch bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften 2015 in Zittau mit diesem Unfug Schluss gemacht und die Überprüfung der Teilnehmer an den Wettkampfort verlegt. Es sollte ihm gelingen, die daraus resultierenden positiven Erfahrungen in das internationale Regelwerk einfließen zu lassen. Eine simple Anordnung durch das Lokale Organisationskomitee (LOC) würde jedoch vermutlich genügen. Das hat in Zittau ja auch funktioniert.