Offener Brief an vier honorige Funktionäre und einen DLV-Mitarbeiter

(Bad Bentheim/Krefeld, 23. September 2019) Einige Eckdaten zur Person zum besseren Verständnis vorweg: Siegbert Gnoth (*1940; im Bild) vom TuS Gildehaus in Niedersachsen ist amtierender Deutscher Meister im Stabhochsprung der M75 und Vize" im Dreisprung, dazu noch ein sehr passabler Speerwerfer (Bestenlisten-Fünfter 2018 mit 35,35m). Er hält in der M75 seit Mai 2017 mit dem Stab den Europarekord (2,85m). Als Interessenvertretung der Senioren-Leichtathleten berichtete er uns von seiner Odyssee bei der Senioren-EM und seiner Absicht, ein Schreiben an die Verantwortlichen zu verfassen. Das ging via E-Mail am 21.September 2019 an die unten genannten Personen heraus. Um es unseren interessierten Stammbesuchern und Gelegenheitsgästen bekannt zu machen, veröffentlichen wir mit seiner freundlichen Genehmigung dies als Offenen Brief" in leicht gekürzter Fassung im Schlussabsatz.

EMA Council, EMA-Präsident  Kurt Kaschke, DLV Präsident Jürgen Kessing, DLV Vizepräsident Dr.Matthias Reick, Referent Senioren David Deister, WMA Präsidentin Frau Margit Jungmann

Guten Tag die Herren Kurt Kaschke, Jürgen Kessing, Dr. Matthias Reick, David Deister und Frau WMA- Präsidentin Margit Jungmann,

ich war bei der Senioren-EM 2019  im Großraum Venetien zum Hoch-, Stabhoch-, Dreisprung sowie Speerwurf der M75 gemeldet und bin dort von der Teilnahme an allen vier Wettbewerben ausgeschlossen worden.

Zur Disqualifikation

Nach einer 18stündigen Anreise von 1260 Kilometern per Pkw nach Jesolo, die sich durch unvorhersehbare Vorkommnisse zeitlich hinausgezögert hatte, nahm ich am Donnerstag, dem 5. September gegen 18:15 Uhr im TIC meine Akkreditierung vor. Von dort wurde ich zur Confirmation  geschickt. Nachdem ich dem Officer am Computer mitgeteilt hatte, dass ich nur in den Disziplinen Triple Jump, Pole Vault und Javelin starten wolle, bekam ich einen langen Ausdruckzettel als Beweis für meine Confirmation.  Da im TIC großer Andrang  herrschte, wurde ich vom Officer sogleich „weitergeschoben“, so dass ich keine Chance  hatte, ihm Fragen zum Meldeprozedere zu stellen. Denn neben den zuvor genannten drei Disziplinen hatte ich für den Hochsprung  gemeldet.  Da diese Konkurrenz  am folgenden Tag stattfand,  und ich meine Einschreibung  um 18:20 Uhr zu spät vorgenommen hatte, war ein Start  laut Athletenhandbuch (TechnicalManual) leider nicht möglich.  „The deadline for confirmation  is set for all events at 18:00 on the day before the race” (TM, Seite 23/42). Aus diesem Grund erschien ich am Freitag, 6. September um 09:20 h nicht im Call Room zum Hochsprung -Wettkampf der M75. Am Samstag, 7. September, erfuhr ich vormittags von David Deister, den ich per Handy kontaktiert  hatte, dass ich von allen folgenden Wettkämpfen  bei dieser EM ausgeschlossen worden sei.

Meine Fragen

Warum wurde ich nicht offiziell über die  Disqualifikation informiert?
Warum wurde ich vor der Sanktionierung/Bestrafung  nicht befragt?
Warum durfte ich mich nicht verteidigen/rechtfertigen? Das ist  doch
ein rechtlich hohes Gut.
Warum hat man die Deadline für die Confirmation so kurzfristig geändert (nicht jeder Athlet ist ständig online, vor allem nicht auf der Anreise)?
Warum wurde ich sofort für alle folgenden Wettbewerbe gesperrt? Wäre da  nicht der Ausschluss vom nächst folgenden Wettkampf eine angemessene Sanktion gewesen? Wenn überhaupt  bei  solch einer minimalen, dazu unverschuldeten Verspätung,
Warum gibt es nicht humanere Sanktionen wie Verwarnung, Geldbuße  oder Ähnliches? Statt gleich die Ausschlusskeule zu schwingen, gibt es bei einem guten Willen auch stets einen Ermessensspielraum.
Warum wird die Regel der IAAF – Rule 142.4 bei uns Masters  angewandt, wo  wir doch im Gegensatz zu den Profis alles aus eigener Tasche  zahlen, nicht vom  nationalen Verband nominiert  werden und uns selber entsenden?
Warum gibt es einen DLV-Begleittross, der sich letztendlich doch nicht für die Belange seiner mit 15 € gebührenpflichtigen Schutzbefohlenen einsetzt? Die oftmals von deutschen Sportkameraden von DLV-Offiziellen gehörte Standardantwort:  „Ich kann nichts für dich/Sie tun!“
Warum bestrafen die Ordnungshüter der EMA uns Athleten bei Verstößen gegen Regeln dermaßen  hart und unnachgiebig, wo ihnen doch selber eklatante Fehler unterlaufen sind?  Nur einige Beispiele: Der Skandal im Sprint der M60 mit dem Deutsch-Ungarn Fall Laszlo Müller und dem US-Amerikaner Val Barnwell, die irregulären Streckenlängen beim 10-km-Straßengehen (875 Meter zu kurz) und über 20 Kilometer (500 Meter zu lang), den in  vielerlei Hinsicht  unverantwortlichen Geräteabnahme-Tourismus einen Abend vor dem Wettkampf und so weiter und so fort!!!

Fazit

Bei dieser EM wurde ohne Not mit aller Härte ein Exempel statuiert. Senioren, die  große Strapazen auf sich nehmen und hohe Summen für Startgeld, Fahrt, Verpflegung und Unterkunft ausgeben (bei mir rund 1500 Euro) wurden wegen einer Lappalie  von  allen weiteren Wettkämpfen suspendiert. Dabei wäre es doch ein minimaler Aufwand, Athleten, die nicht im Call Room erscheinen, mit einem Strich oder  Klick von der Startliste  zu streichen. Für mich und sicher auch für die weiteren Geschädigten (es gibt eine ganze  Liste wie ich mittelbar und aus  Gesprächen mit direkt Betroffenen erfahren habe) die disqualifiziert wurden, stellt sich die Frage: Will man uns „Alte“ erziehen und maßregeln?

Zum Schluss

Ich habe 20 Jahre gerne an internationalen Meisterschaften teilgenommen, und zwar deshalb, weil man  Freunde aus Europa und der ganzen Welt trifft, um mit ihnen eine  schöne Zeit zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch zu verbringen. Natürlich gehören  dazu auch der friedliche Wettstreit um Titel, Medaillen und Platzierungen. Und dann stellt man sich die Frage:  Wie viele Jahre haben wir Masters M70+ noch, um bei Meisterschaften starten zu können?
Vielleicht sollten das die Herren des EMA Council und alle weiteren Amtsinhaber einmal  bedenken, bevor sie mit ihren Regeln und Sanktionen Athleten unverrichteter Dinge nach Hause schicken und ihnen den Spaß am internationalen Wettkampfsport  vermiesen.

Mit großem Interesse erwarte ich Ihre Antworten.

Mit freundlichen Grüßen                                                                             Bad Bentheim, 21.September 2019

Siegbert Gnoth

PS: Herr Kaschke, weshalb  haben Sie am 7. September nicht zurückgerufen, worum ich Sie  per
Handy gebeten hatte?