Meinungsumfrage qualifizierte Flucke als zu beendenden "Mailkrieg" ab

(Darmstadt/Krefeld, 27. September 2017)  Ob nun eine zufällige Parallelität der Ereignisse oder ob der von uns veröffentlichte Brief von Dr.Dietrich Voslamber vom Verein Deutsche Sprache an DLV-Präsident Clemens Prokop zur leidigen GERMANY-Beschriftung der Nationalmannschaftsbekleidung den Anstoß gab, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls hat Jörg Erdmann vom DLV an einen größeren Verteilerkreis am 21.September 2017 eine E-Mail-Umfrage gestartet, mit der erklärten Absicht ein Meinungsbild einzuholen. Er verwies darauf, dass für die Einkleidung (Trikot) ab 2018 der international startenden, sich indes selbst entsendenden Senioren/innen die rund 80 Teilnehmer/innen am Senioren-Drei-Länderkampf sich mehrheitlich vorne für die Aufschrift „Germany“ und hinten „Masters“ entschieden hätten.
Das ist 1.) suggestiv und 2.) nicht repräsentativ, dazu von Aktiven, die in diesem Falle qua Nominierung – völlig zu Recht – mit dem Rund-um-sorglos-Paket von Trikot, Trainingsanzug und Sporttasche oder Rucksack eingekleidet worden sind. Diesem elitären Häuflein der Altersstruktur von 35 bis etwa 55 Jahren stehen etwa 800 bis 1.000 potenzielle EM- und WM-Starter/innen bis M/W85 und insgesamt rund 400.000 Senioren/innen, allein 134.376 davon sind über Sechzig mit einer vermutlich konservativeren Einstellung, bundesweit gegenüber. Eine repräsentative Umfrage sieht einfach anders aus. Dafür sind mindestens 1.000 Personen erforderlich, könnte also bei einer Senioren-DM erfolgen. Dies einfach zum besseren Verständnis.

Seriöser Denkanstoß ließ Stilblüten sprießen

Die Stellungnahme von Dieter Tisch (im Bild), in Personalunion Sprinter und Kurzhürdler aus Ludwigshafen sowie Vizepräsident des Leichtathletik-Verbandes Pfalz (LVP):
Liebe Leichtathletikfreunde,
die Trikotfarbe in Rot und der Schriftzug in weiß oder schwarz ist ok.
Da wir alle Deutsche sind, in Deutschland leben, wir alle Deutsch sprechen, wir (alle) die deutsche Staatsbürgerschaft haben, im Grundgesetz nur von Deutschland die Rede ist, wir alle in unserer Nationalhymne vom deutschen Vaterland singen, wir den DEUTSCHEN Leichtathletik-Verband vertreten, sollten wir als Aufschrift auch Deutschland nehmen. Auch wenn wir international als „Germany" geführt werden, sollten wir uns dem Anglizismuswahn nicht anschließen...
Gruß
Dieter Tisch

Eine zum Teil hanebüchene, polemisch geführte Debatte

Das löste nun über den elektronischen Postweg eine uns vollständig vorliegende,  zum Teil hanebüchene, polemisc
h gefärbte Debatte Pro und Contra Deutschland oder Germany aus. Allein aus Platzgründen schier unmöglich, das alles detailliert wieder zu geben. Aber weil’s so unheimlich „schön ist“ und zeigt welch Geisteskind er ist, die Reaktion vom „Chef-Literaten“ der Senioren-Spielecke auf der Verbandsnetzseite, für den seit Monaten händeringend ein „Nachfolger“ gesucht wird, Karl-Heinz „Flunker“ Flucke (im Bild) aus Berlin:
Hallo Zusammen,
wir sollten den Mailkrieg beenden.
Mit GRRMANY und MASTERS sind wir auf einen guten Weg.
Gruß
Kalli

Wohlgemerkt wortgetreu. Das Zusammen, GRRMANY und einen haben wir ihm nicht untergeschoben. Dann würden wir uns ja auf sein Niveau begeben.
Diese Freud’schen Fehlleistungen generös übergehend, antwortete darauf Dieter Tisch (von uns gekürzt):
Liebe Leichtathletikfreunde,
eigentlich hatte ich auf die Umfrage von Jörg Erdmann nur meine und die Meinung vieler Athletinnen und Athleten kund getan. Dass sich einige von Euch derart über die Ansicht anderer aufregen, ist schon erstaunlich und nicht gerade „sportlich".
Das hat auch nichts mit Europaunfreundlich oder den sonstigen Aussagen zu tun. Jeder darf seine Meinung zu dem Thema haben und sollte sie mitteilen. Mit der Aussage, den „Mailkrieg" zu beenden, liegt man da auch völlig daneben. Insbesondere, wenn dann die Aussage folgt, „dass wir mit Germany und Masters auf einem guten Weg sind". Da werden Meinungen und Ideen anderer einfach weggewischt...

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

So, und zu schlechter Letzt bedienen wir den „leuchtenden Beispielen“ folgend auch noch den groben Klotz und beziehen Stellung. Die linientreuen Vasallen des Bundesausschuss‘ Senioren um Flucke und Reckemeier täten gut daran den Ball hübsch flach zu halten und sich in vornehmer Zurückhaltung zu üben. Sie reisen in den aufgeblasenen Begleittrossen schlussendlich auf Kosten der Aktiven für lau um die ganze Welt, werden obendrein von Kopf bis Fuß, freilich ohne Trikot, in der Ausrüstung des in letzter Konsequenz das GERMANY diktierende us-amerikanischen Sponsors eingekleidet. Dazu gibt es das schöne geflügelte Wort aus Volkes Mund „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“.
Was bei Flucke und Recke(schlau)meier zusätzlich ausgesprochen sauer aufstößt: Sie schlagen aus ihren vermeintlich ehrenamtlichen Tätigkeiten auch noch Kapital. Der eine (Flucke) verhökert sein Werke als Hobby-Knipser gegen 5 Euro für ein digitales Foto, der andere (Reckemeier) legt als offizieller Senioren-Statistiker die Jahresbestenlisten in antiquierter Buchform auf, um sie gegen 18 Euro das Stück an den Mann und die Frau zu bringen. Der DLV fördert und unterstützt es dadurch, dass er entgegen bei allen anderen Klassen nur das Zahlenwerk der Ü30-Generation nicht online zur Verfügung stellt. Das ist nicht nur streng genommen eine miese und fiese Benachteiligung einer bestimmten Gruppe zum Vorteil eines Dritten.

Meinungsfreiheit ein verbrieftes Grundrecht

Noch vier abschließende Anmerkungen: Viele andere deutsche Sportverbände sind selbstbewusst genug, in der Außendarstellung als DEUTSCHLAND aufzutreten. Zuletzt die deutschen Basketballer bei der Europameisterschaft 2017. Jeder Gegner und Zuschauer hat sie er- und gekannt. Ganz ohne Germany.
Die Meinungsfreiheit und Pressefreiheit, auf die wir uns mit einem Sportjournalisten als Betreiber von LAMPIS berufen können (siehe Kontakt), sind hier zu Lande ein hohes Gut, durch das Grundgesetz verbriefte Grundrechte. Ob es einem nun passt oder eben nicht, ist die Meinung anderer zu akzeptieren und respektieren. Da ist Dieter Tisch vollinhaltlich beizupflichten. Keiner sollte sich anmaßen, das allein seligmachende Evangelium predigen zu können. Es gibt in derselben Sache stets verschiedene Möglichkeiten der Argumentation und Interpretation. Unumstößliche Fakten einmal ausgenommen.
Das einige andere, meist kleinere Nationen ihren Ländernamen auf ihrer Sportbekleidung ebenfalls internationalisieren (Argument von Reckemeier), kann nun wirklich kein Maßstab sein, sie nachzuäffen. Das hat jedes Land (bisweilen auch der entsprechende Verband) für sich selber zu entscheiden. Ob's der breiten Masse gefällt, steht auf einem anderen Blatt, sollte aber eigentlich eine Rolle spielen.
Manche haben schlicht den Knall noch nicht gehört, obwohl sie gerade in der Leichtathletik reichlich Gelegenheit dazu hätten.