Leichtathletik-Ikone "Phil" Raschker steigt 2017 wieder ins Geschehen ein

(Atlanta/Krefeld, 05. November 2016) Vermutlich wird sie auf den Ruf ihres offiziellen, höchst seltenen weiblichen Vornamens Philippa (Ableitung vom männlichen Philipp) nicht reagieren. Denn die Kurzform „Phil“ ist fast so etwas wie ihr eingetragenes Markenzeichen. Bietet allerdings bei größeren Menschenansammlungen durchaus Verwechselungspotenzial. Darauf hören nämlich bevorzugt Männer. Spontan fallen mir mit Promi-Faktor der ehemalige amerikanische Automobil-Rennfahrer Phil Hill, Formel-1-Weltmeister von 1961, und Pop-/Rock-Sänger Phil Collins ein. Wobei das von uns gemeinte Original die am 21. Februar 1947 in Hamburg geborene Leichtathletik-Ikone „Phil“ Raschker aus Atlanta in Georgia (USA) sehr treffend charakterisiert. Er, der Name Philippa, ist ein Symbol für Lebenskraft. Die scheint bei ihr geradezu unerschöpflich zu sein. Es übersteigt normal fassbare Dimensionen, was die zierlich wirkende Person in ihrer sportlichen Vita über Jahrzehnte hinweg festgeschrieben hat. Das die Tragweite am besten verdeutlichende Paradebeispiel: Die damalige Jung-Sechzigerin ging bei den Senioren-Weltmeisterschaften 2007 in Riccione an der italienischen Adriaküste zehnmal in der W60 an den Start und gewann zum Leidwesen der Konkurrenz alle zehn Titel.

Phil und Heinz: „Ein goldiges und sportliches Paar“

Rein sportlich betrachtet ist es allerdings um diese Ausnahmeathletin ruhiger, richtiger: still geworden. Die letzten Wettkämpfe absolvierte sie im Oktober 2013, also vor nunmehr vollen drei Jahren, bei den Senioren-Weltmeisterschaften in Porto Alegre (Brasilien) mit sechsmal Gold sowie je einmal Silber und Bronze. Für ihre Abstinenz gab es allerdings einen gewichtigen Grund: Sie pendelte im Drei-Monats-Takt ständig zwischen Atlanta und Hamburg, sammelte als Nebeneffekt ordentlich Freiflug-Meilen, um ihre betagte Mutter zu besuchen und pflegen, die im April dieses Jahres 95-jährig verstarb. Die ständigen Trips hatten freilich einen weiteren Nebeneffekt. Phil konnte ihren für die LG Alster Nord startenden „Herzbuben“ Heinz Keck (*1941) aus Osnabrück häufiger sehen, mit dem sie seit Neujahr 2011 in Freundschaft verbandelt ist und überwiegend eine nahezu täglich gepflegte Fernbeziehung via Skype führt. Sogar das „Hamburger Abendblatt“ widmete den beiden 2012 im Wonnemonat Mai eine große Story unter dem Titel „Ein goldiges und sportliches Paar“.

Als Au-pair-Mädchen in die USA

Wie das seinerzeit in Mode war, um als Teenager die große weite Welt zu entdecken, ging „Phil“ 1967 als 20-jährige eigentlich nur für ein halbes Jahr als Au-pair-Mädchen in die USA. Daraus sollte indes durch verschiedene Lebensumstände eine unendliche Geschichte werden. Vornehmlich dadurch, dass sie ihren späteren Mann kennen und lieben lernte. Die Ehe endete indes nach zehn Jahren vor dem Scheidungsrichter. Da jedem Ende auch ein neuer Anfang inne zu wohnen pflegt, begann sie 1980 wieder mit der Leichtathletik. Die hatte sie schon als Schülerin und Jugendliche beim Hamburger SV (HSV) ausgeübt, deren Ehrenmitglied sie mittlerweile ist. Es ist beileibe keine Übertreibung, sie als Pionierin des Stabhochsprungs der Frauen in den USA zu bezeichnen. Durch ihre Bemühungen und Leistungen wurde er im Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten hoffähig gemacht. Bereits 47-jährig sprang sie im Mai 1994 mit 3,38 amerikanischen Rekord. Wohlgemerkt: Nicht in der W45, sondern der offenen Klasse. Ein Jahr später vertrat sie ihre Wahlheimat in dieser Disziplin beim A-Länderkampf in Gateshead gegen Gastgeber Großbritannien.

Eine märchenhaft anmutende Erfolgsgeschichte

Schier unmöglich, alle ihre Erfolge und Auszeichnungen im Detail Revue passieren zu lassen. Auch das würde eine „Never ending Story“. Deshalb kurz und knackig in Schlaglichtern: Unter ihrem nach der Scheidung wieder angenommenen Familiennamen Raschker gewann Eileen Philippa, genannt „Phil“, seit 1980 sagenhafte 350 amerikanische Meisterschaften, stellte rund 200 nationale Rekorde auf, von denen derzeit noch 27 in ihrem Besitz sind, sie häufte bei den Seniorinnen 85 Weltmeistertitel an, stellte ungezählte AK-Weltrekorde auf, wovon noch acht Gültigkeit haben. Die herausragenden Auszeichnungen: 1997 wurde sie in die „Hall of Fame“ der US-Leichtathleitk, 2005 in die für alle Sportarten in den USA aufgenommen, 2003 und 2007 war sie jeweils unter den fünf Nominierten für die Wahl zum „Sportler des Jahres“ in den USA, unterlag 2003 denkbar knapp keinem Geringeren als Schwimm-Superstar und „Goldfisch“ Michael Phelps, und „last but not least“ wurde die Alleskönnerin 2007 im mondänen Monte Carlo (Monaco) zum „Best Master oft he Year“ gekürt. Beinahe müßig zu erwähnen, dass eine wie sie mit dem Eintrag bei Wikipedia auch den medialen digitalen Ritterschlag erfahren hat.
Diesem Energiebündel der Marke ewiges Multitalent kann getrost und ohne charmanten Schmäh das Etikett als bis dato weltbeste Senioren-Leichtathletin aller Zeiten angeheftet werden. Freuen wir uns also alle miteinander darauf, dass sie 2017, dann in der W70, wieder an den Start gehen und die Szene gehörig aufmischen wird. Letzteres dürfte keine allzu kühne Prognose sein. Dazu ist sie auch im „falschen“ Trikot bei ihren Wurzeln ein bisschen eine von uns, was sie obendrein gerne selber dokumentiert (siehe Foto) und die Kenntnis überholten deutschen Regelwerks (wir berichteten) unterstreicht.