Wenn man(n) schon kein Glück hat, kommt bisweilen noch Pech hinzu

(Zella-Mehlis/Krefeld, 30. August 2016) Wenn man(n) schon kein Glück hat, kommt bisweilen zu allem Überdruss noch Pech hinzu. Davon weiß nun auch Ed-Burke-Bezwinger Hermann Albrecht, seither in Anlehnung an Film-Haudrauf Arnold „Arnie“ Schwarzenegger „Herminator“ genannt, ein garstig Lied zu singen. Der 76-jährige Wurf-Allrounder aus Satteldorf im Nordosten von Baden-Württemberg hatte eine Horror-Anfahrt ins nicht einmal sonderlich weit, 225 Kilometer entfernte Zella-Mehlis in Thüringen hinter sich. Bei Brüllhitze verbrachte er in Höhe Würzburg gefühlte Stunden im Stau. Völlig gerädert kam er auf den vier Rädern seines Wohnmobils am Ort der Handlung der Deutschen Senioren-Meisterschaften im Wurf-Fünfkampf mit reichlich Verzug an.
Noch dermaßen unter Strom stehend, fand er zunächst nicht in den Schlaf. Irgendwann ist er dann doch aus Übermüdung mehr so in Ohnmacht gefallen, als normal eingeschlafen zu sein. Im Rückblick meinte er, dass es allenfalls vier Stunden gewesen sind. Schlimmer, dass die eminent wichtige Tiefschlafphase gefehlt hat, in der sich auch der Muskeltonus verändert. Aber das müsste beim Besuch unserer Seite den vielen ausgewiesenen Fachmännern und -frauen eigentlich nicht erläutert werden, haben die sportlichen Folgen von Schlafentzug vermutlich schon selber erlebt.

Denkbar schlechte Voraussetzungen für Höchstleistungen
 
Nicht gerade pralle Voraussetzungen, um ausgeruht und guter Dinge Höchstleistungen vollbringen zu wollen/können. Und das Dilemma nahm ungebremst seinen weiteren Verlauf. Nach entsprechender Vorbereitung Samstagmorgen pünktlich um 8 Uhr zum Einwerfen an der Hammerwurf-Anlage erschienen (Beginn laut Zeitplan 08.30 Uhr), verhieß der allzu gestrenge Kampfrichter, dass gewartet werden müsse, da er noch keine Wettkampfliste habe. Ein höchst seltsames Argument bei allesamt eine Startnummer tragenden Athleten. Die Folge: 35-minütiges Verharren in Untätigkeit bei schon beträchtlichen Temperaturen. Und als verspätet die Liste eintraf, wurde zum Nachteil der Aktiven auf die Tube gedrückt, gab es entgegen den Regeln lediglich einen Probeversuch. All das in Summe, setzte der eh leicht neben sich stehende Hermann beim ersten Durchgang den Hammer bei der Drehung auf den Ringboden auf, schlug das Gerät bei etwa 36 Meter ein. Sich seiner Sache sicher, wollte der Routinier diese Weite nicht aktenkundig machen. Fatal! Durchgang zwei gelang zwar, war sauber gestanden und landete kurz vor der 50-Meter-Linie. Doch in einer Art „Blackout“ verließ Hermann vor, statt hinter der Mittelmarkierung das Rund. Hart, aber gerecht lautete die Ansage „ungültig“. Nun musste es der im Mehrkampf finale dritte Versuch richten. Das Gerät landete jedoch bei etwa 47 Meter auf der linken Seite knapp neben dem Sektor auf. Das bei einem Rechtshänder. Ergo dreimal o.g.V. = ohne gültigen Versuch. Der Kandidat hatte null Punkte. Und das ausgerechnet in seiner Paradedisziplin. Ein Tag zum Vergessen. Der deutsche Fünfkampf-Rekordhalter der M75 (4.955 Punkte) packte daraufhin die „Geigen“ ein und trat die Heimreise an. Dass ihm laut Online-Ergebnisliste zu Unrecht noch drei Ungültige im anschließenden Kugelstoßen angedichtet wurden, haben wir bereits aufgeklärt.

Hermann ebnete ungewollt den Weg für unverhofftes Edelmetall

Des‘ einen Leid, der anderen Freud. Es gab zwei „Nachrücker“, die unverhofft zu Silber (3.699) und Bronze kamen, der Drittplatzierte (3.179) überhaupt zu Edelmetall. Das nennt sich „Gunst der Stunde“. Und der eine starke Vorstellung abliefernde Günter Fändrich (4.635) konnte seinen Titel völlig unbeschwert in die Scheuer fahren. Das wirkte sich garantiert nicht nachteilig auf seine Leistungen aus. Allerdings hatte der Jung-Fünfundsiebziger im Wettkampfbüro erst mal eine Odyssee zu überstehen. Denn seine Frau Erika, die später überlegen mit 4.017 Punkten die W55 gewann, und er tauchten nicht in der Meldeliste auf. Bei der Recherche stellte sich schließlich heraus, dass dieses starke gemischte Doppel versehentlich von ihrem Verein TV Heppenheim für die Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften am 10.September 2016 an gleicher Stelle gemeldet wurde. Letztendlich durften sie ohne die erkleckliche, an modernes Raubrittertum grenzende Nachmeldegebühr von 100 Euro – pro Person, versteht sich – an ihr fünfteiliges Werk gehen.

Ein Mix von guter Geldanlage und Fehlinvestition

Anders bei Klaus Volkheimer (*1944) und seiner Lebensgefährtin Margarete Tomanek (*1949) von der LG Ebersberg-Grafing in Oberbayern. Der fürs Administrative zuständige Klaus hätte besser den ultimativen Aufruf auf Lampis gelesen. So verdaddelte er jedoch den Meldeschluss und musste 200 Euro auf den Tisch des Herrn zur Minderung der latent klammen Finanzlage des DLV legen. Bei seiner Herzdame eine gute Geldanlage, die sich überlegen gegen Eva Nohl durchsetzte (wir berichteten), indes bei ihm eine glatte Fehlinvestition. Er produzierte tatsächlich, anders als Hermann Albrecht, in zwei Disziplinen mit Diskus und Gerätegewicht ausnahmslos Fahrkarten, endete abgeschlagen auf dem 18. und vorletzten Platz (1.923).
Es lag also ohne ein derartiges doppeltes Missgeschick wahrhaftig noch einer hinter ihm (1.691). Das unterstreicht die Feststellung in unserer DM-Vorschau, dass die Bandbreite zwischen Könnern und Spaß-an-der-Freud-Teilnehmern gewaltig sein wird. Dabei war die Diskrepanz in der M70 mit 2.369 Zählern noch nicht einmal die größte. Die M75 hatten mit einer Differenz von 2.485 und die M80 mit 2.796 Punkten noch Negativeres zu bieten. Da stellt sich dann schon die Frage, ob Sportabzeichen-Niveau und weniger etwas auf einer Deutschen Meisterschaft zu suchen hat? Die Antwort lautet eindeutig „Nein“!