Noch ein bisschen Klatsch und Tratsch von der Senioren-DM 2016

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(Leinefelde-Worbis/Krefeld, 13. Juli 2016) Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Behauptete der Dichter Matthias Claudius in einem Liedertext. Das kann, muss aber nicht zwingend stimmen. Piloten und Flugbegleiter reisen um die ganze Welt, sehen indes an großen Destinationen häufig nicht mehr als den Airport und die noblen Fünf-Sterne-Herbergen, die sich häufig auch unmittelbar am Flughafen befinden. Bei Senioren-Sportlern ist es, reduziert auf den Schauplatz der Handlung und das Hotel, ein sehr ähnliches, vergleichbares Schema. Schade eigentlich. Denn in unserem inzwischen über ein Vierteljahrhundert größer gewordenen Vaterland gibt es viele sehens- und erkundenswerte Fleckchen in der näheren Umgebung der Stadien. Erst recht, immer noch (!), für viele Westler, Südler und Nordler in den längst nicht mehr neuen ostdeutschen Bundesländern wie diesmal in Thüringen.

Zwischenstopp für Kulturelles

Aber es gibt sie schon, die sich vor, zwischen oder nach den Wettkämpfen die Zeit für Kulturelles oder sonstige touristische Vergnügungen nehmen. Wurf-Allrounder Klaus Kynast (*1949), immerhin bei der Senioren-DM dreimal (Kugel, Diskus, Hammer) im Einsatz, und sein hammerwerfender italienstämmiger Klubkamerad Luigi Andreoli (*1941) vom ASC 09 Dortmund machten sich auf den Weg ins 60 Kilometer entfernte Hannoversch Münden.
Ein sehenswertes Städtchen und staatlich anerkannter Erholungsort dazu im Landkreis Göttingen in Niedersachsen. Besonders bekannt dadurch, dass sich hier die Flüsse Werra und Fulda küssen (zusammenfließen) und ihre Namen lassen müssen (Weser).
Diese Idee hatten die beiden Westfalen allerdings nicht exklusiv. Sie trafen bei ihrem Bummel nämlich auf Kugelstoßer Roland Wattenbach (*1955
) vom TV Eiche Bad Honnef (Nordrhein). Kommissar Zufall, womit jetzt nicht der Roland gemeint ist, der seine lecker belegten Brötchen als Dr. der Physik verdient, kann überall angetroffen werden.

Nervige Stadionansage
                                                                   
Das originäre Ereignis betreffend, das große Familienfest der Senioren-Leichtathletik, haben wir schon entsprechend gewürdigt und die nahezu perfekten Gastgeber über den grünen Klee gelobt. Aber, um eine Plattitüde zu bedienen, wo viel Licht ist, stellt sich zwangsläufig auch Schatten ein. Den schlug zeitweise die Ansagerin, die sich offenbar gerne reden hörte. Sie quasselte bei den Mittelstreckenläufen in einer Tour, bisweilen Stereo sich mit dem Ansager für die Siegerehrungen überlappend. Neben Zwischenstände und Positionskämpfe zu kommentieren, schreckte sie auch nicht davor zurück, Teilnehmer regelrecht anzufeuern und ihre Kompetenzen klar überschreitend. Holte sie gelegentlich einmal Luft, schaltete sie das Mikrofon nicht aus, was ein heftiges Dauerknacken auf den Lautsprechern verursachte, dass es einem Gewinde in die Gehörgänge trieb. Per Saldo sehr nervig und störend für all jene, die sich anderswo auf ihre Wettkämpfe konzentrieren wollten. Das zumeist aus Familienmitgliedern, Trainern, Betreuern und Vereinsangehörigen bestehende Publikum wird es ebenfalls als außerordentlich störend empfunden haben.

Kugelstoßanlage nicht regelkonform

Noch ‘ne Baustelle mit direktem Bezug zum kugelstoßenden Sportjournalisten, wobei ich ganz froh bin diese Feststellung nicht aus meiner zwangsläufig subjektiv gefärbten Sicht machen zu müssen. Werner Angermund (*1943), selber vielseitiger Leichtathlet vom ART Düsseldorf, dazu erfahrener Kampfrichter bis hin zur Lizenz zum Schießen (Starter) und Lebensgefährte von Gisela Stecher, der DLV-Leiterin Wettkampforganisation Senioren, fand den Belag im Sektor der Kugelstoßanlage sehr fragwürdig. Er bemängelte völlig zu Recht, dass der grobkörnige, viel zu weiche Untergrund riesige Krater verursache, ein genauer, korrekter Messvorgang hier gar nicht möglich gewesen sei.
Meine Anmerkungen: Die Löcher konnten je nach Parabel des Kugelfluges durchaus unterschiedlich groß ausfallen. Damit will ich keineswegs konstruieren, dass hier die zwei Zentimeter flöten gingen, die mir am Titelgewinn fehlten. Genauso gut oder schlecht ist denkbar, dass Felix Mohr, wenn auch nur um Zentimeter benachteiligt wurde und sein knapper Vorsprung (1 cm) ein wenig größer ausgefallen wäre. Aber nicht korrekt bleibt nicht korrekt. Und streng genommen hätte jene Anlage bei der technischen Besichtigung in diesem Zustand nicht abgenommen werden dürfen und nachgebessert werden müssen. Das sollte in der Manöverkritik der Organisatoren nicht fehlen. Den Anstoß haben wir zumindest pflichtbewusst geliefert.

DLV schweigt Weltrekord von Lothar Fischer tot

Aus vielen Begebenheiten ist uns bekannt, dass LAMPIS bei den (un-)verantworlich handelnden Personen beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) in Darmstadt wahrgenommen wird. Auf unsere „Zurufe“ hin sind Dinge korrigiert oder es ist nachgehoppelt worden. Also werden sie mitbekommen haben, dass wir ihm Rahmen unserer DM-Berichterstattung einen neuen Dreisprung-Weltrekord (9,04m) der M80 von Lothar Fischer (TG Waldsee) vermeldeten. Mit konstanter Bosheit jedoch kein Sterbenswörtchen in der Senioren-Spielecke auf der DLV-Netzseite. Daraus ist der Schluss zu ziehen, dass dieser Weltrekord offenbar weniger wert ist als andere, zum Beispiel der von Melitta Czerwenka-Nagel über 5.000 Meter der W85 bei derselben Veranstaltung. Bleibt zu hoffen, dass sie die Bestmarke von Fischer wenigstens an den internationalen Senioren-Dachverband World Masters Athletics (WMA) weitermelden. Übrigens: der gewählte Senioren-Versteher und -Flüsterer Alfred „Der Götterbote“ Hermes straft auf seiner Verharmlosungsnetzseite den Fischer-Weltrekord ebenfalls durch Nichtbeachtung. Erbärmlich! Beides!

Emmerich und Gassenbauer wussten Rat

Klären wir noch das Geheimnis, so es je eines war, um den für die internationale Rekordanerkennung nicht ganz unwichtigen Geburtstag von Hammerwerfer Ralf Jossa (*1966) vom SV Herzberg auf. Es ist exakt der 02.November des schon erwähnten Jahres. Aus verschiedenen Quellen wussten zwei Disziplinen-Kollegen von Hossa-Jossa Rat und ließen es uns netterweise unisono via E-Mail wissen: Swen Emmerich vom SC Bayer 05 Uerdingen, bis Ende 2015 ein Klubkamerad von mir ehe ich nach 50 Jahren zu Preussen Krefeld, meinen Wurzeln, zurückkehrte, und mein langjähriger österreichischer Sportfreund Gottfried Gassenbauer aus Wien. Jossa hat sogar ein Athleten-Profil bei der IAAF, warf am 20.Juni 1999 in seinem Heimatort mit griffigen 73,73m seine Lebensbestleistung und gehörte damals zur erweiterten deutschen Spitzenklasse bei den Männern. Hätten wir das auch geklärt.