David Storl stieß beim Wiederbeginn im Ring 19,96 Meter

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(Savona/Halle/Krefeld, 19. Mai 2022) Heimlich, still und leise fernab der Heimat ging der seit Jahren stagnierende einstige Kugelstoß-Wunderknabe und zweifache Weltmeister David Storl (im Bild) vom SC DHfK Leipzig nach elendig langer Wettkampfpause sowie vieler verpasster Gelegenheiten gestern bei einem kleinen internationalen Abendsportfest in Savona (Italien) wieder in den Ring. Der M30-Senior belegte in dem siebenköpfigen Feld hinter den drei Italienern Ponzio (21,12m), Weir (21,05m) und Bianchetti (20,03m) mit lediglich einem gültigen Versuch von 19,96m den vierten und ersten Platz neben dem Treppchen (siehe Ergebnisliste).
Nun wissen wir nicht, ob diese Weite zum jetzigen Zeitpunkt dem Erwartungshorizont des bald 32-jährigen Sachsen entsprach. Ja, klar: Auch aller Wiederbeginn ist schwer. Allerdings ist festzuhalten, dass sie international gesehen nicht einmal Dutzendware ist und dass er sich über seine 1,98 Meter hinaus noch mächtig strecken muss, wenn er die happigen Normen für die Weltmeisterschaften vom 15. bis 24.Juli 2022 in Eugene/Oregon (USA) und/oder die Heim-EM vom 15. bis 21.August 2022 in München erfüllen will. Aufgerufen sind hier 21,10 und 20,80m oder ein adäquater Platz nach dem komplizierten Verfahren im „Worldranking“ (nicht gleichbedeutend mit Weltrangliste). Darauf sollte tunlichst nicht spekuliert werden.

Viel zu spät auf Drehstoßtechnik umgestellt

Für den nationalen Einheitsbrei reichten Storls 19,96m jedoch bereits für die Übernahme der Spitzenposition in der aktuellen DLV-Bestenliste vor Simon Bayer (19,83m) vom VfL Sindelfingen. Der 47-jährige Andy Dittmar von BiG Gotha belegt hier übrigens mit 17,27m den neunten Rang. Es wird noch Jahre dauern die Altlasten abzuarbeiten, in der Trainingslehre der Kader-Athleten viel zu spät auf die Drehstoßtechnik umgestellt zu haben. Nicht nur meine in der Vergangenheit oftmals geäußerte bescheidene Meinung eines Sportjournalisten und lupenreinen Amateur-Kugelstoßers mit 1.173 Wettkämpfen, sondern auch unlängst die frank und frei veröffentlichte von Nachwuchs-Bundestrainer Christian Sperling (im Bild). 
Ein erstes Kräftemessen der heimischen Elite wird es am kommenden Wochenende bei den Halleschen Werfertagen geben. „Alle großen Kugelstoß-Namen, die wir in Deutschland haben, sind am Start“, wird der leitende Bundestrainer Sven Lang  in der Vorschau auf leichtathletik.de zitiert. Die Betonung
muss pointiert auf Deutschland gelegt werden. Aber nicht allein diese Disziplin befindet sich auf rasanter Talfahrt. Nur wollen die Verantwortlichen es in ihrem Wolkenkuckucksheim nicht wahrhaben.