Olympische Spiele: Nein, danke - aber sechs Wochen vorher die DM!

Glosse

Neben der Spur

(Darmstadt/Braunschweig/Krefeld, 26. März 2020)
Wie soll das halbwegs plausibel zusammengehen? DLV-Präsident Jürgen Kessing erklärte vergangenen Samstag als Gast im „Aktuellen Sportstudio“ im ZDF in einer Gesprächsrunde, dass eine – inzwischen erfolgte – Verlegung der Olympischen Sommerspiele 2020 im japanischen Tokio (20. Juli – 01.August) vorgenommen werden müsste (wir berichteten). Nachvollziehbar! Und was passiert vor der eigenen Haustüre des von ihm geführten nationalen Dachverbandes in Darmstadt? Auf der Startseite des Internet-Portals unter leichtathletik.de ist im hauseigenen Denglisch mit dem Arbeitstitel „Top-Events“ eine im Landeanflug befindliche Weitspringerin Malaika Mihambo zu sehen. Darunter steht in der ersten Textzeile  6./7.Juni 2020, in der zweiten DM 2020 Braunschweig. Genauso in Fettschrift. Das spiegelt sich nach wohl abgeschlossenen Wartungsarbeiten gleichermaßen im Fenster „Termine“ wider.

Alkohol von Jägermeister könnte die Lösung des Problems sein

Vergegenwärtigen wir uns, dass die DM der Männer/Frauen rund sechs Wochen vor dem Beginn der abgesagten Spiele liegt, wozu sich übrigens etliche deutsche Spitzenathleten zustimmend geäußert haben. Aber bei den nationalen Titelkämpfen weit vorher sollen und wollen (?) sie auf Geheiß ihrer Dachorganisation starten. Das ist schizophren und reif für die Klapsmühle. Allerdings ist fairerweise noch festzuhalten, dass unweit von Braunschweig 12 km entfernt in Wolfenbüttel  mit „Jägermeister“ ein Kräuterlikör fabriziert wird. Nach einer noch ziemlich frischen Meldung will das Unternehmen 100.000 Liter reinen Alkohol (Ethanol) zur Herstellung von Desinfektionsmitteln zur Verfügung stellen.
Problem erkannt, Gefahr gebannt. Damit werden dann alle Teilnehmer/innen, Trainer, Betreuer, Kampfrichter, Helfer und Verbandsoffiziellen reichlich ausgestattet. Vielleicht noch anderswo Atemschutzmasken aqurieren. Eng wird’s indes bei den Zuschauern, so die zugelassen werden sollten. Die Ausgaben für die Schutzmaßnahmen würden die Eintrittsgelder auffressen. Bliebe allerdings noch die Frage zu klären, wie bei den (Lauf-)Wettbewerben und auf den Tribünen der Sicherheitsabstand von 1,50 Meter eingehalten werden soll?
Ganz so spaßig, wie das in dieser Glosse daherkommt ist das freilich alles nicht. Mehr so unverantwortlich und gedankenlos. Made (steht hier für die Insektenlarve) in DLV.