Laszlo Müller ist an Stelle seines Vornamensvetters Ömös der Betrogene

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Jesolo/Krefeld, 11. September 2019)
Rudern wir ein wenig zurück. Aber wirklich nur ein kleines Stück. „Diese unsägliche Senioren-EM hat nun bereits ihren ersten Skandal!“, haben wir in unserem Beitrag vom 07.September getitelt. Daran ändert sich im Grunde genommen nichts. Nur die Namen der leidtragenden Personen sind auszutauschen. Nicht der für Österreich startende, ungarisch-stämmige Sprinter Laszlo Dömös (*1955) ist der Betrogene, sondern sein Vornamensvetter, der für „Germany“ in die Blöcke gehende und hier auch seit vielen Jahren lebende Deutsch-Ungar Laszlo Müller (*1956) vom LAC Quelle Fürth.

Glasklare Regelung in IWR 166.1

Vorweg jedoch zum allgemein besseren Verständnis ein Auszug und die entsprechende Konsequenz aus den Internationalen Wettkampf-Regeln (IWR), Absatz 166.1:
„Verzichtet ein Läufer auf seine Teilnahme an einem Lauf der nächsten Runde, kann der Wettkampfleiter einen Nachrücken erlauben. Voraussetzung dafür ist, dass der Stellplatz rechtzeitig vor Beginn der nächsten Runde darüber informiert wurde.“
Ganz klare, schon mal vorweggenommene Aussage: Laszlo Müller hätte als erster Nachrücker (Neuntschnellster aus den zwei Halbfinals) im Endlauf starten dürfen.

Chronologie des unrühmlichen Gebarens

Nun zur Chronologie des unrühmlichen Gebarens aller offiziell Beteiligten, in der zuletzt instanzlichen Verantwortung von EMA-Präsident Kurt Kaschke aus Gütersloh in Westfalen:
Nach den vier 100-m-Vorläufen der M60 wurden die Startlisten für die zwei Halbfinals ausgehängt. Da war Val Barnwell folgerichtig nicht aufgeführt, der als US-Amerikaner bei Europameisterschaften außer Konkurrenz nur Vorläufe bestreiten darf. So weit so gut, da war noch alles in Ordnung. Doch der dunkelhäutige fortgeschrittene US-Boy, 2010 in der M50 des Dopings überführt und für zwei Jahre aus dem Sportverkehr gezogen, hat sich nach Augenzeugen-Darstellungen massiv, lautstark und rüpelhaft über seine Nicht-Berücksichtigung beschwert (der hätte sich vor seiner Anreise mal die Statuten für Gaststarter durchlesen sollen; boshaft könnte ihm indes auch ein vernebeltes Gehirn eingedenk seiner Einnahmen verbotener Substanzen unterstellt werden). Das Kampfgericht hat ihn trotzdem nicht laufen lassen. Bravo zumindest dafür!

Österreicher Laszlo Ömös hat sich rechtzeitig verletzt abgemeldet

In einem der beiden Halbfinals ist bei dem in der Addition beider Läufe auf dem achten Rang eingelaufenen Österreicher die „alte“ Achillessehnen-Reizung wieder aufgetreten. So teilte es uns sein vor Ort anwesender Sohn Robert via E-Mail mit. Deshalb hat er sich unverzüglich für den Endlauf abgemeldet.  Da sich Ömös sen. und Müller bereits von gemeinsamen Wettkämpfen in Amstetten/A kannten, hat er ihn aufgefordert sich im Wettkampfbüro für das Finale nachzumelden. So geschah es dann auch sieben (!) Stunden vor dem Endlauf. Müller wurde jedoch abgewiesen und nicht als erster rechtmäßiger Nachrücker für die Finalteilnahme zugelassen.

DLV-Delegationsleitung verharrte mal wieder in Untätigkeit

Daraufhin hat er den DLV-Delegationsleiter David Deister gebeten, sich für ihn einzusetzen und zu seinem verbrieften IWR-Recht zu verhelfen. Der machte seinem Vornamen „alle Ehre“, entgegnete nichts für ihn tun zu können, solange Ömös noch in der Liste stehe. Das ist selbstverständlich barer Unsinn. Das Wettkampfgericht hätte lediglich auf die besagte Regel 166.1 hingewiesen werden müssen. Aber es hat ja mittlerweile System, dass der aufgeblasene Begleittross aus lauter Ahnungslosen besteht. Deister machte übrigens den Riesensprung von der Kinder-Leichtathletik mit Hüpfen über leere Bananen-Kartons zu den Senioren. Das musste einfach noch mal erwähnt werden.


Barnwell ist wohl von ganz oben durchgewunken worden

Wer letztlich Val Barnwell zum Endlauf durchgewunken hat, wusste Laszlo Müller nicht. Aber der kann sich ja nicht von eigenen Gnaden auf die vom verletzten Österreicher freigemachte Bahn gestellt haben. Das ist unseres Erachtens von ganz oben gekommen. Schließlich hatte das Kampfgericht den renitenten „Ami“ richtigerweise bereits vom Halbfinale ausgesperrt. Ein deutscher Athlet hatte das Schmieren-Theater teilweise mitbekommen und einen anderen DLV-Funktionär in Caorle informiert. Der hat sogleich eingeräumt, dass so etwas gar nicht ginge und das bei der Teamleiter-Besprechung am nächsten Morgen auf die Tagesordnung bringen wolle. Aber da war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Übrigens hat Mr. Barnwell nach dem Finale, bei dem er glücklicherweise nicht als Erster, sondern klar abgeschlagener Zweiter die Lichtschranke passierte, in seiner inzwischen bekannt dezenten Art lauthals verkündet, dass er auch am 200-m-Endlauf teilnehmen wird. Da bleibt der heutige Tag abzuwarten, ob sie ihm tatsächlich noch ein weiteres Mal auf den Leim gehen.

Laszlo Müller sollte vor dem CAS klagen

Unsere Beurteilung steht jedoch jetzt schon fest. Eine Senioren-Europameisterschaft, wo die internationalen Leichtathletikregeln dermaßen mit Füßen getreten werden, sollte auf der Stelle in
„Karneval in Venetien“ umbenannt werden. Das hat mit fairem Sport nullkommanichts zu tun. Der oberste „Feldherr“ Kaschke (im Bild) ist zur Rechenschaft zu ziehen. Und Laszlo Müller ist gut beraten, beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne/CH, da hat auch die EMA ihre Briefkasten-Adresse, auf Schmerzensgeld für den ideellen und materiellen Schaden (für das volle Startgeld darf auch die vollständige Leistung erwartet werden) zu klagen.
Zeugen würde es derer satt und genug geben.