Wettbewerbe von Männern und Frauen bei EM in getrennten Stadien

Glosse

Neben der Spur

(Venedig/Jesolo/Caorle/Eraclea/Krefeld, 06. Juni 2019)
„Bella Italia!“ Schönes Italien! Das ist Kunst, Kultur, Musik, Lebensart, Weltanschauung, Leichtigkeit, Gelassenheit, Pizza, Pasta, Cappuccino, Espresso, allemal an der Adria mediterranes Flair und vieles mehr. Und nicht zuletzt Amore. Doch bei den Organisatoren und Zeitplan-Verunstaltern (kein Schreibfehler!) der 21.Senioren-Europameisterschaften vom 05. bis 15.September 2019 mit dem gemogelten Schauplatz Venedig scheint die Prüderie ausgebrochen zu sein. Da findet eine Geschlechtertrennung statt, werden Männlein und Weiblein fein säuberlich voneinander separiert, tragen einen Großteil ihrer Wettbewerbe über 40 Kilometer entfernt in Jesolo (Senioren) und Caorle (Seniorinnen) aus. Das ist ein absolutes Novum, der ganz normale Wahnsinn.

Hinweis der Athleten mit Achselzucken begegnet

Auf diesen Um- oder Missstand sei von Athleten-Seite bereits während der Hallen-WM 2019 in Torun bei Verantwortlichen der European Masters Athletics (EMA)  hingewiesen worden. Dem wäre mit Achselzucken und der Bemerkung begegnet worden, dass sei Sache des Lokalen Organisationskomitees (LOC), mithin des italienischen Leichtathletik-Verbandes FIDAL. Was ist also in sie/die gefahren, sich in Geschäftsführung ohne Auftrag und vorauseilendem Gehorsam bei erwachsenen Menschen als Wächter von Sitte und Moral aufzuspielen? Vergewissern wir uns nochmal und ihnen ins LOC-Buch, dass es sich um eine EM der Ü35-Generation handelt.

Ausgabe von Kondomen ist nicht erforderlich

Die meisten Athleten/innen reisen ohnehin mit eigenem Partner an. Das spart, wie bei Olympischen Spiele schon praktiziert, die Ausgabe von kostenlosen Kondomen zur Völkerverständigung und Überwindung von Sprachbarrieren. Und noch ein Aspekt, wenngleich für eine Minderheit. Es gibt gerade unter den Masters europaweit Paare, die nicht nur die Liebe zueinander, sondern als Aktive auch zur Leichtathletik teilen. Die wollen sich doch bei den Wettkämpfen gegenseitig sehen, anfeuern und coachen. Als besonders prominentes und erfolgreiches deutsches Beispiel seien Ute und Wolfgang Ritte (im Bild) vom SC Bayer 05 Uerdingen genannt, die weit mehr können als „nur“ Stabhochsprung. Womit jetzt ausdrücklich nicht der Seitensprung gemeint ist.
Aber womöglich gibt es ja noch ein erzwungenes Happy-End für sie und alle übrigen, die gerne ihren Sport in unmittelbarer Nachbarschaft zum anderen Geschlecht ausüben. Soviel Exhibitionismus ist schon noch erlaubt. Glücklicherweise sind nämlich erhebliche Zweifel angebracht, dass sich das noch bis vor Kurzem oder immer noch in einem erbärmlichen Zustand befindliche Stadion in Caorle (siehe gestriges Foto) rechtzeitig fertiggestellt wird.