Gesa-Felicitas Krause stürmte mit brillanter Taktik zur Titelverteidigung

(Berlin/Krefeld, 13. August 2018) Ende gut, alles gut? Jein! Immerhin gab‘s beim seit Freitag einsetzenden medaillenträchtigen Endspurt der zahlenmäßig riesigen deutschen Nationalmannschaft gestern Abend beim Finale der Leichtathletik-Europameisterschaften vor rund 40.000 Zuschauern im häufig durch das Publikum bebenden Berliner Olympiastadion noch je einmal Gold und Silber. Gesa-Felicitas Krause (im Bild; Foto: EA), die Pech-Marie der vorjährigen WM in London, stürmte in einer taktisch brillanten Meisterleistung  mit einem furiosen Finish ab kurz vor dem letzten Wassergraben in der neuen Saisonbestzeit von 9:19,80 Minuten (vorher 9:33,51) zur Goldmedaille über 3.000 m Hindernis. Die überaus sympathische, aufgeweckte 26-Jährige avancierte damit zugleich als einzige aus dem seinerzeit deutschen Quintett (noch Cindy Roleder, Christina Schwanitz, David Storl und Max Heß), die ihren Titel von der EM 2016 in Amsterdam verteidigen konnte. Das verdient ebenfalls mit einem kurzen „Bravo“ zusätzlichen Respekt und Anerkennung! Durch die heimische rosarote Brille betrachtet sorgte im vorletzten Wettbewerb der einwöchigen kontinentalen Titelkämpfe in der Bundeshauptstadt die deutsche 4x100-m-Staffel der Frauen für den erfolgreichen Schlusspunkt. Das Quartett Lisa Marie Kwayie, Gina Lückenkemper, Tatjana Pinto und Rebekka Haase lief in der Saisonbestzeit von 42,23 Sekunden hinter Großbritannien (41,88) und den Niederlanden (42,15) auf den Bronzerang.  

Ein herzzerreißender Ausstand von Hammerwerferin Katrin Klaas

Begeben wir uns wieder in unser selbstbestimmtes Hauptelement von Stoß und Wurf. Wenngleich fernab von Edelmetall, bot Hammerwerferin Katrin Klaas zum Kehraus ihrer 13 Jahre lang währenden Karriere im DLV-Team eine veritable Abschiedsvorstellung und jede Menge Nervenstärke dazu. Es dauerte nämlich nach einem ungültigen Auftaktversuch ins Netz, nach folgenden 66,49m (Neunte) bis zum dritten Durchgang, ehe sie ihre Feinjustierung gefunden hatte. Mit der Jahresbestleistung von 70,66m sicherte die 34-jährige Polizeibeamtin aus Frankfurt noch das Ticket für den Endkampf. Da sattelte sie im fünften Versuch (71,50m) noch mal 84 Zentimeter drauf. Mehr ging nicht. Der letzte Wurf fand nicht den sehr schmalen Ausgang durch die Schutzvorrichtung und landete mit Schmackes abermals im Netz. Anschließend wurde diese zierliche, 1,68 Meter große und lediglich 70 Kilogramm leichte, obendrein hübsche Frau, die figürlich so gar nicht wie eine Hammerwerferin aussieht, wie der unmittelbare Anschauungsunterricht zeigte, von ihren Emotionen überwältigt. Sie brachte das nicht geschauspielerte und dennoch bühnenreife Kunststück fertig, vor Wehmut und Freude gleichzeitig zu lächeln und weinen. Schlichtweg super authentisch, diese herzzerreißende Hessin.
Und bringen wir noch die begonnene kleine Spielerei zu Ende. Speerwurf-Europameisterin Kristin Hussong behält mit 6,05 Meter den inoffiziösen Rekord, mit dem größten Vorsprung der Fraktion Stoß/Wurf gewonnen zu haben. Lediglich mit einem Meisterschaftsrekord vermochte die polnische Hammerwurf-Wallküre Anita Wlodarczyk (Vorsprung 4,16m) gleichzuziehen.

Klosterhalfen und Burkhard wussten auch ohne Medaillen zu überzeugen

Schauen wir der Chronistenpflicht entsprechend noch ein weiteres und letztes Mal in diesem Zusammenhang  über den eigenen Tellerrand hinaus. Die ausgesprochen magere, fast schon dürre Konstanze Klosterhalfen (als ihr Großvater würde ich mir ernsthafte Sorgen um sie machen) lief mit einer strammen Verbesserung der Saisonbestzeit auf 15:03,73 Minuten (bisher 15:19,93) auf Platz vier über 5.000 Meter. Undankbar war er diesmal nicht, da zu Bronze 6,1 Sekunden fehlten. Elena Burkhard drückte gar als beachtliche Sechste über 3.000 Meter Hindernis in 9:29,76 Minuten ihre persönliche Bestzeit um annähernd fünf Sekunden.

Pech gesellte sich zu fehlendem Glück und Können

Obwohl es natürlich ungeheures Pech war, passt es irgendwie zum maßlos traurigen Abschneiden der deutschen Sprinter, dass sich auf Finalkurs über 4 x 100 Meter liegend Schlussläufer Lucas Jakubczyk aus Berlin kurz nach dem Stabwechsel mit Julian Reus am linken Wadenansatz vermutlich einen Muskelriss oder –faserriss zuzog, wie vom Blitz gefällt stürzte und Reus mitriss. Beide wurden minutenlang am Ort des Geschehens behandelt. Reus gab per Handzeichen schon bald Entwarnung. Als jedoch  der schwer gezeichnete Jakubczyk hernach von Kopf bis Fuß bandagiert aus eigener Kraft den Innenraum verließ, hatte es was von „Die Mumie kehrt zurück“.
Um es hier und jetzt nicht wieder ausufern zu lassen, werden wir auf LAMPIS im Laufe des Tages noch eine Analyse veröffentlichen, verweisen vorab auf die fürwahr grandiose Internet-Präsenz des Dachverbandes European Athletics (EA). So geht es glücklicherweise eben auch. Noch ein bisschen Weihrauch in eigener Mission: Bei nach nunmehr 52 Jahren ungebrochenem Spaß an der Sache und veröffentlichten Schreibe, habe ich liebend gerne für jede Menge Text meine Tastaturfinger und angewachsene Festplatte bemüht. Und da ich mich selbstverständlich nicht für den elektronischen Schredder ins Zeug lege, sondern informieren möchte und tunlichst dabei zu unterhalten gedenke, freue ich mich sehr über die bis in die sozialen Medien schwappende ausnahmslos positive Resonanz auf meine EM-Berichterstattung.
Danke dafür und bis später!