DLV-Bearbeitungsgebühr für EM und WM: Wieso? Weshalb? Warum?

  • Drucken

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Darmstadt/Krefeld, 10. Mai 2018) Wer von den Senioren und Seniorinnen kennt sie nicht, die Sesamstraße, die vor 45 Jahren Kinder, Jugendliche, Eltern und auch Großeltern in den Bann gezogen hat. Eine TV-Serie, die Aufklärungsarbeit im schönsten Sinne betrieb und die immer einen Wissenszuwachs brachte. Allein schon der Text „Wer, wie was, wieso, weshalb, warum?“ mit dem Zusatz “wer nicht fragt, bleibt dumm!“ war Anreiz genug, sich die Sendung um Krümelmonster, Ernie und Bert anzusehen.

Wer nicht fragt, bleibt dumm

Um genau diesen Zusatz „wer nicht fragt, bleibt dumm!“ geht es seit geraumer Zeit den Seniorensportlern, die zu internationalen Meisterschaften reisen. Es hat sich viel getan im Vorfeld zu diesen Titelkämpfen (im Gegensatz zur eigentlichen Meisterschaft nach Uralt-Muster); das Anmeldeverfahren ist modernisiert worden, geht schneller, spart Zeit und überspringt so manche bürokratische Hürde. Für die nationalen Verbände, die im Seniorenbereich durchaus auch noch von privater Hand geführt werden, sind aufwändige Zusatzarbeiten entfallen. Als da waren der Transfer der zunächst  eingesammelten erklecklichen Startgelder und die Umrechnung auf Fremdwährungen zu einem linear ungünstig angesetzten Wechselkurs, womit der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) bei der Vielzahl der Gemeldeten noch so manchen Extra-Euro machte.

Ungerechtfertigtes Bußgeld noch mal um inflationäre 50 Prozent erhöht

Wie hat sich das nun in Deutschland ausgewirkt? Überhaupt nicht! Im Gegenteil, vor einiger Zeit wurde die Gebühr mal gleich um inflationäre 50 Prozent von 10 auf 15 Euro erhöht, alle Meisterschaften, also auch Berglauf, Straße, Marathon, werden neben den Hallen- und Stadionmeisterschaften mit diesen so genannten Bearbeitungsgebühren von 15 € belegt.
Galt vor einem Jahr noch der Hinweis, dass diese Gebühr für „Organisation und Betreuung“ verwendet wird, so ist die neue Version nur auf „Online-Anmeldung“ beschränkt. Im Klartext heißt das, dass zum Beispiel der langjährige ästhetische Bildermacher Karl-Heinz „Flunker“ Flucke (im Bild) aus Berlin nicht mehr in den Verruf kommt, auf Kosten der Firma, nämlich der Athleten, unter dem Deckmantel eines Ehrenamtes seine Bilder zu machen und dann zu versilbern. Fluckes jahrelange Praxis, bei internationalen Meisterschaften vor dem ersten Kontakt mit den Athleten sich immer und sofort seine Akkreditierungskarte zu besorgen, um dann ins Stadion- oder Halleninnere zu gelangen und gelegentlich in den VIP-Raum entschwinden zu können, wird legitim (?).
Auch braucht man beim DLV keine weitere Umfrage zu starten, um pseudohaft die Zufriedenheit der Athleten abzufragen, die garantiert in puncto Betreuung bei internationalen Meisterschaften gen Null tendiert. Seniorinnen und Senioren sind beim Training, bei Meldungen und bei Wettkämpfen seit jeher Eigenversorger, werden zu Europa- und Weltmeisterschaftn nicht nominiert, sondern entsenden sich höchst selbst.

Verbandsgebaren ist modernes Raubrittertum

Bliebe also, um jenes Bußgeld oder, rheinische Lesart, Knöllchen von 15 Euro zu rechtfertigen, nur noch das Online-Meldesystem übrig. „Wieso, weshalb, warum“? Diese Frage tut sich nun erst recht auf. Die Athleten/innen melden schließlich selbstständig an den örtlichen Ausrichter, zahlen per Kreditkarte oder PayPal. Lediglich die Bestätigung der Meldung (Zugehörigkeit zum Verband, richtige Altersgruppe, Startrecht, kein Dopingfall, keine Sperre) obliegt dem nationalen Verband. Für diese Überprüfung genügt mittlerweile ein Klick und alles ist in 15 Sekunden abgeschlossen. Das heißt: in einer Sekunde verdient der DLV einen Euro. Hier bekommt selbst Fußballstar Neymar Probleme, da noch gegenzuhalten. Das Verbandsgebaren grenzt nicht nur an, es ist modernes Raubrittertum.
Bei jedem Arbeitsplatz gibt es eine Stellenbeschreibung. Wie wäre es, wenn der DLV eine Kostenbeschreibung veröffentlichen würde, in der die 15 Euro auf den Cent genau erklärt werden? Denn „wer nicht fragt, bleibt dumm!“