Dieses Nationaltrikot-Plagiat des DLV ist geschenkt noch zu teuer!

Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Madrid/Krefeld, 15. März 2018)
Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Behauptet jedenfalls Volkes Mund. Den Vergleich mit dem Barsch lassen wir jetzt mal weg. Allerdings ist manches noch geschenkt zu teuer. Das Trikot, ein stinknormales Unterhemd mit rotem Aufdruck GERMANY und einer gummiartigen Nationalflagge auf der vom Herzen abgewandten Seite, gehört eindeutig dazu. Es wirkt beim bloßen Anschauen schon billig, ist tatsächlich von minderwertiger Güte „Made in Sri Lanka“ und wird sich vermutlich nach einer 60-Grad-Wäsche in missliebigem Wohlgefallen auflösen. Ein typischer Fall von Wegwerf-Trikot nach Gebrauch. Schlicht die Ware, wie sie von der „Qualität“ aus Moppel- oder 1-Euro-Läden hinlänglich bekannt ist.

Eine schizophrene Maßnahme

Und nun wird es besonders abwegig: Es konterkariert die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) selbst aufgestellten Verhaltens(maß)regelungen im Athleten-Handbuch für die 12.Hallen-Europameisterschaften der Senioren/innen vom 19. bis 24. März im spanischen Madrid. Da heißt es unter W wie  Wettkampfkleidung mit der inzwischen üblichen absurden Panikmache einer drohenden Disqualifikation, dass lediglich die Leibchen aus den letzten drei Kaufkollektionen (dazu die entsprechende Ablichtungen) zugelassen seien. Nun steuert der DLV also wegen angeblicher Lieferengpässe (wir berichteten) seines Ausrüstungssponsors eine aus der Not geborene vierte Version höchst selbst bei. Der Psychiater nennt das Schizophrenie.

Es ist restlos alles mit Hinweis auf die Nation erlaubt

Aber, liebe Leute, schlagt den Schwachsinn mit der vermeintlichen Disqualifikation bei Zuwiderhandlung getrost in den Wind. Der Drops ist auf Anfrage von LAMPIS vor Jahren bei der European Masters Athletics (EMA), namentlich beim damaligen Vizepräsidenten Jerzy Krauze aus Polen, längst gelutscht, eine neue Verlautbarung gibt es nicht. Es ist restlos alles erlaubt, was den Hinweis auf die vertretene Nation liefert. Und das hat auch einen tieferen Sinn. Denn es gibt Länder, die gar keine offizielle Leichtathletik-Nationalmannschaft der Männer/Frauen haben, selten bis nie Athleten zu internationalen Meisterschaften oder Olympischen Spielen entsenden. Ohne sie jetzt alle aufzuzählen, der sehe sich bei Interesse die bei der EMA angeschlossenen nationalen Verbände unter diesem Link an. Beim bloßen Überfliegen habe ich meinerseits locker zehn solcher Zwerg-Staaten ausgemacht.
Kurzum: Es erübrigt sich jede weitere Diskussion zu diesem hausgemachten Thema aus Hessen. Oder um es literarisch nach William Shakespeare zu formulieren: Viel Lärm um nichts!