Alternative Fakten sind in der Leichtathletik fast an der Tagesordnung

(Darmstadt/Jülich/Krefeld, 19. Januar 2018)  Machen wir noch einen Nachklapp zum Unwort des Jahres 2017. Wobei Unwort streng genommen auch schon ein Unwort ist. Der alleswissende Duden gibt es allerdings her, definiert dabei ein schlechtes, falsch gebildetes, unschönes, schlimmes oder unangebrachtes Wort. Nun jedoch zu den in den USA von einem Ex-Pressesprecher des Weißen Hauses kreierten „Alternativen Fakten“. Sie sind keineswegs nur im Land der unbegrenzten (Un-)Möglichkeiten zu Hause. Sie kommen auch oder gerade in der Leichtathletik vor, wo es eben sehr stark auf Fakten ankommt. Man(n)/frau muss sie nur sehen. Spießen wir exemplarisch drei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit auf.

Falsche Etikettierung

Nach einem Beitrag in der Senioren-Spielecke soll „Stabi“ Wolfgang Ritte (M65) vom SC Bayer 05 Uerdingen bei den Hallenmeisterschaften des Kreises Düsseldorf/Neuss mit 3,70m Europarekord gesprungen sein. Ganz schlecht informiert, der Hobby-Schreiberling vom Bundesausschuss Senioren, der eigentlich für die Statistik zuständig ist. Diesen Kreis gibt es neben weiteren 13  im Leichtathletik-Verband (LVN) durch eine Gebietsreform seit 01.Januar 2018 nicht mehr. Vielmehr sprang der gute Wolfgang die stimmende Bestmarke bei den in diesem Falle sogar wesentlich ranghöheren Hallenmeisterschaften der LVN-Region Mitte der Männer, Frauen und U20. Also obendrein in der offenen Klasse. Fakten sollten stimmen. Anderenfalls sind es „Fake News“ oder auf gut Deutsch Falschmeldungen. Hier zugleich Etikettenschwindel im besonders negativen Sinne.

Wenn es dem Esel zu wohl wird, begibt er sich aufs Eis

Formulieren wir es jahreszeitgemäß: Wenn es dem Esel zu wohl ist, begibt er sich aufs Eis. Soll heißen, dass der Mittelstrecke laufende Seniorensprecher Alfred „Alf“ Hermes aus Jülich auf seiner Abkupferungs- und Verharmlosungsnetzseite sein nicht vorhandenes allumfassendes Fachwissen präsentieren wollte. Nach seiner antiquarischen Version im Textteil würde die so genannte Männer-Kugel (M20 bis 45)  7,257 Kilogramm wiegen. Das war einmal und ist schon gaaanz lange nicht mehr. Eine solche Kugel wäre nämlich drei Gramm zu leicht und würde bei einer geeichten Waage keine Gerätekontrolle auf dieser Welt passieren. Denn sie muss seit Anfang der siebziger Jahre minimum 7,26 kg schwer sein. Die krumme Zahl kam dereinst durch die Umrechnung von 16 Pounds (Pfund) zustande. Übrigens  wurde  das Gewicht unter Rekorde bis mindestens 2011 (danach liegen sie mir nicht vor) auch in den deutschen Senioren-Bestenlisten falsch dargestellt.
Eine Großmeisterin alternativer Fakten ist WMA-Statistikerin Sandy Pashkin. Aber sie kommt ja auch aus dem Herkunftsland des gekürten Unwortes. Doch sie hatten wir gerade erst.
Kurzum: Einzigartige Fakten sollten nicht nur, sie müssen stimmen. Deshalb sind wir, leider auch nicht ohne Fehl und Tadel, durchaus dankbar auf Fehler jedweder Art hingewiesen zu werden. Über eine möglicherweise falsche Interpunktion sollten unsere Lektoren in Geschäftsführung ohne Auftrag jedoch großzügig hinwegsehen.