Franz Gries pulverisierte den deutschen Rekord im Kugelstoßen der M90

(Mönchengladbach/Krefeld, 02. Juli 2018) Verneigen wir virtuell unser Haupt in Ehrfurcht und Anerkennung vor einem Senior unter lauter Senioren. Namentlich vor Franz Gries (*1928) von der LG Reischenau-Zusamtal. Das mehr als gestandene Mannsbild aus dem Freistaat Bayern pulverisierte bei den nationalen Titelkämpfen der Talente von gestern und vorgestern, bei ihm sogar vorvorgestern, in Mönchengladbach den deutschen Rekord im Kugelstoßen der M90. Der 90-Jährige (oder in Lauerstellung) verbesserte bei seinem klaren Erfolg über den Alterspräsidenten Paul Nobbe (*1925) vom TuS Mayen in der Eifel den deutschen Rekord auf formidable 10,12m. Die bisherige Bestmarke wurde seit 2010 mit 9,14m notiert, seinerzeit aufgestellt  von Johannes Drewing (*1920) vom TV Niederbieber. Mit seiner Leistung hätte Gries beim selben Gerätegewicht von 3 Kilo auch die M85 und in einer „gemischten Raubtiergruppe“ die W70 gewonnen, wäre bei der W65 noch Zweiter geworden. Das nur mal so als zusätzliches Attribut.

Lady-Kracher hielt lediglich von der Spannung, was er versprochen hatte

Ansonsten kaprizieren wir uns stellvertretend auf zwei besonders spannende Wettbewerbe bei Stoß und Wurf. Allerdings hielt der von uns in der Vorschau apostrophierte „Lady-Kracher“ im Kugelstoßen der W50 zumindest vom Niveau her nicht das, was er versprach. Dabei war die Startzeit 10.30 Uhr vom Biorhythmus sehr günstig, die Sonne brannte noch nicht so extrem vom Himmel und das Feld war mit zwölf Protagonistinnen im Filterverfahren nach dem Vorkampf absolut meisterschaftswürdig. Die nach der „Papierform“ favorisierte Titelverteidigerin und mit 14,57m Jahresbeste Jana Müller-Schmidt (*1964) von der SG Osterholz legte bis zum vierten Versuch mit 13,21, 13,45m, 13,75 und 13,86m eine Art Steigerungslauf hin. Damit hatte sie jedoch ihr Pulver verschossen, produzierte danach zwei Fahrkarten. Es sollte freilich bis zum finalen sechsten Durchgang zur Führung reichen, ehe sich die über eine Distanz von 1,09m breit streuende Claudia Kodel (*1968) vom OSC Berlin von der dritten Position (13,65m) mit 14,03m auf Rang 1 nach vorne schob. Neben diesen beiden erklärten Titel-Anwärterinnen hatte sich auf leisen Sohlen Agnes Maria Brosthaus (*1968) nach zwei ungültigen Versuchen zum Auftakt im dritten Durchgang mit ganz viel Adrenalin zwischenzeitlich an die Spitze gesetzt. Diese Weite von 13,80m vermochte sie nicht mehr zu steigern, sodass bei der Schlussabrechnung der Bronzerang heraussprang. Eingedenk der Zitterpartie sicherlich Balsam auf den ungewollten negativen Stress.

Rainer Horstmann machte im letzten Versuch sein Meisterstück

Das männliche Pendant dazu war der Diskuswurf der M60 mit gleichermaßen zwölf Akteuren. Auch hier sollte nach geradezu bühnenreifer Dramaturgie erst der letzte Ve
rsuch über den höchst überraschenden Ausgang auf den Medaillenrängen entscheiden. Der Spielfilm, wobei die Startreihenfolge leider nicht bekannt ist (auch ein Manko in der Ergebnisliste!): Jung-Sechziger Hartwig Vöhringer (*1968) von der LG Rems-Welland (Meldeleistung 47,21m) ging nach dem zweiten Versuch mit 46,23m in Front, durfte den Platz in und an der Sonne bis zum fünften Durchgang einnehmen. Dann wurde er jedoch vom Bestenlisten-Ersten (49,84m) Frank Hoffmann (*1957) von der LG Plettenberg- Herscheid mit 46,64m und von Rainer Horstmann (*1957) vom TSV Kirchlinde mit 46,25m übertroffen. Hoffmann legte 46,99m nach, Horstmann jedoch die neue Saisonbestleistung von 48,06m (zuvor 47,14m). Außer dem Meisterstück war es in x Duellen der erste Erfolg über den gleichaltrigen und ebenfalls aus dem Landesverband Westfalen stammenden Hoffmann, deren sportlichen Wege sich just aufgrund der regionalen Nähe schon häufiger kreuzten.

Kugel W35: Bessere Leistung außerhalb der Wertung

Noch ein Novum. Wilma Jansen vom LT DSHS Köln stieß in der W35 außer Wertung mit 12,84m  weiter als die Siegerin (12,19m). Vermutlich hatte sie ihre Stellplatzkarte zu spät abgegeben. Sollte es so gewesen sein, wäre ein konsequentes Vorgehen für alle Beteiligten sinnvoller. So hat es schlechterdings einen bitteren Beigeschmack. Jansen hielt sich dafür als Titelträgerin im Speerwurf (42,49m) schadlos.
Ohne jetzt ausschließlich auf das doch sehr mühselige Studium der obendrein völlig ungeordneten Online-Ergebnisliste zu verweisen, noch einige in den Beiträgen zuvor nicht erwähnte bemerkenswerte Leistungen aus subjektiv gefärbter objektiver Sicht:
M35, Kugel/Diskus/Speer: 1. Dominik Lewin (LV 90 Erzgebirge) 15,17/45,69/51,88m; 5M45, Kugel/Diskus: 1. Ralf Mordhorst (LC Lübeck) 15,16/52,33m; Hammer: 1. Sven Triebel (LG Olympia Kirchberg) 54,87m; M50, Kugel: 1. Andreas Deuschele (TG Nürtingen) 15,68m; Speer: 1. Frank Schäfers (Leichlinger TV) 58,93m; M65, Diskus: 1. Johann Stein (TV Werther) 45,00m; M80, Hammer: 1. Peter Speckens (SV Rot-Weiß Schlafhorst) 39,14m, 2. Lothar Huchthausen (LG Altmark) 38,95m.
W35, Diskus: 1. Sabine Rumpf (LSG Goldener Grund Selters) 53,04m; W45, Diskus/Hammer: 1. Bettina Schardt (MTG Mannheim) 40,50/40,09m; W 55, Kugel/Diskus: 1. Birgit Plifke geb. Petsch (DJK Montania Kürten) 12,78/35,02m.