Handikap kostete Wurf-Allrounder Norbert Demmel nicht nur den Titel

(Aarhus/Krefeld, 06. August 2017) Schicht im Schacht. Letzte Ausfahrt Aarhus mit Entscheidungen bis in den heutigen Schlusstag hinein für die Fraktion Stoß/Wurf. Der ist gemeinhin den Ultra-Langstrecken und den abschließenden 4 x 400-m-Staffeln vorbehalten. Diesmal müssen neben einigen Klassen im Weit- und Hochsprung auch noch die oberen Altersetagen (ab M75) im Wurf-Fünfkampf heran; dem Wettbewerb für die Vielseitigen der Werfer/innen und solchen die sich dafür halten. Wobei die wirklich durch ihre Ausgeglichenheit in wenigstens vier Disziplinen bestechenden Athleten/innen dann doch eher Mangelware in diesem Hammerwurf-lastigen Fünfkampf mit dem stark artverwandten Gewichtwurf sind. Dieses Doppel pflegt auch meist den Ausschlag zu geben. Aber den Beweis haben wir  nicht nur einmal durch etliche praktische Beispiele längst angetreten.

Viel Spaßgesellschaft aus „GER“ im Einsatz

Ganz viel „Spaßgesellschaft“ aus Deutschland war fast überall bei Männern und Frauen unterwegs. Bei der W35 gar fünf von sieben beim Doppelerfolg von Wilma Jansen (3.238 Punkte) und Michaela Will (3.201) mit den Rängen vier bis sechs. Sieben waren es gar in der M60, in der Reiner Horstmann (3.737) sich über die „Holzmedaille“ knapp hinter Bronze (3.762) und Silber (3.770) geärgert haben dürfte. Ein für ihn vermurkstes Kugelstoß-Ergebnis von 12,41m kostete Edelmetall. Kläglich der große deutsche Rest auf den Plätzen 9 und 11 bis 15 von insgesamt 15 Teilnehmern. Überhaupt hier wir da viele Hinterbänkler im schwarz-rot-goldenen Trikot im Einsatz des fünfteiligen Handwerks.
Doch kommen wir zum Vorzeige-Allrounder schlichtweg. Diese EM stand für den amtierenden M50-Weltrekordler (4.696) Norbert Demmel allerdings unter einem denkbar ungünstigen Stern (wir berichteten). Ohne sein größtes Handikap, eine speziell Kugelstoßen und Diskuswerfen zur Tortur machenden Kapselverletzung an der linken Wurf-Hand, befand sich der 54-jährige Münchner in der Form, seine eigene Bestmarke steigern zu können. So ließ er in seinen beiden „Schokoladenübungen“ mit 14,71 und 49,56m zu viele Punkte liegen, musste sich in der Schlussabrechnung dem drei Jahre jüngeren Dänen Jan Cordius höchst unglücklich mit 4.402 zu 4.511 Punkten in dem aufgeblähten 25-köpfigen Feld geschlagen geben. Der „Touri des Tages“ kommt hier ausnahmsweise mal aus Frankreich, brachte ohne Ausfall lediglich 1.636 Punkte zu Stande. Das schafften die drei Erstplatzierten mit zwei Disziplinen. Was da manch eine/n antreibt, grenzt schon an Masochismus.

Hilja Bakhoff steigert in der W90 den Europarekord ihrer Landsfrau Kutti

Neben Demmel steuerte Holger Fettke (3.924) in der W45 noch eine Silbermedaille bei, Andreas Will wurde in der im doppelten Wortsinne schwach besetzten M35 (fünf Teilnehmer) Dritter mit 2.418 Zählern. Da verkaufte sich das gemeinhin schönere Geschlecht per Saldo mit zwei Titeln (noch Margret Klein-Rhaber mit ordentlichen 4.179 Punkten in der W50), drei silbernen und einer bronzenen Medaille deutlich besser. Die Fünfkampf-Königin kommt allerdings mit Anni van Anholt aus den Niederlanden, die in der M70 mit 4.829 Punkten das alles in allem höchste Resultat anhäufte. Allein  die Zweitplatzierte (3.651) distanzierte sie um 1.178 Zähler. Die Jung-Siebzigerin hätte auch den von den meisten ungeliebten Speewurf (20,01m/706 P.) weglassen können und immer noch klar gewonnen. Es sei nicht verschwiegen, dass die in der W90 einsame Hilja Bakhoff aus Estland den Europarekord (3.903) ihrer Landsfrau Nora Kutti aus dem Jahre 2015 von der WM in Lyon um 39 Punkte verbesserte.
Die weiteren Medaillenränge: W40: 2. Birgit Keller 3.575 P.; W45: 3. Dagmar Suhling 3.528 P.; W65: 2. Eva Nohl 4.086 P. – Alle Resultate unter diesem Link.