Olympia-Dritte Kirsten Hilbig war die insgesamt beste Hammerwerferin

(Aarhus/Krefeld, 04. August 2017) Kehraus der Einzelwettbewerbe von Stoß und Wurf bei der Senioren-EM in Aarhus. Die Seniorinnen arbeiteten gestern in allen Altersklassen den Hammerwurf ab, das stärkere Geschlecht den verbliebenen Rest beim Kugelstoßen ab M70. Bleiben wir nicht nur der Höflichkeit halber bei „Ladies first“. Schließlich ging mit Kirsten Hilbig (im Bild), geschiedene Klose und geborene Münchow eine der Pionierinnen des Hammerwurfs in den Ring, die bei der Olympia-Premiere 2000 im australischen Sydney dieser letzten Männer-Bastion mit dem damaligen deutschen Rekord von 69,28m die Bronzemedaille gewann. Mit derlei gibt sich die Westfälin vom VfR Evesen bei der Ü35-Generation natürlich nicht zufrieden. Die Jung-Vierzigerin (*1977) gewann den Wettbewerb der W40 überlegen mit 53,32m und einem gewaltigen Vorsprung von 4,82m auf die „versilberte“ Finnin Kirsi Koro. Dabei bewegte sie sich in der Nähe ihres deutschen Rekords (54,38m) von der Winterwurf-DM 2017 in Erfurt. Natürlich gilt auch hier die Einschränkung, dass die miserabel geführte Rekordliste auf dem aktuellen Stand ist. Allerdings hätte sie den nur selber verbessern können. Das Vertrauen in die Statistiker von national bis international ist bekanntlich längst erschüttert. Zumindest wissen die Stammbesucher von Lampis darum. Kleine, aber nicht unwesentliche Randbemerkung: Hilbig entschied mit der insgesamt besten metrischen Leistung auch die inoffizielle All-Star-Wertung um die von uns vergebene virtuelle „Goldene Ananas“ für sich.

Hilja Bakhof warf abermals Weltrekord in der W90

Da kann natürlich eine 91-jährige mit dem halb so schweren 2-Kilo-Hämmerchen nicht mehr hinwerfen. Doch dafür löschte die Estin Hilja Bakhof (*1926) nach dem Gewichtwurf auch einen weiteren Weltrekord der Sagen umwobenen Kanadierin Olga Kotelko in der W90 aus. Und das mit 18,21 zu 16,71m um satte 1,50 Meter. Respekt, sportliche Anerkennung und Vorbeugung vor der dienstältesten Werferin bei dieser EM! Andere in dem betagten Alter sind mit dem „AOK-Porsche“ (Rolli) unterwegs und würden sich eine Reise von knapp über 2.000 Kilometer, egal mit welchem Verkehrsmittel, nicht mehr antun.

Starke Leistung von Eva Nohl in der W65

Eva Nohl (*1948) aus dem fränkischen Langenzenn schaffte, wenngleich ohne Rekorde, ebenfalls dieses Double. Die dem letzten Jahr in der W65 angehörende 69-Jährige gewann mit starken 39,50m die aus zwölf Bewerberinnen bestehende Konkurrenz, die sie gleich mit fünf Versuchen aus ihrer makellosen Serie für sich entschieden hätte. Das alles übertraf freilich eine Altersetage höher noch die Niederländerin Annie van Anholt (*1947) in der W70. Das fortgeschrittene Meisje hatte bei ihren 34,29m einen Vorsprung von über zehn Metern auf den umkämpften zweiten Platz, bei dem zwei Zentimeter über Silber und Bronze den Ausschlag gaben. Das spricht für A.v.A., aber nicht für ihre hoffnungslos unterlegenen Gegnerinnen und die Qualität dieser EM.
Kein Gold vermochten die deutschen Kugelstoßer beim Rest vom Fest in dieser Disziplin zu schöpfen. Wer es gerne etwas genauer und ausführlicher bevorzugt, der möge sich der verlinkten Online-Ergebnisliste bedienen.