Tristesse pur: Berühmt-berüchtigter November-Blues steht vor der Tür

Kolumne

Moment mal

(Krefeld und Republik, 31. Oktober 2020)
Zart besaitete Gemüter sollten jetzt einfach bei dem folgenden Horror-Szenario nicht weiterlesen. Als wären die Zeiten nicht schon trostlos genug und nur von ganz robusten Naturen mit dem Gemüt eines stets satten Fleischerhundes zu ertragen, steht nach dem heutigen Reformationstag (ein für die meisten verschenkter Feiertag in zehn Bundesländern) zu allem Überdruss der berühmt-berüchtigte November-Blues unmittelbar vor der Tür. Tristesse pur!
Sie beginnt mit dem morgigen Allerheiligen (Feiertag in fünf anderen Bundesländern; die Hessen wurden völlig vergessen). Die weiteren unersprießlichen Eckdaten: 02.November Allerseelen, 03.November Wahlen des US-Präsidenten (wenn‘s ganz schlimm kommt, wir der Mann wiedergewählt, der vermutlich glaubt über Wasser gehen zu können – so es denn zugefroren ist); 11.November Martinstag und Karnevals Erwachen (beides fällt mit Umzügen und Veranstaltungen aus); 15.November Volkstrauertag; 18.Novmber Buß- und Bettag (Feiertag nur in Sachsen); 22.November Totensonntag.

Bei allem Überdruss auch noch ein „Soft-Lockdown“

Doch schlimmer geht ja irgendwie immer. Denn vom 02. bis 30.November werden wir bundesweit in einen „Soft-Lockdown“ (Teil-Abriegelung) mit jeder Menge einschränkenden Maßnahmen geschickt. Die selbst für mich als sehr vorsichtigem Bundesbürger der doppelten Risikogruppe (M75 plus Vorerkrankung) nicht alle einen Sinn ergeben. Aber das ist eine andere Baustelle, die schon von berufeneren Medien sowie in Polittalks rauf und runter diskutiert worden ist. Bleibt zu hoffen, dass die unverbesserlichen Feierbiester heute am fremdbestimmten, bekloppterweise aus dem Land der inzwischen begrenzten Möglichkeiten
gemeint sind die Ver(unr)einigten Staaten von Amerika mit inzwischen 230.000 Corona-Toten (Krefeld gewissermaßen ausgelöscht) importierten „Halloween“ nicht noch mal so richtig über die Stränge schlagen und die Infektionszahlen zusätzlich nach oben treiben.

Der nächste Frühling kommt bestimmt, mit ihm vielleicht ein Impfstoff

Die guten Nachrichten zuletzt: Wie sagte doch unser aller, wahrlich nicht zu beneidende Bundeskanzlerin und Krisenmanagerin Angela Merkel sinngemäß: Es gelte diszipliniert durchzuhalten, der nächste Frühling komme bestimmt. Dazu ist erst heute Morgen nachzulesen, dass bis dahin womöglich mit einem Impfstoff, der sich bereits in der dritten klinischen Phase befinden würde, zu rechnen sei. Und ungeachtet vorerst aller Schließungen von Sportstätten und Fitnessstudios dürfen wir weiterhin zum Spaziergehen und Radfahren an die frische Luft. Das ist Balsam für den Körper und die Seele. Was mich betrifft, schwinge ich mich um 10 Uhr für eine 50-Kilometer-Tour am linken Niederrhein auf den Sattel, derweil meine persönliche Regierungschefin in vernünftiger Arbeitsteilung den Garten vor und hinter dem Haus winterfest macht. Sie hat nun mal den „grünen Daumen“.