Persönlicher Nachruf zum Tode meines Sportfreundes Peter Speckens

(Übach-Palenberg/Krefeld, 11. November 2019) Offen gestanden fällt es mir ungeheuer schwer, auf dieser Welle und an dieser Stelle im unmittelbaren Anschluss auf den Nachruf zum Tod der – und das ist in verklärter Ehrerbietung kein schmückender Superlativ – nun nicht mehr lebenden Werfer-Legende Peter Speckens profan zur Tagesordnung überzugehen. Das noch obendrein an einem inoffiziösen rheinischen Feiertag, dem Elften im Elften mit Karnevalserwachen um 11:11 Uhr. Erwähnt ist es hiermit dennoch. Aber das war’s auch schon. Was indes folgt, ist aus meiner privaten Sicht ein persönlicher Nachruf auf den verstorbenen langjährigen Sportfreund, den ich geachtet, geschätzt, ja, nahezu verehrt habe, der für mich gewissermaßen Leitbildcharakter hatte.

Über die gemeinsame Werferei hinaus „Brüder im Geiste“

Denn ich war ihm weit über die gemeinsame Leidenschaft der Werferei hinaus verbunden. So was, das in diesem Zusammenhang gerne und allgemein verständlich als „Bruder im Geiste“ bezeichnet wird. Mehr noch: Obwohl uns altersmäßig lediglich neuneinhalb Jahre trennten, was im oberen Alterssegment gefühlt noch zusammenschrumpft, war er für mich ein väterlicher Freund. Auf seinen bisweilen in Anspruch genommen Rat konnte ich mich hundertprozentig verlassen. Insbesondere dann, wenn ich bei meiner journalistischen Tätigkeit auf LAMPIS gelegentlich nicht in der Sache, jedoch der für Betrachter allzu markigen Wortwahl rhetorisch übers Ziel hinaus geschossen bin. Da fungierte er als ausgleichendes Element, als Leitlinie bei der einem Schütze-Geborenen meist nicht vorhandenen diplomatischen Ader des stets frank und frei von der Leber weg.

Schlaue (Binsen-)Weisheiten sind wenig hilfreich

Es gibt viele schlaue (Binsen-)Weisheiten. Nur zwei prägnante Beispiele: „Der Tod gehört zum Leben“ und „Das Leben ist endlich“. Das wissen wir alle, seit wir den Kindesbeinen entwachsen sind und uns damit irgendwann zwangsläufig unmittelbar auseinander setzen mussten. Aber es zu fassen und begreifen, wenn ein Mensch stirbt, der einem sehr nahe gestanden hat, das hat eine völlige andere Dimension und Tragweite. Bei einer vorangegangenen längeren schweren Krankheit kann man sich mit dem Gedanken eines Ablebens zumindest schon beschäftigen. Oftmals wird der Tod sogar als Erlösung für alle direkt Beteiligten angesehen. Ein Trost, ein Anker, der einen in der Trauer stützt und ein wenig Halt geben kann.

Schlimmste aller Nachrichten traf wie ein Keulenschlag

Aber hier. Peter „Der Große“ Speckens ist, wie gestern bereits beschrieben, einem Blitz aus heiterem Himmel gleich bei scheinbar bester Gesundheit und geistiger Frische mitten aus dem Leben gerissen worden. Diese schlimmste aller denkbaren Nachrichten erreichte meine Frau Elke und mich gestern bei einem Cappuccino in der Golfclub-Gastronomie auf der Krefelder Galopprennbahn. Jürgen Dannenberg hatte bei ansonsten eher seltenen derartigen Kontakten auf der Mailbox meines Handys um Rückruf gebeten. Da beschlich uns schon ein komisches Gefühl, dass irgendetwas mit Peter Speckens sein könnte. Es sollte der Super-GAU sein, der uns sinnbildlich wie ein Keulenschlag traf. Das muss nicht weiter geschildert werden, hat jeder schon nachvollziehbar leidvoll erlebt.

Ein Gentleman wie er im Buche stand vor seinem letzten Weg

Eigentlich sollte Peter Speckens wie zu meinem „Sechzigsten“ Anfang Dezember 2004 in der Altbierstube des Parkhotels Krefelder Hof zu den Gästen aus Anlass der baldigen Vollendung meines 75. Lebensjahres gehören. Stattdessen wird nicht er mir die Freude seines Besuches, sondern ich ihm die Ehre bei der Abschiedsfeier auf seinem ultimativ letzten Weg erweisen: Dem Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, dem im positiven Sinne für sich einnehmenden, von ihm begeisterten Menschenfänger, der bis Dato berühmteste Sohn von Übach-Palenberg, dem Weltmann, der über das Sportliche hinaus auch als ehemaliger Werksleiter der großen Maschinenfabrik Schlafhorst die ganze Welt bereiste.
So schmerzlich dieser Abschied für seine Witwe Irmgard, seine Tochter Martina, die übrige Familie, Verwandte, Freunde, engere Bekannte und die unzähligen Sportkameraden rund um den Globus, so sie es erfahren, auch ist, mag es ein Trost sein, dass er nicht hat leiden müssen und bis zu seiner bewusst wahrgenommenen letzten Sekunde ein prall gefülltes, abwechslungsreiches, interessantes und spannendes Leben geführt hat. Ein solch bewegungsaktives, stattliches Mannsbild als Pflegefall womöglich im Rollstuhl übersteigt jegliche Vorstellungskraft. Das ist ihm und seinem nahen Umfeld erspart geblieben. So es überhaupt einen „schönen Tod“ geben kann, war das einer aus dieser Kategorie.