Britin Evaun Williams stellte fantastischen Fünfkampf-Weltrekord auf

(Málaga/Krefeld, 13. September 2018) Unfassbar, aber wahr! Die britische Werfer-Ikone Evaun Williams (*1937), Aufstellerin und immer noch Halterin mehrerer Senioren-Weltrekorde durch verschiedene Altersklassen, zertrümmerte gestern bei der Masters-WM in Málaga förmlich den im Wurf-Fünfkampf der W80. Immerhin ist mit Susanne Wissinger (*1934) vom TV Gelnhausen mittelbar eine Deutsche beteiligt. Denn sie war es, die Ende September 2014 in Baunatal mit 4.845 Punkten den Weltrekord (wird mit denselben Einzelleistungen als deutscher Rekord mit 5.039 gelistet?) in diesem Vielseitigkeitswettbewerb aufstellte. Bis sich die 81-jährige Williams ans fünfteilige Werk machte. Und als am Ende saldiert wurde, hatten sich 6.080 (!!!) Punkte, in Worten: Sechstausendundachtzig, angesammelt.
Das ist klassenübergreifend, Männer eingeschlossen, die höchste jemals erzielte Punktzahl. Gewissermaßen ein „All-Star-Record“. Danach folgt sie selber mit 5.528 Punkten in der W75. Und noch bei den Männern: Carmelo Rado aus Italien mit 5.258 Punkten in der M80. Für Kenner noch zum Genießen die Einzelleistungen der „Grande Dame“ des Wurfs: Hammer 37,85, Kugel 9,23, Diskus 23,00, Speer 24,65, Gewicht 12,68m.
Der ganz normale Wahnsinn! Wer will das noch toppen? Den Ehrenpreis für die herausragende Leistung, so es ihn geben sollte, wird ihr niemand streitig machen können.

Drittes WM-Gold für Lothar Huchthausen

Rein aufs Geschlecht bezogen war das Pendant in der M80 Lothar Huchthausen (*1935) von der LG Altmark. Wer auch sonst! Der weltweit derzeit beste Allrounder der reiferen Semester und deutsche Rekordler (4,939) gewann mit respektablen 4.825 Punkten. Dabei warf er den Speer mit 38,31m sogar weiter als bei seinem souveränen WM-Titel in der Einzelkonkurrenz (37,45m). Das Kugelstoßen (12,33m) hatte er knapp vor dem Schweden Edlund Osten (12,29m) auch schon für sich gebucht. Der Mann aus Sachsen-Anhalt ist aus besonders hartem Holz geschnitzt. Respekt und sportliche Anerkennung!

Einstige deutschen Speerwurf-Asse ohne Titelerfolg

Hübsch verteilt auf drei Klassen gingen drei deutsche Speerwurf-Asse von einst auf Titeljagd. Der Wahl-Franzose Raymond Hecht (*1968) war bereits vorgestern in der M45 mit 62,79m um vergleichsweise geringe 33 Zentimeter an Gold gescheitert. Dem Ex-Wattenscheider folgten Mittwoch zwei weitere Silberlinge, die allerdings beileibe in den schwarz-rot-goldenen Farben gewandet. Wiewohl es aus der Fernsicht nicht absolut schlüssig zu beurteilen ist, mutet es auf den bloßen Blick der Ergebnisliste leichtfertig an, was Peter Blank (*1962) von der TG Hanau in der M55 umtrieb. Nach dem Auftakt mit 61,26m in Führung liegend, fabrizierte er zwei ungültige Versuche, verzichtete danach auf die „zweite Halbzeit“ im Finale. Der britische M-55-Weltrekordhalter (66,76m) Roald Bradstock, also kein unbeschriebenes Blatt, hatte bis dahin 58,99m vorzuweisen und bedankte sich für so viel Entgegenkommen mit 61,72m im letzten Versuch. Glatter ging es in der M50 vonstatten. Für Peter Esenwein (*1967) vom VfL Sindelfingen war dagegen mit seinen 63,02m kein Kraut gegen den vermutlich deutschstämmigen Südafrikaner Wilhelm Pauer (67,87m) gewachsen.

Seltsames, regelwidriges Prozedere bei mehr als 18 Startern/innen

Bereits mehrfach, gerade beim Speerwurf, als völlig undurchschaubar zu beobachten, was die spanischen Organisatoren bei großen Feldern so verunstalten (kein Tippfehler!). Die internationale Regel ist eindeutig, dass bei mehr als 18 Teilnehmern/innen eine getrennte Ausscheidung stattzufinden hat und später ein gemeinsamer Vorkampf der zwölf Bestplatzierten zur weiteren Filterung der acht Finalisten erfolgt. Prozedere in der M60. Erste Gruppe, nach den Meldeleistungen die schwächere, 15 Uhr mit 14 Startern. Darin wurde fälschlicherweise Josef Schaffarzik (*1955) vom ESV Nürnberg eingeordnet, der sich prompt mit 50,08m durchqualifzierte. Auf Verdacht konnten sie ihn nicht drei weitere Versuche machen lassen, was ohne die unmittelbare Konkurrenz auch nicht zulässig ist. Also, so mutmaßen wir, sortierten sie ihn in die um 16.15 Uhr beginnende zweite Gruppe mit ursprünglich 15 Startern ein. Der Nürnberger verbesserte sich im vierten Durchgang auf 53,85m, was in Summe Rang drei bedeutete. Doch hier wurde sein Landsmann Reinhold Paul (*1957) vom VfL Waldkraiburg als Dritter mit 49,51m geführt. Los gelöst von diesem haarsträubenden, regelwidrigen Wettkampf-Verfahren, gibt’s nicht mal eine bereinigte Gesamt-Ergebnisliste. Wohlgemerkt: Kein Einzelfall!
Alle Resultate des gestrigen Tages.