Sportsch(l)au: Im Freien Sport zu treiben ist nicht zwangsläufig gesünder

(Köln/Krefeld, 11. Dezember 2017) Es kursieren eine Menge Sportirrtümer, die so lange kolportiert und transportiert werden, dass sie irgendwann Mythenstatus erlangen, also für bare Münze genommen werden. Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse (im Bild) von der Deutschen Sporthochschule Köln, früherer Klasse-Sprinter beim einstmals ruhmreichen ASV Köln, nimmt sich derartiger Vorurteile im WDR2-Hörfunk und ARD-Morgenmagazin unter der Rubrik „Sportsch(l)au“ sowie anderen Publikationsplattformen an. Mit seiner freundlichen Genehmigung werden wir in loser Folge diese Beiträge veröffentlichen, wobei wir aus Platzgründen gelegentlich den Sinn wahrende Kürzungen vornehmen. Das ist nunmehr das 94.Kapitel zu diesem Themenkomplex. A.H.
Pauschal zu sagen, dass es gesünder sei im Freien Sport zu treiben, stimmt nicht immer. Besonders die Umweltbedingungen spielen hierbei eine wesentliche Rolle. Wer beispielsweise in städtischen Gebieten Sport ausübt, in denen viele Motorfahrzeuge unterwegs sind, setzt sich einer höheren Abgas- und Feinstaubbelastung aus. Die konkreten Folgen sind noch nicht genau absehbar. Aber es kann unter anderem Atemwegserkrankungen oder Reizungen der Lunge und/oder Haut hervorrufen. Genauso sind extreme Hitze oder Kälte nicht gerade gesundheitsförderliche Faktoren. Zu hohe Außentemperaturen können zur Dehydrierung oder Kreislaufschwäche führen. Im Gegensatz dazu, kann das Sportentreiben bei Temperaturen von mehr als -10 Grad Celsius die Lunge schädigen.

Wind und Wetter gut für ein starkes Immunsystem

Neben diesen umweltbedingten Faktoren ist auch die organisatorische Komponente nicht zu unterschätzen. So hat nicht jeder einen Trainingsparcours oder Trimm-dich-Pfad um die Ecke. Wer also an Geräten oder mit Hilfsmitteln trainieren möchte, braucht entweder eigene Sportausrüstung oder ist im Studio oder einem Verein besser aufgehoben. Hinzu kommt, dass trotz positiver Wettervorhersage Umschwünge das Training im Freien schnell zu einer nasskalten Angelegenheit machen können. Wer draußen Sport treiben möchte, muss also auch Kleidung für jedes Wetter zur Verfügung haben.
Aber es nicht so, dass ich den Hallen- über den Freiluftsport stelle. Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Denn einen ganz klaren Vorteil bietet Mutter Natur, was drinnen nicht simuliert werden kann: Bewegung draußen ist nicht nur Training für die Muskulatur, sondern auch Balsam für die Seele. Der Mensch und die Natur gehören zusammen. Hinzu kommt, dass das Immunsystem an der frischen Luft in Wald und Feld aktiv gestärkt wird. Wer bei Wind und Wetter Sport betreibt, aktiviert nicht nur das Herz-Kreislaufsystem, sondern kräftigt nachhaltig die Immunabwehr.
Aber die Entscheidung muss letztlich jeder selber treffen, wo es ihm im Winter am meisten Spaß und Freude bereitet.