Ging beim Wurf-Fünfkampf der M60 wirklich alles mit rechten Dingen zu?

Kolumne

Moment mal

(Aarhus/Kirchlinde/Krefeld, 10. August 2017)
Ein Wettkampf ist kein Wunschkonzert. Soll heißen, dass sich Anspruch und Wirklichkeit nicht beliebig in Einklang bringen lassen. Das trifft insbesondere auf Mehrkämpfe aller Art zu, also auch den Wurf-Fünfkampf (nicht Werfer-Fünfkampf, da er zwar von, aber nicht mit Werfern ausgeübt wird). Dass er obendrein durch den stark artverwandten Gewichtwurf den „gelernten“ Hammerwerfern in die Karten spielt, sollte inzwischen hinlänglich bekannt sein. Ergo besteht kein Anlass, ihnen obendrein besondere Verbeugungen zuteilwerden zu lassen. So jedoch nach Augenzeugenberichten bei der Senioren-EM in Aarhus bei der M60 zum Vorteil des Griechen Vasieilos Manganas (*1954), der schon die Einzel-Disziplinen mit Hammer (52,47m) und Wurfgewicht (18,95m) gewonnen hatte, und Nachteil von Rainer Horstmann (*1957) vom TSV Kirchlinde geschehen.
Denn der Jung-Sechziger ist als letztlich Viertplatzierter nicht nur durch sein für ihn lausiges Kugelstoß-Ergebnis von 12,41m denkbar knapp an einer Medaille gescheitert (wir berichteten). Der Grieche wollte gesehen haben, dass beim abschließenden Gewichtwurf ein Versuch von ihm falsch gemessen worden sei. Er protestierte nicht unmittelbar, sondern später, bekam dennoch nach Abschluss des Wettkampfes einen vierten Versuch zugesprochen. Der katapultierte ihn dann im Gesamtergebnis (3.770 Punkte) vom vierten auf den zweiten und Horstmann vom dritten auf den vierten Rang (3.737). Ob das alles Regelkonform zuging, kann aus der Ferne nicht schlüssig beurteilt werden, darf jedoch füglich bezweifelt werden. Schließlich ist ein offizieller Protest gegen Aufbietung von 100 Euro durch die Mannschaftsleitung zu stellen und wird nicht so blitzartig entschieden, dass sofort nach dem Wettbewerb ein zusätzlicher Versuch gewährt werden könnte. Da hat wohl irgendwer in eigener Herrlichkeit entschieden und dabei billigend in Kauf genommen, dass er damit einen Dritten benachteiligt.

Hammerwerfer werden eindeutig bevorteilt

Abschließend  zu unserem beliebten Spiel, dass dieser Fünfkampf eine schreiende Ungerechtigkeit ist und die Vielseitigkeit konterkarierend eben die Hammerwerfer, die die drei anderen Disziplinen leidlich bis schlecht beherrschen, krass bevorteilt. Obwohl Manganas in seinen „Schokoladenübungen“ jeweils unter seinen Möglichkeiten blieb, holte er damit  1.884 Punkte oder bis auf einen Zähler die Hälfte seines Gesamtergebnisses (es gibt sogar noch eklatantere Beispiele bis zu 58 Prozent). Da konnte er mickrige Leistungen mit Diskus (33,66m/579P.) und Speer (27,68m/430P.) bis hin zum Silbermedaillengewinn kompensieren. Dazu gefördert durch einen vierten Versuch, wie (un-)gerechtfertigt der auch immer zustande gekommen sein mag.
Dass sich ob der Geschehnisse der mit sehr ausgewogenen Leistungen aufwartende Horstmann - auf gut Deutsch formuliert - ziemlich verarscht vorkommt, ist nachvollziehbar.