ZDF verprellte wieder einmal für "König" Fußball die Leichtathletik-Fans

Mein WM-Logbuch

(London/Krefeld, 09. August 2017)
Mit dem Zweiten sieht man besser. Diese vollmundige Werbebotschaft sollte um das Wort „Fußball“ ergänzt werden. Im ohnehin völlig bekloppten und Geld vernichtenden täglichen Wechselspiel mit der ARD war das ZDF gestern Abend mit der Live-Übertragung von der Leichtathletik-WM in London an der Reihe. Die Mainzelmänner gingen auch pünktlich um 20.15 Uhr auf Sendung. Doch Moderator Norbert König leitete gleich zu einem Einspieler nach Skopje weiter, wo dann ab 20.40 Uhr das für deutsche Zuschauer exorbitant wichtige Super-Cup-Spiel zwischen Real Madrid, da kickt der Ex-Münchner Toni Kroos, und Manchester United bis zum bitteren Ende der ermüdend langen Siegerehrung übertragen wurde. Als in der britischen Metropole alle Messen gelesen waren und die Lichter ausgingen wurde um 22.58 Uhr zurückgeschaltet und das zuvor Geschehene wie Sauerbier als Konserve in einer Zusammenfassung dargeboten. Da hätten die extrem hart gesottenen Fußball-Fans auf den Live-Stream im Internet verwiesen werden können statt umgekehrt. Die laut DLV angeblich 33 Millionen Leichtathletik-Anhänger in der Bundesrepublik (freilich eine schamlose Übertreibung) sollten das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) künftig bei Sportübertragungen boykottieren. Ein frommer Wunsch – ich weiß. Wiewohl diese - nett formuliert - merkwürdige Programmgestaltung/-planung (warum wurde im Vorfeld nicht schon mit der ARD getauscht?) in den sozialen Medien riesengroßen Unmut auslöste. Sicherlich auch unter dem Aspekt, dass die Übertragungsrechte für das Ballgetrete nicht für ein Butterbrot zu haben waren und solche Perversionen ausufernder Ablösesummen bis zu 222 Millionen indirekt unterstützen.

Alternative EUROSPORT ist auch keine mehr

Klar, es gibt als Alternative EUROSPORT. Doch die haben keine eigenen, speziell auf deutsche Athleten gerichteten Kameras. Dazu kommen die nervigen, wenngleich relative kurzen Werbeeinblendungen im 15-Minuten-Takt, manchmal jedoch zur absoluten Unzeit, und keine Interviews mit den deutschen Athleten, von denen wir natürlich wissen wollen, warum sie nun wieder versagt haben. Und der ansonsten souveräne Kommentator Sigi Heinrich hat auch schon bessere Tage am Mikrofon erlebt als bei dieser WM. Dazu ist sein neuer „Co“ Markus Röhrig in vielerlei Beziehung eine arge Zumutung: Eine monotone Sprachmelodie, eine ungeeignete Mikrofonstimme und eine Bildsprache, dass es einem blitzartig die Fußnägel aufrollt. Kleines Beispiel gefällig? Bitte schön: „Der Speer von Sara Kolak hat eine Flugbahn wie eine auf die Schnittfläche gelegte halbierte Birne.“ Musste das jetzt jeder verstehen? Zumal er uns ahnungslosen Zuschauern nicht verraten hat welche Sorte, die durchaus unterschiedliche Formen haben, und aus welcher Anfangsstellung die halbierte Frucht  in Wurfrichtung zu betrachten sei. Der Sender sollte für den Mann erst einmal ein Sprech- und Rhetorik-Seminar spendieren, bevor er ihn wieder auf die sportinteressierte Menschheit loslässt. Schwierig bis unmöglich dürfte es indes werden den Klang seiner Stimme aufzupeppen.

Fortsetzung von Pleiten, Pech und Pannen

Das von unseren vermeintlichen Vorzeige-Athleten Dargebotene war auch nicht dazu angetan die versaute Laune aufzuheitern. Mit Ausnahme von 200-m-Vorlaufsiegerin Rebekka Haase weitestgehend Asche. Pleiten, Pech und Pannen nahmen ihre trostlose Fortsetzung. Wo sind sie, die Germanen, die in der Stunde der Wahrheit über sich hinauswachsen? Die sonst eher spröde und zurückhaltende Speerwerferin Katharina Molitor hatte sich nach der zweifellos ansprechender Leistung in der Qualifikation (Drittbeste mit 65,37m) zu der kessen Aussage verleiten lassen, ihren Titel verteidigen zu wollen. Ein Satz mit nix. Siebte mit dem Zufallstreffer von 63,75m in einer grottenschlechten Serie mit fünf weiteren Würfen unter 60 Meter, die sie brav hat alle messen lassen (wir sie nun an ihrem Spruch). Vielleicht sollte sie beim nächsten Mal ein Fernglas mitnehmen. Bronze war übrigens für 65,26m zu haben.
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