Wettkämpfe via Fernsehen als Alternative für Amateursportler auf Entzug

Kolumne

Fern(ge)sehen

(Cortina d’Ampezzo/Pokljuka/Krefeld, 16. Februar 2021) Noch ist zumindest bis zum morgigen Aschermittwoch, an dem nach rheinischem Liedgut von Jupp Schmitz, der just gestern an Rosenmontag 120 Jahre alt geworden wäre (in Wirklichkeit ist er 90-jährig am 26.März 1991 in Köln verstorben), alles vorbei ist, kalendarisch heute mit Veilchendienstag noch ein bisschen Karneval. Allerdings in coronären Zeiten wie diesen höchstens virtuell und (un-)heimlich von verantwortungslosen privaten Feierbiestern.
Mithin gehen auch wir noch nicht wieder zur Tagesordnung über, die zudem in unserem originären Bereich lupenreiner Amateursportler der (Senioren-)Leichtathletik herzlich wenig zu bieten hat. Während wir munter tagtäglich weiterberichten, gleichwohl bisweilen mit allgemeinverbindlichen, indes hoffentlich interessanten, informativen und unterhaltsamen Beiträgen, stellen die einschlägigen Netzseiten der Verbände von global bis regional ausgesprochene Informationswüsten mit gaaanz viel Sand im Getriebe dar. Zugegeben: Große Sprünge mit leerem Beutel nach Känguruart sind bei eindimensionaler Ausrichtung auch sehr schwierig, wenngleich kein entschuldigender Freifahrtschein.

Heute von 12 bis 16 Uhr Sportschau mit Alpin-Ski und Biathlon

Was macht also die bis auf Heimtraining zur Untätigkeit verdammte Ü30-Generation, erst recht die nicht mehr Werktätigen in Anstellung oder Selbständigkeit jenseits Sechzig? Sie schauen sich halt Wettkämpfe im Fernsehen an. Das liebe lange Wochenende werden wir von morgens bis abends mit Wintersport in allen denkbaren Variationen auf Schnee und Eis berieselt. Und die Weltmeisterschaften im Alpin-Ski in Cortina d’Ampezzo (Dolomiten/Italien) und im Biathlon in Poklujuka (Slowenien) bescheren uns vorerst auch unter der Woche Live-Berichterstattungen via Pantoffelkino. Beispielsweise heute von 12 bis 16 Uhr in der ARD von beiden Austragungsorten.

Aufreizend gewandete ARD-Moderatorin

Da gibt es für bekennende Anhänger dieser oder jener Sportart wieder ordentlich was auf die Augen und Ohren. Das „Erste“, bei dem wir angeblich in der ersten Reihe sitzen, präsentierte uns vorigen Sonntag mit Moderatorin Stepanhie Müller-Spirra vom MDR eine ähnliche Dauerschwadroneurin mit nassforschen, elendig langen Überleitungen zwischen den wechselnden Schauplätzen wie Allzweckwaffe Jessica Wellmer (RBB). Die blondgelockte, langmähnige Dame mit dem Doppelnamen war im knallgelben, längsgerippten, hautengen ihre Weiblichkeit betonenden Pulli ziemlich aufreizend gewandet (ist das jetzt sexistisch, was jede/r sehen konnte?). Obwohl ich alles andere als prüde, total lesbisch und demzufolge selbst im fortgeschrittenen Mannesalter gegen weibliche Reize (noch) nicht immun bin (Appetit holen ist erlaubt, gegessen wird zuhause), fand ich das an der Stelle reichlich deplatziert. Das hätte auch eine Schleichwerbung für „Germany‘s Next Topmodel“  oder sonst was gewesen sein können.

Bei Reporter Dexne drohen Tinnitus-Gefahr und rausfliegende Membranen 
  
Achtung, so denn heute beim Biathlon wieder Christian Dexne als Reporter am Mikrofon sitzt: Vorsorglich den Ton weit herunterdrehen. Der Mann weiß offensichtlich nicht, dass wir all das sehen, was er kommentiert. Vielleicht sagt der zuständige Redakteur dem C.D. das mal, bevor der an sein Mundwerk geht?!. Wann immer es nur etwas spannender wird, schwillt sein (Stimm-)Organ begeistert-empathisch zum Orkan an, drohen latente Tinnitus-Gefahr und die Membranen aus den Lautsprechern zu fliegen. Dazu versteigt er sich mitunter entgegen der gebotenen öffentlich-rechtlichen Wortwahl in Boulevard-Jargon. „Is‘ der bekloppt? Was ist das denn für eine Serie?“, entfuhr es ihm lauthals zu der fehlerfreien Schnellfeuereinlage in 17,3 Sekunden im ersten Stehendschießen des späteren Titelverteidigers Émelien Jaquelin aus Frankreich beim 12,5-km-Verfolgungsrennen.
Also schön tapfer, positiv und gesundheitlich „negativ“ bleiben!