Einstige Diskuswurf-Ikone Kriemhild Limberg 85-jährig verstorben

(Neuss/Krefeld, 14. September 2020) Einen Nachruf zu verfassen ist ohnehin schon die traurigste aller Chronistenpflichten eines Sportjournalisten. Erst recht, wenn man einen Menschen sehr lange gekannt, geschätzt und – zugegeben – als leichtathletischer Jungspund sowie spätberufener Anfänger in dieser Sportart ihn sogar ein bisschen bewundert, zu ihm aufgeschaut und gelegentlich mit ihm trainiert hat.
Heimlich, still und leise ist Kriemhild Limberg, geborene Hausmann (*08.09.1934 in Rheinhausen), im 86. Lebensjahr stehend für immer von uns gegangen. So leise, dass es erst jetzt bekannt wurde, nicht einmal der Todestag (22. oder 23.August 2020) an dieser Stelle exakt benannt werden kann. Die von ihrem rheinischen Naturell an sich sehr lebenslustige und –bejahende einstige Weltklasse-Diskuswerferin hatte altersbedingt ziemlich zurückgezogenen in ihrer Wahlheimat Neuss gelebt.
Auf der traditionellen Matinee ihres Vereins Preussen Krefeld, dem sie seit Januar 1955 in Doppelfunktion als ältestes und langjährigstes Mitglied angehörte, war sie zuletzt 2017. Da habe ich sie als Preussen-Heimkehrer von 2016 nach mehreren Jahrzehnten erstmals wieder gesehen und mich sehr angeregt mit ihr unterhalten. Mit ihren seinerzeit 83 Jahren eine unverändert ausgesprochen gepflegte Erscheinung, zudem vom ganzen Habitus genau das, was der gebildete Volksmund landläufig als „Grande Dame“ bezeichnet.

Eine ausgesprochen vielseitige Diskuswerferin

Für die jüngere Generation muss naturgemäß erklärt werden, wer sich als einstige Spitzensportlerin und Amateurin reinsten Wassers dahinter befand (siehe auch Wikipedia). Die Frau mit dem geschichtsträchtigen Vornamen Kriemhild war überwiegend unter ihrem Geburtsnamen Hausmann (sie heiratete 1963) von 1958 bis 1965 achtmal in Serie deutsche Meisterin im Diskuswurf. Sie verbesserte zweimal den deutschen Rekord: 1958 in Nijmegen/NL auf 53,89m, ein Jahr später in Meerbeck (Niedersachsen) auf 55,70m. Insgesamt rund 800 Mal übertraf sie die damals begehrte 50-m-Marke. Dazu stehen in ihrer internationalen sportlichen Vita 32 A-Länderkämpfe, gekrönt durch die Olympischen Spiele 1960 in Rom (als Vierte knapp an Bronze vorbei) und Tokio 1964 (Siebte). Schlank und 1,82m groß von Wuchs verkörperte die Krefelderin alles andere als den seinerzeit  pfundigen Prototypen der Diskuswerferin osteuropäischer Gattung. Mehr so die verkappte Fünfkämpferin, die sie „nebenbei“ eingedenk ihres Talents und ausgeprägten Bewegungsgefühls tatsächlich war. Davon geben 4.506 Punkte im Fünfkampf beredtes Zeugnis. Die Vielseitigkeit spiegeln ihre persönlichen Bestleistungen wider: 100m 12,5, 200m 25,5, 80 m Hürden 11,6 Sekunden, Hoch 1,56m, Kugel 13,86m, Diskus 55,86. Wohlgemerkt – eine Diskuswurf-Spezialistin. Da können sich selbst die kreiselnden Mädels des Profitums von heute eine ganz dicke Scheibe von abschneiden.
Die Verstorbene war Ehrenmitglied ihres traditionsreichen, seit 2019 hundertjährigen Klubs (siehe Link), dem sie bis zu ihrem Tod 65 (!) Jahre lang die Treue hielt (ihre sportliche Wiege stand beim OSC Rheinhausen), wurde unter anderem mit der Sportplakette des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet, die höchsten Weihen dieser Art in NRW.