Anglizismus-Wahnsinn des DLV findet derzeit viele Nachäffer

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Darmstadt/Krefeld, 26. Juli 2020)
 Es sind zumeist leider die negativen Beispiele, die Schule zu machen pflegen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) alias German Athletics Association (GAA) in Darmstadt ist hinlänglich für seinen Anglizismus-Wahnsinn bekannt. Bei der vom „Verein Deutsche Sprache“ alljährlich veranstalteten Wahl zum Sprachpanscher des Jahres belegte er mit seinem fortwährenden Denglisch-Misch-Masch und Sprachenmix 2015 einen unrühmlichen zweiten Platz (siehe Link). Er gehörte aufgrund seines unveränderten Gebarens in Dauerschleife unter die Top Fünf dieser Auszeichnung mit zweifelhaftem Ruhm. Besonders sein Generaldirektor Sport Cheik-Idriss Gonschinska lässt in seinen staatstragend daherkommenden Verlautbarungen gerne und oft Englisch-Worthülsen einfließen. Wer eben sonst nicht allzu viel zu bieten hat, muss halt versuchen, sich durch Schicki-Micki-Getue einen modernen, innovativen Anstrich (wofür sich der DLV selber preist wie Sauerbier) zu geben. Ein kapitaler Trugschluss! Vielmehr wäre Demut bei dieser Dachorganistaion von Pleiten, Pech (richtiger: Unvermögen) und Pannen angesagt.

„Help at“ wider die Einfältigkeit

Doch kommen wir zum Eingangssatz zurück. Die Wiedereröffnung des Wettkampfgeschehens spült massenhaft Nachäffer auf die sportliche Bühne der vom DLV so geheißenen „Late Season“. Nur eine kleine Auslese der gebündelten Einfältigkeit: Back on track (Dortmund), fast arms - fast legs (Wetzlar), Back to Applause (Weinheim), 27. Midsommar (Berlin), Help at Corona (Osterode), JUMP and FLY (Hechingen), Kurzpfalz Gala light (Weinheim) und was da sonst noch so alles im Verborgenen kreucht und fleucht.
Es geht indes erfreulicherweise auch anders. In der Ruhrmetrople Essen gab es ganz schlicht einen „Tag der Überflieger“ und nicht „Day of over flyer“. Was allerdings bei dem obendrein vielerorts noch betriebenen und an sich verpönten Aküfi (= Abkürzungsfimmel) DOOF ergeben hätte. Das konnte niemand wirklich wollen.

Corona lässt ebenfalls Stilblüten sprießen

Dennoch: Schlimmer geht irgendwie immer. Die Corona-Apokalypse, die uns noch länger in Atem halten wird und mit der sich Späße jeglicher Art verbieten (sollten), lässt Stilblüten munter sprießen. Da heißen dann Sportfeste Corona 2.0, Corona 2.1, Corona-Testwettkampf (besonders beliebt), Helpt at Corona (zweite Nennung, siehe oben) und so ähnlich. Geht’s vielleicht noch ein bisschen bekloppter? Denn hier wird nicht auf Corona getestet, sondern die Form oder was davon nach dem ganzen Schlamassel noch übrig geblieben ist.
Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen einen zauberhaften Sonntag in besch… Zeiten wie diesen und eine ereignisreiche 31.Kalenderwoche bei den persönlichen Verrichtungen!