Super-GAU: Christoph Harting und Daniel Jasinski schieden in "Quali" aus

(Berlin/Krefeld, 07. August 2018) Ehe ich noch in falschen Verdacht gerate: Nichts liegt mir als seit Kindesbeinen engagierter, leidenschaftlicher aktiver Sportler in drei verschiedenen Sportarten ferner, als Spott und Häme über meine eigene Zunft auszuschütten sowie mit großer Schadenfreude ihrem reihenweisen Scheitern zuzuschauen. Das genaue Gegenteil mit dem bestmöglichen individuellen Abschneiden ist der Fall. Aber was sich heute bei der ersten Vormittagsveranstaltung der Leichtathletik-Europameisterschaften der Männer/Frauen im Berliner Olympiastadion ereignete, ist aus deutscher Sicht schlichtweg der Super-GAU (= größtmögliche angenommene Unfall). Olympiasieger Christoph Harting (SBL 67,59m) aus Berlin pfefferte die Diskus-Scheibe in der Qualifikationsgruppe B auf technisch stabil fehlerhaftem Niveau dreimal rechts oben in das Netz der Schutzvorrichtung, und der Olympiadritte Daniel Jasinski (SBL 66,59m) aus Wattenscheid warf zuvor in Gruppe A für ihn klägliche 60,10m. Damit belegte er insgesamt den 19. Platz von 26 Werfern. Vergleichsweise bescheidene 62,20m hätten für ein Weiterkommen genügt.

Nur einer kam durch: Ein roter Teppich für Robert Harting

Gewinnen wir dem Debakel etwas Positives ab. Die beiden rollten durch ihr Versagen Altmeister Robert Harting (SBL 65,13m) gewissermaßen den roten Teppich aus, seine glanzvolle internationale Karriere morgen Abend vielleicht doch mit einer bei realistischer Einschätzung nicht für denkbar gehaltenen Medaille abzuschließen. Denn wenigstens der 33-jährige Allesgewinner kam durch, warf in der Saldierung mit 63,29m die siebtbeste Weite in der Ausscheidung. Einmal abgesehen vom Schweden Daniel Stahl (67,07m) war das nicht furchteinflößend, was da vor ihm dargeboten worden ist. Neben dem Versagen seines Bruders und von Jasinski ebenfalls jammerschade, dass sein alter polnischer Weggefährte Piotr Malachowski (drei zum Teil bewusst ungültig gemachte unterirdische Versuche) nicht dabei sein wird. Mit ihm hätte sich R.H. gewiss gerne zum Abschied noch ein sportliches Tänzchen im Ring geliefert.

Christina Schwanitz & Co. allesamt weiter

Bevor wir mit der Bilanz des „Schreckens“ fortfahren, erst einmal etwas Erfreuliches. Mit Christina Schwanitz (18,83m), Alina Kenzel (17,46m) und Sara Gambetta (17,23m) erreichte gleich ein deutsches Terzett die geforderte Quali-Weite von 17,20m im Kugelstoßen. Christina Hering über 800 Meter (2:01,57) und Patrick Schneider über 400 Meter (46,15) ziehen nach ihren Vorläufen ins Halbfinale ein. Bei der ersten Entscheidung überhaupt, dem 50 Kilometer Gehen, belegten  Carl Dohmann als Fünfter in 3:50,27 (SBL) und Nathaniel Seiler als Achter in 3:54,08 Stunden (PBL) beachtliche Platzierungen. Derweil wurde Karl Junghanß infolge unsauberer Gangart disqualifiziert.
Herzerfrischend dagegen der Auftritt des auf der letzten Rille für Kai Kazmirek nachnominierten 20-jährigen Niklas Kaul in den ersten drei Disziplinen des Zehnkampfes. Viel Licht in der ohnehin sonnenüberfluteten riesigen Arena verbreitete Routinier Arthur Abele, der momentan auf Rang zwei liegt.

Neben der Kleidung auch das Hirn in der Garderobe abgelegt?

Für den Schatten zeichnete Matthias Brugger mit drei ungültigen Versuchen im Weitsprung verantwortlich, wo er jeweils mit Grandezza in die Plastilinmasse gratschte. Dass dies auch dem haushohen Favoriten und amtierenden Weltmeister Kevin Mayer aus Frankreich passierte, macht es keinen Deut erträglicher. Die beiden Herren müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie außer der normalen Kleidung auch ihr Hirn in der Garderobe abgelegt haben? Das wird gemeinhin einigen besonders durchgeknallten Eishockey-Spielern nachgesagt. Ganz prominent von Schiedsrichter-Legende Josef "Jupp" Kompalla, der als ehemaliger eisenharter, kompromissloser Verteidiger des Bundesligisten Preussen Krefeld kein Kind von Traurigkeit war.
Selbst der sonst in seinen Aussagen sehr moderate frühere DLV-Präsident Clemens Prokop vermochte diese dauerhaft hemdsärmelige Herangehensweise als einstiger Weitspringer nicht nachzuvollziehen. Prokop als Bruder im Geiste – das habe ich mir bislang auch nicht vorstellen können. Freilich wäre es schamlos übertrieben, dass für mich jetzt ein Traum in Erfüllung gegangen wäre. Träumereien überlasse ich eh lieber Cheik-Idriss Gonschinska vom DLV. Der dürfte allerdings schon jetzt aus seinem Wolkenkuckucksheim aus lauter Luftschlössern gefallen sein. Denn die Ausfallquote erhöhte sich gegenüber gestern auf 42,86 Prozent. Schlimmer geht immer!
Die weiteren Gescheiterten: 400 m: 19. Johann Treffz 46,53 sec.; 3.000 m Hindernis: 17. Martin Grau 8:33,81; 26. Johann Motschmann 8:51.65 Minuten (sieben Sekunden über dem Weltrekord der Frauen). - Alle heutigen Ergebnisse unter diesem Link.