Für Hartgesottene gab's gestern rund 13,5 Stunden Sport in der Glotze

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 24. Januar 2021)
Um der meiner Gesundheit und gemütsmäßigen Ausgeglichenheit willen unerlässlichen täglichen sportlichen Betätigung musste ich mir heute Morgen keine Gedanken machen. Die war aufoktroyiert. Obschon der tellerflache linke Niederrhein nicht gerade zu den klassischen Wintersportgebieten der Republik gehört, hatte es die Nacht über geschneit. Keine Massen. Die geschlossene Schneedecke war 2,5 Zentimeter hoch, derweil das nur 35 Kilometer entfernte Essen 16 Zentimeter meldete.
Gleichwohl war also noch vor dem Frühstück um 07:30 Uhr erst einmal Räumdienst auf dem Gehweg vor dem selber bewohnten, denkmalgeschützten Drei-Parteien-Haus Baujahr 1896 im Ortsteil Bockum nahe dem Krefelder Zoo angesagt. Allerdings taute die weiße Pracht bei leichten Plustemperaturen und Nieselregen allmählich, aber stetig von sich aus hinweg. Doch Vorsicht ist bekanntlich die Mutter, in dem Fall Vater der Porzellankiste, ehe ich als Eigentümer noch wegen eines verunfallten „Frühsportlers“ beim misslungenen Salto ins Obligo genommen werde.

Ein bisschen Heimtraining sollte schon auch noch sein

Und was macht der bewegungsaffine Mensch in coronären Zeiten wie diesen sonst so im mehr oder minder aufgezwungenen häuslichen Exil? Klar, irgendwas geht beim Heimtraining mit dem eigenen Körper und/oder leichten Geräten, dem - so vorhanden - Ergometer sowie Gymnastikbändern immer. Das füllt einen natürlich auch nicht den lieben langen Tag aus. Bleibt noch der Blick in die Röhre bei den winterlichen Fernsehfestspielen. Da kann es nach eigener Präferenz der dargebotenen verschiedenen Sportarten schwierig werden, die nötige Nahrungsaufnahme einigermaßen sinnvoll einzubauen.

Deutsche Handballer brachten Pyramiden nicht zum Wippen
 
Für den rundum Interessierten wurde gestern buchstäblich das volle Programm abgebildet. Das ZDF übertrug von 9.50 Uhr bis 18 Uhr ein ziemlich komplettes Potpourri auf Schnee und im Eiskanal. Was meine persönliche Regierungschefin und mich betreffen, ziehen wir uns längst nicht alles rein. Aber als bekennende Biathlon- und Skisprung-Anhänger gehört das bei uns zur Pflicht. All jene, die den Hals nicht voll bekommen, bot sich die Gelegenheit um 18 Uhr nahtlos zum Ballsport durch mehrere Fußball-Ligen in der ARD-Sportschau umzuschalten. Wer schnell genug sein Abendessen zu sich nahm, konnte ab 20:15 Uhr im ZDF der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei ihrem reichlich verkorksten Auftritt bei der WM in Ägypten zuschauen. Die Pyramiden haben sie da nicht zum Wippen gebracht. Diesmal gab es indes als Muster ohne Wert einen 31:24-Erfolg gegen Brasilien. Der verpasste Einzug ins Viertelfinale stand schon vorher fest. Selbstverständlich kein Grund, etwas abzuschenken.
Als Betthupferl hatte das „Zweite“ ab 23.05 Uhr noch das „Aktuelle Sportstudio“ mit der vielseitigen Moderatorin Dunja Hayali im Portfolio. Keine Quotenfrau. Die macht ihre Sache richtig gut, wie ich finde. Das lässt sich längst nicht von allen Damen am Mikrofon und vor der Kamera behaupten. Männern freilich auch nicht. Klasse oder Durchschnitt ist nicht vom Geschlecht abhängig. Dennoch sollte es sich im Bereich Sport bei der Flut an Mädels durch alle Sender nicht auf gestylte Hingucker für
Germany's next Topmodel" beschränken.
 
Olympischen Ringe unter den Augen verflüchtigen sich wieder

Nun muss ich mich durch meinen Schnee-Einsatz ein wenig verspätet aufgenommenem Werk an der Tastatur schon sputen, um noch rechtzeitig auf das heutige Geschehen vor der Glotze hinzuweisen: 10:15 bis 17.00 Uhr Wintersport, 17.10 – 17.55 Uhr Sportreportage, beides im ZDF; 18.30 – bis 19.20 Uhr Sportschau in der ARD. Da wisst ihr Bescheid! Keine Bange: Die Olympischen Ringe unter den Augen verflüchtigen sich auch wieder.
In diesem Sinne einen schönen Sonntag mit oder ohne eigene sportliche Aktivitäten und eine in jeglicher Hinsicht tunlichst unfallfreie 4.Kalenderwoche! Denkt positiv und bleibt insbesondere „negativ“! Schafft ihr schon bei aller gebotenen Vor- und Rücksicht.

Klappe, die 2. zu unserer Vorstellung des Buchs "Reife Leistung"

(Berlin/Krefeld, 23. Januar 2021) Schmieden wir sinnbildlich das Eisen, solange es in unserer schnelllebigen und reizüberfluteten Zeit zumindest noch warm ist. Bekanntlich ist nichts älter als die Zeitung von gestern. Wie soll es da erst bei einem Online-Medium sein?! Also sei unsere Buchbesprechung mit dem Beitrag „Kluger Titel ,Reife Leistung‘ Hommage an 13 Senioren-Sportler/innen“ von vorigen Dienstag in das Gedächtnis des vermeintlich vergesslichen Lesers zurückgerufen.
Vorausgeschickt, dass die meisten bei Wohlgefallen stumm mit den Füßen abstimmen, sich allenfalls via E-Mail mal zu Wort melden, wenn sie sich durch irgendwas beschwert fühlen. Und selbst dann: Aus eigener Anschauung habe ich im Laufe des langen Zeitraumes nach einer Nacht drüber schlafen gefühlt 500 Leserbriefe nicht geschrieben. Eher mehr. Insofern ist eine obschon nicht überbordende positive Resonanz hoch zu bewerten, gewissermaßen x-fach zu multiplizieren. Und die gab es!
Angefangen beim Buchautor Christoph Cöln aus Berlin. Der rief mich an und meinte anerkennend: „Das ist die beste Rezension, die ich über mein Buch gelesen habe. Besonders gefällt mir, dass sie mit Ihrer persönlichen Geschichte verwoben worden ist. Einige Male habe ich herzhaft vor mich hin geschmunzelt. Meiner eher kritischen Freundin hat sie auch sehr gefallen. Diese Besprechung habe ich sofort an die PR-Managerin des riva-Verlages weitergeleitet und auf den Pressespiegel meines Internet-Portals genommen.“ (Siehe Link).

Ein Lichtblick im finsteren Corona-Alltag

Allzu verständlich, dass ich mich darüber selbst als alter Fahrensmann mit bald 55-jähriger Erfahrung im Sportjournalismus gefreut habe. Genauso wie ohne Namensnennung stellvertretend für alle anderen positiven Reaktionen zwei weitere Zitate: „Ein interessanter Hinweis. Das Buch habe ich sofort bestellt“, und „Ein unterhaltsamer Lesestoff gepaart mit vielen Informationen.“
Da Eigenlob ja angeblich stinkt, musste die Wertschätzung Dritter als Lichtblick im finsteren Corona-Alltag einfach mal ge- und benannt werden. Schließlich wird gegen Anerkennung seiner Arbeit niemand immun sein. Und die Moral, der Nebeneffekt und die Quintessenz von dieser heutigen Geschicht‘: Es wurde nochmals auf das lesenswerte Werk hingewiesen, und: „Seid nett zueinander“.  
Kostet nix, kommt aber gut an.

Sprinter Daniele Biffi hat den Kampf mit dem Krebs endgültig verloren

(Berlin/Krefeld, 21. Januar 2021) Als Don Quijote wider Willen erzielte er beim Kampf gegen die Windmühlenflügel des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Darmstadt und dem mühseligen Gang durch die Instanzen bis hinauf zum Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg City einen großartigen Erfolg. Doch den mit einer heimtückischen Krebserkrankung hat er endgültig verloren. Der italienischstämmige Sprinter und Trainer Daniele Biffi (im Bild) von TopFit Berlin verstarb vergangenen Samstag im Alter von erst 48 Jahren. Dies teilte vorgestern in einem Nachruf der Berliner Leichtathletik-Verband auf seiner Internetseite mit.
Zur Erinnerung: Der DLV hatte in einer Nacht- und Nebelaktion mit Wirkung zum 1.Januar 2017 das Ausländer-Startrecht bei Deutschen Senioren-Meisterschaften für EU-Bürger mit Lebensmittelpunkt in Deutschland und Mitgliedschaft in einem deutschen Leichtathletik-Verein von jetzt auf gleich ohne Vorlaufzeit und Besitzstandswahrung abgeschafft. Dagegen klagte der Wahl-Berliner Biffi im Schulterschluss mit seinem Anwalt und befreundeten Klubkameraden Gerald Kornisch.

Neben dem Gedenken ein Platz in den Geschichtsbüchern sicher

Den gesamten Werdegang über drei Jahre hat Lampis in etlichen, überwiegend exklusiven Beiträgen mit dem jeweiligen Stand des Verfahrens bis zum Abschluss begleitet. Schlussendlich konnte im Februar 2020 die Rückkehr zur alten Regelung von den betroffenen Athleten/innen gefeiert werden (siehe Link) und trat für die Senioren-Hallen-DM mit Winterwurf vom 28.Februar bis 01.März 2020 in Erfurt erstmals wieder in Kraft. Biffi konnte seinen Triumph über die verschiedenen Verhandlungstische hinweg leider nicht vor Ort in der Thüringer Metropole auf der Kunststoffpiste auskosten, da er damals bereits erkrankt war.
Neben dem Gedenken derer die ihm nahe standen, hat er für immer einen Platz in den deutschen Geschichtsbüchern der ehedem olympischen Kernsportart sicher.

"Schlaraffenland" DLV gibt sich seinem Dornröschenschlaf hin

Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Krefeld, 22. Januar 2021) Mit der Verlegung der World Masters Games (WGM) im westjapanischen Kansai um ein Jahr von Mai 2021 auf den mutmaßlichen Wonnemonat anno 2022 (wir berichteten) haben wir nun den absoluten Super-GAU (= Größter angenommener Unfall). Für die Senioren-Leichtathleten aller drei Sparten von Lauf, Sprung und Wurf wird es weltweit keine gemeinsamen internationalen Meisterschaften geben. Dafür zieht sich der kontinentale Dachverband  European Masters Athletics (EMA) an immer wieder neuen, relativ sinnfreien virtuellen Meisterschaften für eine Minderheit von Langstrecklern hoch. Das hat entschieden den Vorteil, dass der präsidiale Nar(r)zisst Kurt Kaschke (*1955/M65) daran rund um sein Domizil in der Wahlheimat Assafora (Portugal) bei schon angenehmen Temperaturen teilnehmen kann. Das ist natürlich sehr bequem. Aber auch äußerst eindimensional gedacht, statt über Alternativen für alle Aktiven nachzudenken und vor allem solche auch anzubieten. Es zu lassen, ist ein Armutszeugnis allererster Güte des ehemaligen Realschullehrers aus Freudenstadt.

Keine Idee, keinen blassen Schimmer für Alternatives

Genauso wie beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Zeichnen wir vorausschauend mal ein tiefschwarzes Horrorszenario: Es wir auch in 2021, dem Jahr zwei von Corona, keine Deutschen Meisterschaften für Senioren geben. Sie werden in ihrem Darmstädter Wolkenkuckucksheim immer einen vorgeschobenen Grund finden, auf der faulen Haut liegen zu bleiben. Keine Idee, keinen blassen Schimmer, wie man eben etwas anderes machen könnte. Die wohl besten Disziplinen in Zeiten wie diesen Veranstaltungen zu bewerkstelligen kommen aus den Bereichen von Sprung und Wurf. Stattdessen wird auf Läufe gesetzt (siehe auch EMA), die auf Gedeih und Verderb durchgezogen werden. Warum keine Ausschreibung von der Corona-Situation angepassten unkonventionellen Meisterschaften? Und weshalb werden Vereinsvertreter und Senioren/innen nicht in die Planspiele einbezogen? 
Ausrichter werden sich finden lassen, wenn die ungeheuer hohe Messlatte des über 70-seitigen Anforderungsprofils mit VIP-Parkplätzen, VIP-Bewirtung, überdachten Tribünen, abgeklebter Werbung einer runtergedimmten Amateur-Meisterschaft für „Fortgeschrittene“ auf ein angemessenes, vernünftiges Maß niedriger gelegt wird. Allerdings schwierig, wenn auch bei den bezahlten Machern der Dachorganisation überwiegend Hobbyisten am Werke sind.

„La dolce far niente“ beim nationalen Dachverband

Und diese (un-)verantwortlich handelnden Personen sollten sich bewusst machen, wofür dieser Verband eigentlich installiert worden ist: Nämlich die vielen Sportler/innen und nicht für jene „über 50 hauptamtlichen Kräfte“ mit ihrem ehrenamtlichen Vorgesetzten Jürgen Kessing. Dieses riesige Orchester ohne wirklichen Dirigenten liefert momentan eine außerordentlich dürftige Leistung für seine mitgliederstärkste Fraktion ab. Einmal ausgeklammert, dass seit Oktober 2020 allmonatlich der obligatorische Anti-Doping-Brief in der Senioren-Spielecke der Verbandsnetzseite veröffentlicht wird und zwei nachgeschobene, die Ü30-Generation nicht tangierende Meldungen, um den dürren Aufguss ein wenig aufzupeppen. Ganz so, also gäbe es über rein gar nichts zu berichten. Der Gegenbeweis wird auf dieser Welle und an dieser Stelle angetreten. Wenngleich bisweilen mit kleinen, indes thematisch allgemeinverbindlichen Anleihen. 
Es steht zu befürchten, dass sich das isolierte Schlaraffenland der Geschäftsstelle in Darmstadt weiterhin seinem Dornröschenschlaf hingibt. Denn wer nicht arbeitet, macht auch keine Fehler. Diese per Saldo traurige Zeit der Verarmung sozialer Kontakte und zwischenmenschlichen Beziehungen wird durch das „La dolce far niente“ (Das süße Nichtstun) des DLV in seiner Tristesse unnötigerweise noch verstärkt.

Menschheit ab heute zumindest schon mal von einer Geißel befreit

(Washington/Krefeld, 20. Januar 2021) Zuerst die gute Nachricht rund um den Erdball. Womöglich wird sogar eines Tages der 20.Januar von den Vereinten Nationen (UN) mit Hauptsitz in New York zum weltweiten Feiertag ausgerufen. Denn mit der heutigen Amtseinführung seines Nachfolgers Joe Biden als neuen US-Präsidenten verlässt Mr. „America First“ Donald „Duck“ Trump nach vierjähriger Schreckensherrschaft das „Weiße Haus“ in Washington. Lange Zeit sah es danach aus, dass er es nicht freiwillig tun würde und ihm eine Zwangsräumung droht. Egal: Die Menschheit ist damit eine Geißel schon mal los.

„Lockdown“ verschärft und bis zum Valentinstag verlängert

Die noch schlimmere, in ihren Ausmaßen für Leib und Leben, tobt derweil noch. Den vielen Maskenmuffeln, Corona-Leugnern, (Ver-)Querdenkern, Ignoranten und Verschwörungstheoretikern (wie einfältig muss man dafür eigentlich sein?) ist es zuzuschreiben, dass hier zu Lande der „Lockdown“ (Abriegelung) unter verschärften Bedingungen über den 31.Januar hinaus bis zum 14.Februar 2021 verlängert wird. Also nix mit einem Valentinstag bei einem aushäusigen Essen in einem schönen Restaurant zusammen mit dem Partner des Herzens. Allerdings sollte auch das im Sinne der Herkulesaufgabe zur Eindämmung des vermaledeiten Virus‘ zu verschmerzen sein. Mit durchgängig mehr Disziplin und Verantwortungsbewusstsein kann jede/r seinen Beitrag dazu leisten, dass über die Impfungen hinaus alsbald wieder Normalität einkehrt. Andere Länder machen es uns bereits vor.