Wurf-Ass Norbert Demmel durch Abnutzungserscheinungen lahmgelegt

(München/Unterhaching/Krefeld, 23. Mai 2022) Während der Hochphase von Corona mit all seinen einschränkenden Begleiterscheinungen fiel es praktisch nicht auf, waren viele Senioren-Leichtathleten ohnehin zwangsweise auf Tauchstation. Aber da nun auch bei der Ü30-Generation der Sportbetrieb fast wieder normale Konjunktur hat, wird so mancher in der Szene bekannte Name dann doch schmerzlich vermisst. Einer davon ist jener vom herausragenden Wurf-Allrounder Norbert Demmel (*10.05.1963; im Bild) aus München, der für den TSV Unterhaching startet. Aus Anlass seines jüngsten 60.Geburtstages (das ursprüngliche Ereignis mitgerechnet) hatte ich E-Mail-Kontakt zu und mit ihm, dabei seine „Leidensgeschichte“ erfahren. Der 59-jährige Leiter eines Fitnessstudios ist aufgrund seiner jahrzehntelangen Sportausübung auf höchstem Niveau von Abnutzungserscheinungen betroffen, hat sich die lange Bizepssehne und Supraspinatussehne angerissen, dazu eine fortgeschrittene Arthrose im Schultereckgelenk. Da war erst mal Schonung für den Linkshänder angezeigt.

Allenfalls mit "Hosentaschenwurf" Diskus möglich

Doch vor nunmehr vier Wochen habe er wieder mit etwas Training auf dem Sportplatz begonnen. Hammer- und Gewichtwurf am langen Arm ginge derzeit einigermaßen schmerzlos, Kugel und Speer überhaupt nicht. Mit dem Diskus versucht er eine Ausweichtechnik, einen von ihm so beschriebenen „Hosentaschenwurf“ zu kreieren. Kurzum: Wurf-Fünfkampf ist nicht möglich. Außer ein paar Wettkämpfen mit dem Diskus bei der Moosacher Wurfserie in seiner Nähe hat er für diese Saison nichts geplant. Norbert hofft allerdings im nächsten Jahr mit den leichteren Geräten der M60 auch wieder den Vielseitigkeitswettbewerb der Werfer absolvieren zu können. Ein neuer Weltrekord sollte freilich von dem aktuellen Inhaber bei der M50 (4.696) und 55 (5.103) nicht erwartet werden Der ist nämlich ebenfalls von enorm hoher Qualität, gehalten vom urigen Norweger Arild Busterud mit 4.955 Punkten.

"Westfälische" der Ü30 mit göttlichem Beistand an Christi Himmelfahrt

(Reken/Krefeld, 22. Mai 2022) Wenn das alles zusammen genommen keine glückliche Fügungen von höheren Mächten sind oder schlicht meisterhafter Planung am Reißbrett? Die Westfälischen Senioren-Meisterschaften ab M/W30 finden anlässlich einer Stadioneinweihung mit Rahmenprogramm und göttlichem Beistand an Christi Himmelfahrt (26.Mai) in einer kirchlichen Einrichtung im Integrativen Sportpark Maria Veen mit der Adresse „Am Kloster“ in Reken im westlichen Münsterland statt. Die Anlage wurde vollständig renoviert und saniert, erhielt als auffälligen Hingucker die berühmte blaue Kunststoffbeschichtung mit dem „ultraschnellen“ Mondo-Belag. Das gilt nicht nur für Sprint-Weltrekordler Usain Bolt aus Jamaika, sondern in der Relation auch für weniger Begnadete, die darauf vielleicht ein bis zwei Zehntel schneller rennen könn(t)en. Vorausgesetzt, die Form stimmt und die Beine spielen im Einklang mit. Da sollten bei der laufenden Fraktion bis 400 Meter und in den Sprüngen schon mal Vorfreude aufkommen.

Diskus und Kugel laufen Sprint den Rang ab

Somit wären wir spornstreichs bei den Meldezahlen, die mit insgesamt 53 weiblichen und männlichen Startwilligen über 100 Meter das größte Kontingent auf den Laufstrecken stellen. Aber tatsächlich nur da. Denn getoppt wird das noch beim Diskuswurf (64) und Kugelstoßen (57). Wer hätte das gedacht? Per Saldo haben zu diesen nicht offenen Titelkämpfen mit Teilnehmerecht aus anderen Verbänden außerhalb der Meisterschaftswertung 218 Senioren (149 Männer, 69 Frauen) aus 99 Vereinen zu 428 Starts gemeldet. Das sind etwas mehr als im Vorjahr in Bielefeld (200/85/397), jedoch deutlich weniger als vor Corona im Juni 2018 in Gladbeck (329/144/692). Allerdings liegt das im negativen Trend des durch die neue Geißel der Menschheit verursachten Kahlschlages mit vielschichtigen Gründen, die wir bei früherer Gelegenheit schon einmal angerissen haben.
Rechtzeitig vor den Meisterschaften werden wir noch eine kleine Vorschau veröffentlichen. Vorab geht es mit den Verlinkungen zur Meldestatistik sowie der kunterbunt gemixten Startliste a la SELTEC nach Klassen und Disziplinen.
Redaktioneller Hinweis auf einen aktuellen Beitrag im Fenster Ergebnisse.

27 von voraussichtlich 44 Teams haben bisher in der DAMM gepunktet

(Regis-Breitingen/Kreuztal/Nürnberg/Krefeld, 20. Mai 2022) Wer lesen kann ist klar im Vorteil! Da wir uns stringent an die Verlautbarungen in den jeweiligen Online-Ergebnislisten orientiert haben (das sind schließlich verbindliche Dokumente), gibt es entgegen Einschränkungen anderswo im Internet exklusiv bei uns die Veröffentlichung der DAMM-Rangliste 2022 ohne Netz und doppelten Boden. Also nicht nur mit vorläufiger Punktverteilung, dazu mit dem Anspruch auf Vollständigkeit und obendrein mit Gewähr. Nach den drei Landesfinals in Regis-Breitingen (Sachsen), Kreuztal (NRW) und Nürnberg (Bayern) vom vergangenen Wochenende haben insgesamt 27 von voraussichtlich 44 Vereinen/Startgemeinschaften (StG) ihre Visitenkarte für die Qualifikation für das Team-Finale Senioren am 10.September 2022 im westfälischen Lage abgegeben. Noch stehen nach derzeitigem Kenntnisstand geplante DAMM-Durchgänge am 29.Mai in Langensteinbach (Baden), 01.Juni in Gröbenzell (Bayern) und 18.Juni in Verden (Niedersachsen) aus. Das muss allerdings nicht das Ende der Kletterstange bis zum Meldeschluss am 10.Juli 2022 beim DLV sein.

DAMM-Rangliste 2022, Stand 15. Mai

Senioren, M30: 1. LG Kindelsberg Kreuztal 9.283 Punkte, 2. StG Nutrixxion Masters 9.039, 3. StG Halle-Express 8.609, 4. LAC Schkeuditz 6.477.
M40: 1. LG Kindelsberg Kreuztal 8.674, 2. StG Planeta-Elbland 7.800.
M50: 1. StG Würzburg/Schweinfurt/Ipsheim 9.447, 2. LG Kindelsberg Kreuztal 9.392, 3. StG Markkleeberg-DHfK-LSV Pirna 9.254.
M60: 1. StG Hünxe-Bedburg-Duisburg 7.122, 2. LG Kindelsberg Kreuztal 6.924, 3. StG Werther-Brackwede-Kirchlinde 6.895, 4. StG LAC Quelle Bayern Masters 5.857, 5. StG SF Neukieritzsch 5.523.
M70: 1. StG Hünxe-Bedburg-Duisburg 7.045, 2. LAC Quelle Bayern Masters 6.554.

Seniorinnen, W30:  1. LG Bad Soden/Sulzbach/Neuenhain 6.769, 2. LAC Schkeuditz 5.027.
W40: 1. TSV Korbach 6.098, 2. TSV Friedberg 5.826, 3. StG Mittel-/Unterfranken 5.775, 4. StG Planeta-Elbland 4.694.
W50: 1. StG Witten-Annen/Bochum 5.375, 2. StG SF Neukieritzsch 5.176, 3. TSV Bayer 04 Leverkusen 4.949, 4. FC Erzgebirge Aue 4.334.
W60: StG SF Neukieritzsch 5.931.

Gassenbauer prognostiziert Kopf-an-Kopf-Rennen mit Tschechien

(Leibnitz/Krefeld, 21. Mai 2022) Immer mehr lockert sich der Würgegriff der Corona-Pandemie, der auch oder gerade den Sport fest eingeschnürt hat(te). Endlich, im dritten Anlauf, erleben die zweimal aufgeschobenen Interstate Masters nach 2019 heute in Leibnitz in der Südsteiermark mit dem gastgebenden siebenmaligen Seriensieger Österreich ihre neunte Auflage. Der Titelverteidiger von 2019 im ungarischen Zalaegerszeg ist auch diesmal der erklärte Favorit in dem auf fünf Nationen geschrumpften bisherigen Sechs-Länderkampf mit Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien und der Schweiz. Die Letztgenannten müssen jedoch zumindest für 2022 aufgrund von Aufstellungsproblemen passen (wir berichteten).
Österreichs hammerwerfender „Playing Captain“ und LAMPIS-Repräsentant Gottfried Gassenbauer (*1958; im Bild) aus Wien will nach seiner Hochrechnung ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit den tschechischen Team ausgemacht haben, das bislang allein die Premiere 2012 in Cejkovice bei dem vom einstigen Weltklasse-Diskuswerfer Gejza Valent und seinerzeitigen EVAA-Präsidenten Dieter Massin (Ahlen) kreierten Wettbewerb gewonnen hat. Das schaut so ein bisschen nach höflicher Tiefstapelei des Gastgebers aus.

Zitat: Österreichs Masters-Team gehört zum Weltkulturerbe

Sei’s drum: Unsererseits müssen wir uns nicht weiter abstrampeln. Der Österreichische Leichtathletik-Verband (ÖLV) widmet dem „großen Event“ von Aus- und Spätlese auf seinem Internet-Portal eine umfangreiche Vorschau (das stelle man sich beim DLV für Senioren vor; ja: vollkommen illusorisch!) mit Aufmacherfoto. Da ist dann auch landsmannschaftliche Prosa und der typische Wienerische Schmäh im Spiel. Zitat:
Das Masters-Team Austria kann man ohne Weiteres zum österreichischen Weltkulturerbe zählen.“ Das „flenst“ und ploppt wie beim Öffnen einer Bügelverschlussflasche. Aber klappern gehört nun mal nicht nur zum Handwerk, obwohl es das an der Tastatur auch irgendwie ist. Der Kopf ist eh bei jeder Tätigkeit tunlichst einzuschalten.

David Storl stieß beim Wiederbeginn im Ring 19,96 Meter

(Savona/Halle/Krefeld, 19. Mai 2022) Heimlich, still und leise fernab der Heimat ging der seit Jahren stagnierende einstige Kugelstoß-Wunderknabe und zweifache Weltmeister David Storl (im Bild) vom SC DHfK Leipzig nach elendig langer Wettkampfpause sowie vieler verpasster Gelegenheiten gestern bei einem kleinen internationalen Abendsportfest in Savona (Italien) wieder in den Ring. Der M30-Senior belegte in dem siebenköpfigen Feld hinter den drei Italienern Ponzio (21,12m), Weir (21,05m) und Bianchetti (20,03m) mit lediglich einem gültigen Versuch von 19,96m den vierten und ersten Platz neben dem Treppchen (siehe Ergebnisliste).
Nun wissen wir nicht, ob diese Weite zum jetzigen Zeitpunkt dem Erwartungshorizont des bald 32-jährigen Sachsen entsprach. Ja, klar: Auch aller Wiederbeginn ist schwer. Allerdings ist festzuhalten, dass sie international gesehen nicht einmal Dutzendware ist und dass er sich über seine 1,98 Meter hinaus noch mächtig strecken muss, wenn er die happigen Normen für die Weltmeisterschaften vom 15. bis 24.Juli 2022 in Eugene/Oregon (USA) und/oder die Heim-EM vom 15. bis 21.August 2022 in München erfüllen will. Aufgerufen sind hier 21,10 und 20,80m oder ein adäquater Platz nach dem komplizierten Verfahren im „Worldranking“ (nicht gleichbedeutend mit Weltrangliste). Darauf sollte tunlichst nicht spekuliert werden.

Viel zu spät auf Drehstoßtechnik umgestellt

Für den nationalen Einheitsbrei reichten Storls 19,96m jedoch bereits für die Übernahme der Spitzenposition in der aktuellen DLV-Bestenliste vor Simon Bayer (19,83m) vom VfL Sindelfingen. Der 47-jährige Andy Dittmar von BiG Gotha belegt hier übrigens mit 17,27m den neunten Rang. Es wird noch Jahre dauern die Altlasten abzuarbeiten, in der Trainingslehre der Kader-Athleten viel zu spät auf die Drehstoßtechnik umgestellt zu haben. Nicht nur meine in der Vergangenheit oftmals geäußerte bescheidene Meinung eines Sportjournalisten und lupenreinen Amateur-Kugelstoßers mit 1.173 Wettkämpfen, sondern auch unlängst die frank und frei veröffentlichte von Nachwuchs-Bundestrainer Christian Sperling (im Bild). 
Ein erstes Kräftemessen der heimischen Elite wird es am kommenden Wochenende bei den Halleschen Werfertagen geben. „Alle großen Kugelstoß-Namen, die wir in Deutschland haben, sind am Start“, wird der leitende Bundestrainer Sven Lang  in der Vorschau auf leichtathletik.de zitiert. Die Betonung
muss pointiert auf Deutschland gelegt werden. Aber nicht allein diese Disziplin befindet sich auf rasanter Talfahrt. Nur wollen die Verantwortlichen es in ihrem Wolkenkuckucksheim nicht wahrhaben.