Ansteckender Anglizismuswahn nach DLV-Art: "LVN goes Socialmedia!"

(Duisburg/Krefeld, 04. Dezember 2018) Es sind leider allzu oft die schlechten Beispiele, die Schule machen. Nun hat nach dem Muster des Dachverbandes DLV auch den Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) mit Sitz in Duisburg der Anglizismuswahn ereilt. Auf deren Netzseite lautet in einer Meldung von Geschäftsführer Hans-Joachim Scheer höchstpersönlich die dicke, fette Überschrift: LVN goes Socialmedia! Der Einfältigkeit und Nachäfferei sind einfach keine Grenzen gesetzt. Wen’s dennoch interessiert, der klicke den vornehmlich als Beweismaterial gedachten Link an. Zur Sache selber: Als ob auch nur ein Hahn in den (a-)sozialen Netzwerken danach krähen würde?!
Weiterhin fehlt jedoch der Bericht von der LVN-Seniorentagung am 14.November 2019. Jetzt können wir ihn wohl getrost endgültig abschreiben. Mag natürlich auch daran gelegen haben, dass es nichts Interessantes zu vermelden gab. Aber selbst dann wäre es Chronistenpflicht gewesen. So ich denn zu dem Zeitpunkt aus gesundheitlichen Gründen den sonstigen Gepflogenheiten und Gewohnheiten entsprechend nicht teilnehmen konnte (damit fehlte zwangsläufig für einige eine Reizfigur), hätte ich selbstverständlich nach gutem Brauch und alter Väter Sitte einen Beitrag davon veröffentlicht.

Eigene deutsche Staffelmeisterschaften und keine Ende der Diskussionen

(Fürth/Zella-Mehlis/Krefeld, 03. Dezember 2018) Als ehemaliger Teammanager, 25-facher Chef-Organisator des traditionellen Senioren-Hallenportfestes des LAC Quelle Fürth, aktiver Leichtathlet und unser regelmäßiger Gastautor ist Dieter Krumm (im Bild) in der Szene äußerst gut vernetzt. Der 66-jähirge Mittelfranke kennt Krethi und Plethi, vor allem viele Vereinsvertreter. Insofern hat er Auge und Ohr am Puls der Zeit, kann mit Fug und Recht konstatieren, dass dieses neue Hirngespinst des Deutsche Leichtathletik-Verbandes (DLV) eigene nationale Staffelmeisterschaften für alle Klassen auszurichten bei den Klubs auf - gelinde formuliert - großes Unverständnis gestoßen ist. Insbesondere wegen der auf sie zukommenden zusätzlichen, erheblichen Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten. Nicht zuletzt auch aus Liebe zur Sportart der Attraktivität wegen. Deutsche Einzel-Meisterschaften ohne die Sprint- und Viertelmeiler-Staffeln, gewissermaßen das Sahnehäubchen auf dem Kuchen, sind fürwahr schwerlich vorstellbar. Genau genommen ein Stimmungskiller.
Aber auch potenzielle  Veranstalter mit dem bisherigen Anhängsel von Langstaffel-Wettbewerben schauen künftig finanziell in die Röhre, müssen fortan mit zu erwartenden Mindereinnahmen ihre Kalkulationen aufstellen, ob sie überhaupt noch mit dem Bauch vor den Tisch kommen. Mehr oder weniger Teilnehmer/innen, Begleiter und Betreuer bedeuten schlussendlich auch einen nicht zu unterschätzendes Minus beim ausgesprochen gewinnträchtigen Catering.

Entwarnung: Senioren-DM im Wurf-Fünfkampf 2019 wird in Zella-Mehlis stattfinden!

Hat der TSV Zella-Mehlis just wegen dieser neuen Gemengelage bereits die Reißleine gezogen? Jedenfalls taucht er im Wettkampfkalender unter Termine Deutsche Meisterschaften 2019 nicht mehr mit der Senioren-DM im Wurf-Fünfkampf (bisher mit Langstaffeln) am 10./11. August 2019 auf. Das woll(t)en wir allerdings nicht als Latrinengerücht stehen lassen, machten uns beim kugelstoßenden Lokalmatador und obersten Würstchenbrater Uwe Heimrich (M60) kundig. „Brate ich halt 2019 einige Hundert Thüringer weniger“, trägt er es mit Humor. „Aber die DM im Wurf-Fünfkampf wird bei uns stattfinden!“ Die Gemeinde sei als Thüringer Urlaubseldorado so gut bei Kasse, dass sie alle Anlagen zum Nulltarif zur Verfügung stellen würde. Da fielen die fortan fehlenden Einnahmen durch die Staffeln nicht existenziell bedrohlich ins Gewicht. Wobei Heimrich noch zu bedenken gibt, dass Zella-Mehlis schließlich vorher schon die DM für die vielseitigen Senioren-Werfer/innen auch ohne die Staffelkonkurrenzen ausgerichtet habe, es also keine komplett neue Situation sei.
Doch die Lage ist längst nicht überall dermaßen rosig. Warten wir es ab. Eine Frage bleibt indes bereits jetzt: Wo sind eigentlich einflussreiche Leute mit Hirn und Rückgrat, die den (un-)verantwortlichen Handelnden beim Verband mal massiv die Stirn bieten?

Horst Bödeker ist das Bundesverdienstkreuz verliehen worden

(Bergheim/Pulheim/Krefeld, 01. Dezember 2018) Vorausgeschickt, dass wir uns leider in die große Schar derer einreihen müssen, die nicht allwissend sind, sich auch nicht dafür halten. Die folgende Meldung haben wir dem online erscheinenden „Mitteilungsblatt“ einer Senioren-Netzseite entnommen, die zudem zunächst (inzwischen korrigiert) ein wenig diffus war. Da hieß es gestern, dass Horst Bödeker (*1936) vom Pulheimer SC am 31.November 2018 mit dem von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehenen Bundesverdienstkreuz an seinem Wohnsitz Bergheim in einer Feierstunde vom Landrat des Rhein-Erft-Kreis ausgezeichnet wurde. Die Vergangenheitsform eines in der Zukunft liegenden Termins, den es zudem nicht gibt. Das wäre nämlich dann bereits der 01.Dezember.

Geehrte machte sich als „Mr. DAMM“ einen Namen 

Das alles soll uns nicht daran hindern, ebenfalls davon zu berichten. Zumal ein Fotodokument (das können wir aus urheberrechtlichen Gründen nicht veröffentlichen) belegt, dass der wesentliche Fakt stimmt. Besser spät, als gar nicht wurde dem mittlerweile 82-Jährigen diese größtmögliche Ehre für einen „normalen“ Bundesbürger zuteil. Die Auszeichnung dürfte dem jahrzehntelangen sozialen Engagement von Bödeker in der Leichtathletik und da speziell bei den Senioren geschuldet sein. Er ist respektive inzwischen war so etwas wie der „Mr. DAMM“ des PSC. Als Manager, Sportlicher Leiter und „Hans Dampf in allen Gassen“ hatte er häufig mehrere Mannschaften männlich wie weiblich erst einmal an den Start zu bringen und bei den Finals zu betreuen. Eine Sisyphusarbeit. Dagegen ist es ein Kinderspiel, einen Sack Flöhe zu hüten. Wenngleich er dieses Amt, richtiger: Ämter, vor einigen Jahren niederlegte, was zugleich einen Schrumpfprozess bei seinem Klub nach sich zog, ist Bödeker seiner geliebten Sportart als Aktiver in verschiedenen Disziplinen treu geblieben.
Wer ihm persönlich gratulieren möchte, hat sicherlich bei den NRW „Open“ am 12.Januar 2019 in
der Düsseldorfer Leichtathletikhalle Gelegenheit dazu.

Christina Schwanitz zu Besuch bei den 23. Offenen Seniorensportspielen

(Chemnitz/Krefeld, 02. Dezember 2018) Schon sehr früh in der Hallensaison 2018/19 wurde gestern im Sportforum Chemnitz der Auftakt gefeiert. Und das, sieh an, mit den 23.Offenen Seniorensportspielen ab M/W30. Mit im Programm unter dem Hallendach: Kugelstoßen. Obwohl „Christkind“ Christina Schwanitz (*24.12.1985) vom LV Erzgebirge startberichtigt gewesen wäre, beließ es die noch 32-Jährige dabei, sich vermutlich im Rahmen einer Trainingseinheit im Kraftraum mal blicken zu lassen und für „Selfies“ mit den Teilnehmern/innen zur Verfügung zu stehen.
Davon wurde natürlich reichlich Gebrauch gemacht. Wie stets, wenn die „Grand Dame“ des deutschen Kugelstoßens irgendwo auftaucht. Wer jetzt statt ihrer die W30 für sich entschied und was sich sonst noch so ereignete, überlassen wir den interessierten Kiebitzen und Freunden der Statistik mit dem Hinweis auf die verlinkte Online-Ergebnisliste.
Auch das geht also sehr zeitnah. Das kann sich so mancher Veranstalter getrost als dauerndes Mahnmal hinter den Spiegel stecken.

Staffelmeisterschaften: Ungeborenes "Baby" schon jetzt eine Missgeburt

Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Fürth/Krefeld, 30. November) Kaum hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in Darmstadt für das kommende Jahr bislang ohne Austragungsort eine eigene nationale Staffelmeisterschaft für alle (!) Wettbewerbe und alle (!) Altersklassen ausgerufen, regt sich bei vielen Vereinen bereits großer Unmut, habe der DLV ihnen ein veritables Kuckucksei in Nest gelegt, die Auswirkungen bei seiner Federstrich-Entscheidung völlig außer Acht gelassen. Da sei mal wieder das Kind mit dem Bade ausgeschüttet worden.
Lassen wir authentische Zahlen sprechen, denn die lügen nicht:  Im Jahr 2018 gab es im DLV-Bereich in den Altersklassen U16, U18/U20, U23, M/F und Senioren unter freiem Himmel insgesamt 584 Staffeln. Wenn man die in 2018 gültigen Startgeldbeiträge von 15 Euro Jugend und 21 Euro für alle anderen Klassen zugrunde legt, geht es hier um Einnahmen in Höhe von 10.743 Euro. Ab 2020 wegen der Erhöhung von 25 Prozent um 13.429 Euro. Dieses Geld fehlt anteilmäßig den Ausrichtern von insgesamt sechs deutschen Meisterschaften.

Mindereinnahmen für Ausrichter von sechs Meisterschaften

Als Beispiel die diesjährigen Titelkämpfe der Männer/Frauen. Dabei gab es bei den Männern 255 und  den Frauen 295 Einzelstarts. Das sind 550 Einzelstarts x 15 Euro gleich 8.250 Euro an Startgeld. Außerdem waren in Nürnberg 146 Staffeln am Start, die 2.646 Euro an Einnahmen generierten. Das sind circa 32 Prozent der Startgeldeinnahmen aller Einzeldisziplinen,  die dem künftigen Ausrichter dieser Meisterschaft fehlen werden. Dazu kommen noch die Einnahmeausfälle bei der Versorgung mit Essen und Trinken. Insgesamt sind das herbe Mindereinnahmen der Veranstalter von sechs Meisterschaften.

Vereine/Aktive werden zusätzlich zur Kasse gebeten

Monetär viel schlimmer sind aber für die vielen am Existenzminimum herum krebsenden Vereine in Deutschland die zusätzliche Reise- und Übernachtungskosten. Das alles zusammen genommen ist um ein Vielfaches höher als die entgangenen Startgeldeinnahmen der Veranstalter. Beispiel LAC Quelle Fürth nur für die 4x100m-Staffeln. Die werden männlich wie weiblich in den Altersklassen U16, U18, U20, U23, Aktive und Senioren angeboten. In diesen Altersklassen wurden 2018 alle Staffeln innerhalb der Einzelmeisterschaften ausgetragen. Das sind  künftig für 48 Teilnehmer plus Ersatzleute zusätzlich anfallende Fahrt- und Übernachtungskosten. Selbst wenn nicht in jeder Klasse eine Staffel gemeldet wird, kann man von Zusatzkosten für die Vereine zwischen 1.500 und 2.000 Euro ausgehen. Ungeachtet der 4x400m Staffeln, der Langstaffeln  über 3x800m weiblich und 3x1000m männlich, die bisher schon bei anderen Meisterschaften im Programm waren.
Ob die Klubs/Startgemeinschaften aus Kostengründen überhaupt noch eine Staffel melden werden, sei einmal dahin gestellt. Mit den 584 Staffeln aus diesem Jahr sollte der Ausrichter der Staffelmeisterschaften 2019 besser nicht kalkulieren.

Jeglichen Weitblick vermissen lassen

Zusammenfassend ist anzumerken, dass hier der „Erfinder“ dieser neuen Veranstaltung nicht über den eigenen Tellerrand in Darmstadt hinausgeschaut hat. Resümee: Einerseits entzieht der Dach- und Verband örtlichen Veranstaltern von sechs Meisterschaften unter dem Patronat des DLV bis zu 32 Prozent aller Startgeldeinnahmen, und das ohne die erklecklichen Einnahmen aus Bewirtung, andererseits belastet er die teilnehmenden Vereine aus ganz Deutschland mit hohen zusätzlichen Ausgaben durch Reise- und Übernachtungskosten. Nebenbei fallen damit bei den Deutschen Meisterschaften der Erwachsenen gut zwei Stunden interessanter, spannender Staffelwettbewerbe für die Zuschauer weg.
Schlussendlich handelt es sich bei diesem noch ungeborenen „Baby“ schon jetzt um eine Missgeburt. Die teuren „Entbindungskosten“ müssen einmal mehr die Klubs und vielfach deren Aktive bezahlen. Doch woher nehmen und nicht stehlen?