Frühjahrswerfertage: Nur die Harten kommen in den Garten

(Übach-Palenberg/Mutterstadt/Krefeld, 17. März 2018) Nur die Harten kommen in den Garten. Also nichts für Warmduscher, Weicheier oder Vorwärtseinparker. Während der zumindest nominell saisonale Höhepunkt unter dem Hallendach mit den 12.Senioren-Europameisterschaften vom 19. – 24.März 2018 in Madrid (Spanien) noch an-/aussteht, haben hier zu Lande bereits die Werfertage begonnen. So vergangenen Samstag in Mutterstadt. Veranstaltungsleiter Gerhard Zachrau (*1949) vom gastgebenden Klub ging selbst in die „Bütt“ und erzielte dabei mit 3.847 Punkten im Wurf-Fünfkampf der M65 die beste Leistung, außerhalb dieser Wertung im Diskuswurf beachtliche 43,63m.
Ein gewiss nicht alltägliches Kontrastprogramm wird es in Übach-Palenberg bei Aachen geben. Der SV Rot-Weiß Schlafhorst richtete am vergangenen Wochenende noch die Offenen Regionshallenmeisterschaften des ehemaligen Kreises Heinsberg aus und lädt heute (nicht Sonntag, wie es in der Ausschreibung steht!)  ab 13 Uhr zum Frühjahrswerfertag für alle männlichen und weiblichen Klassen von U16 aufwärts ein. Ergo mit Seniorenwertung. Und schon kommen wir zum Anfang dieses Textes. Denn kurz vor Frühlingsanfang (20.März) und dem nicht mehr fernen Osterfest sind auch im tieferen Westen der Republik gehörige Wetterkapriolen zu erwarten. Die Temperaturen liegen zwischen –2 und lediglich +3 Grad, dazu pfeift ein unangenehmer Wind, und es ist regional sogar Schneefall möglich.
Beim Erstellen dieses Beitrages gegen 08.30 Uhr in Krefeld am linken Niederrhein verbrieft. Gemeinhin wettertechnisch und sonst nicht gerade der klassische Wintersport-Landstrich.

DLV-Trikot: Eine etwas andere Interpretation von Schaden und Spott

(Krefeld und Teile der Republik, 16. März 2018) Nicht allen, uns schon, zum Wohle sind wir bestens vernetzt, bekommen wir ohne besondere Aufmunterung viele Dinge gesteckt, fliegen uns im übertragenen Sinne gelegentlich gebratene Tauben förmlich in den Mund. Und das ist gut so und war auch gestern nach dem leidigen Thema um das abgespeckte Senioren-„Nationaltrikot“ zum Nulltarif nicht anders. Dafür schon denjenigen auch noch einmal von dieser Stelle ein pauschales Danke schön, verbunden mit dem freundlichen Appell an alle anderen bei sich bietenden (Un-)Gelegenheiten es ihnen gleich zu tun! Es versteht sich nach guter journalistischer Sitte, dass wir ohne ausdrücklichen Freigabevermerk stets Informanten- und Vertrauensschutz gewähren. Ehrensache!
Wer den Schaden hat, braucht bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen. Nur ist die Interpretation ein wenig verquerer als landläufig gemeint. Den Schaden haben die dermaßen Ausgestatteten und den Spott erntet unzweifelhaft der zu dieser vermeintlichen Samariter-Handlung a la Sankt Martin gezwungene Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) respektive dessen 100prozentige Marketing-Tochter DLM.

Leibchen sei allenfalls als Nachthemd geeignet, wenn da nicht…

Der einhellige Tenor: Dieses Abziehbild eines Trikots ist von ausgesprochen minderwertiger Qualität. Das würde sich allenfalls als Nachthemd für heiße Sommernächte eignen. Beispielsweise bei der kommenden Stadion-WM vom 4. – 16.September 2018 im selbst zu der Zeit noch mollig warmen andalusischen Malaga in Spanien. Dem steht freilich entgegen, dass sich der Stoff auf nackter Haut sehr unangenehm anfühle und ohne etwas Drunter nicht tragbar sei. Aber wie soll das gehen und vor allem aussehen, um nicht schon wieder gegen die vom DLV gehäkelte, indes unmaßgebliche Kleiderordnung zu verstoßen? „Dieses Leibchen werde ich nicht für Geld und gute Worte anziehen, habe mir schon anderweitig eins bei einem diesmal nicht startenden Sportkameraden geliehen“, schrieb uns ein restlos verärgerter EM-Teilnehmer in Lauerstellung.
Über die Bedingungen und zu welchen Hungerlöhnen diese „Ware“ in Sri Lanka hergestellt wurde, sollte zur Beruhigung des eigenen Gewissens besser erst gar nicht sinniert werden.
Armes, reiches Deutschland, armseliger Dachverband!

Annette Koop blickt auf prall gefüllte sechzig Lebensjahre zurück


(Lingen/Krefeld, 14. März 2018)
Mit Annette Koop (*14.03.1958) aus Lingen im Emsland blickt eine Vorzeigeathletin des Seniorensports heute auf sechs prall ge- und erfüllte Lebensjahrzehnte zurück. Die Mittelstrecklerin der LG Emstal Dörpen ist seit einiger Zeit zwar nicht mehr im Laufgeschäft unterwegs, ihre vielen Erfolge und Leistungen aber sind unvergessen. Den Beginn ihrer Karriere und Zugehörigkeit zur Leichtathletik gestaltet sie selbst; also nicht auf Anraten der Eltern, des Sportlehrers oder sonst wem. Sie ging einfach ins Lingener Stadion mit dem festen Willen „so, nun entdeckt mich mal“ und wartete auf der Tribüne auf den heimlichen Mentor, der sich wenig später tatsächlich einstellte, als sie angesprochen wurde mit „komm, lauf doch mal mit!“ Und das tat die 13jährige Annette denn auch und hielt das Training und die Wettkämpfe fünf, sechs Jahre durch, bis es ihr inzwischen beruflich zu viel wurde. Denn sie hatte eine Ausbildung zur Sportlehrerin aufgenommen und letztlich erfolgreich abgeschlossen, war in den Schuldienst eingetreten und schaffte die Mehrfachbelastung nicht mehr, da das Training intensiver wurde.

Als 34-Jährige bei der Cross-DM die Lauflust wiederentdeckt

Bereits 34-jährig kam sie 1992 wieder zurück. Als Seniorin startete sie bei der Cross-DM in Rhede. Der dritte Platz dort machte ihr Lust auf mehr, zumal sie auch von den internationalen Senioren-Meisterschaften Wind bekommen hatte. Erstmals trat sie bei den Europameisterschaften 1994 auf diese Bühne, wo sie in der W35 gleich dreimal auf dem Podium landete: 1500 m als Zweite, 800 m als Dritte und mit der Staffel über  4x400 m auf Rang zwei. Ein Jahr später wurde ihr Geschmack auf internationale Senioren-Titelkämpfe noch größer, als sie nach der WM in Buffalo (USA) ebenfalls mit dreimal Edelmetall nach Niedersachsen zurückkehrte und ihrem Trainer Arno Kosmider von ihren Erfolgen berichten konnte.Er sollte während der gesamten Laufbahn auf der Laufbahn Annettes feste Konstante sein, die sich mit immer weiteren Erfolgen auszahlte. National wie auch international; stets auf ihren Laufstrecken 800 und 1500 Meter, ab und zu auf die Unterdistanz ausweichend, wenn die deutsche Viertelmeiler-Staffel sie als willkommene Verstärkung gerne aufnahm.

Für die Power-Frau war stets Angriff die beste Verteidigung

Annette Koop ließ bei ihren Rennen nichts anbrennen. Sie lief nie taktisch, hielt sich nie im Mittelfeld oder gar am Schluss der Läuferinnen auf, sondern stürmte gleich nach dem Start nach vor. Sie war eine lupenreine Tempobolzerin, eine „Powerfrau auf der Kunststoffbahn“. Doch nach den World Masters Games 2013 in Turin hängte sie ihre Spikes an den vielzitierten Nagel, da Verletzungen ihr immer mehr zu schaffen machten. Fast zeitgleich beendete sie zusammen mit ihrem Mann Robert die überaus beliebte und viel gelesene Internet-Plattform „Annettes Seite“. Dieses informative Medium speziell für Senioren/innen richtete sie im Mai 1997 ein, war damit Vorreiter/in auf diesem  Sektor in Deutschland. Schnell nahm sie mit dem US-amerikanischen Sportjournalisten Ken Stone von masterstrack.com Kontakt auf, pflegte einen regen Austausch mit ihm, und lieferte nahezu täglich Neues aus der Senioren-Leichtathletik. Unabhängig, neutral, kritisch und höchst informativ. Später, ab 2010, gab es auch einen Schulterschluss mit Lampis. Durch ihren Mann, von Berufs wegen selbständiger Rechtsanwalt und Notar, war sie bei allen kritischen Berichten und Stellungnahmen stets in einer auf der juristisch sicheren, unangreifbaren Position. Und selbst „Binnenschreiben“ des DLV („wenn Sie nicht BINNEN zwölf Stunden Ihren Artikel korrigieren …“) brachte sie demzufolge nicht von ihrer Linie ab.

„Annettes Seite“ Wegbereiter der Online-Berichterstattung der Masters

So kann mit Fug und Recht „Annettes Seite“ als Wegbereiter der Online-Berichterstattung der Masters-Szene in Europa bezeichnet werden, wobei Annette und Robert Koop ob ihrer Neutralität und Kompetenz einen berechtigten und verdienten Extra-Ruf besaßen. Die Koops stellten 2012 ihre „Sendungen“ ein. Ein politisches Amt Roberts  und Annettes (nahendes) Karriereende ließen den Faden abreißen. Dem Sport ist Annette Koop als Mutter von fünf Kindern, ergo Nachwuchsarbeit wörtlich genommen, und dreimalige Großmutter jedoch weiterhin über die Schule verbunden, derweil Ehemann und Vater Robert sonntags seinen Söhnen beim Fußball zuschaut und mitfiebert. Nicht mehr ganz mit dem erhöhten Blutdruck, dem er bei den Läufen seiner Frau Annette latent ausgesetzt war.
Ad multos annos, Annette! Danke für deine über 20 Jahre im Seniorensport und Dank, dass du den Seniorensport so sympathisch und ehrlich rübergebracht hast.
Herzlichen Glückwunsch auch von dieser Stelle und allzeit Glückauf!

Dieses Nationaltrikot-Plagiat des DLV ist geschenkt noch zu teuer!

Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Madrid/Krefeld, 15. März 2018)
Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Behauptet jedenfalls Volkes Mund. Den Vergleich mit dem Barsch lassen wir jetzt mal weg. Allerdings ist manches noch geschenkt zu teuer. Das Trikot, ein stinknormales Unterhemd mit rotem Aufdruck GERMANY und einer gummiartigen Nationalflagge auf der vom Herzen abgewandten Seite, gehört eindeutig dazu. Es wirkt beim bloßen Anschauen schon billig, ist tatsächlich von minderwertiger Güte „Made in Sri Lanka“ und wird sich vermutlich nach einer 60-Grad-Wäsche in missliebigem Wohlgefallen auflösen. Ein typischer Fall von Wegwerf-Trikot nach Gebrauch. Schlicht die Ware, wie sie von der „Qualität“ aus Moppel- oder 1-Euro-Läden hinlänglich bekannt ist.

Eine schizophrene Maßnahme

Und nun wird es besonders abwegig: Es konterkariert die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) selbst aufgestellten Verhaltens(maß)regelungen im Athleten-Handbuch für die 12.Hallen-Europameisterschaften der Senioren/innen vom 19. bis 24. März im spanischen Madrid. Da heißt es unter W wie  Wettkampfkleidung mit der inzwischen üblichen absurden Panikmache einer drohenden Disqualifikation, dass lediglich die Leibchen aus den letzten drei Kaufkollektionen (dazu die entsprechende Ablichtungen) zugelassen seien. Nun steuert der DLV also wegen angeblicher Lieferengpässe (wir berichteten) seines Ausrüstungssponsors eine aus der Not geborene vierte Version höchst selbst bei. Der Psychiater nennt das Schizophrenie.

Es ist restlos alles mit Hinweis auf die Nation erlaubt

Aber, liebe Leute, schlagt den Schwachsinn mit der vermeintlichen Disqualifikation bei Zuwiderhandlung getrost in den Wind. Der Drops ist auf Anfrage von LAMPIS vor Jahren bei der European Masters Athletics (EMA), namentlich beim damaligen Vizepräsidenten Jerzy Krauze aus Polen, längst gelutscht, eine neue Verlautbarung gibt es nicht. Es ist restlos alles erlaubt, was den Hinweis auf die vertretene Nation liefert. Und das hat auch einen tieferen Sinn. Denn es gibt Länder, die gar keine offizielle Leichtathletik-Nationalmannschaft der Männer/Frauen haben, selten bis nie Athleten zu internationalen Meisterschaften oder Olympischen Spielen entsenden. Ohne sie jetzt alle aufzuzählen, der sehe sich bei Interesse die bei der EMA angeschlossenen nationalen Verbände unter diesem Link an. Beim bloßen Überfliegen habe ich meinerseits locker zehn solcher Zwerg-Staaten ausgemacht.
Kurzum: Es erübrigt sich jede weitere Diskussion zu diesem hausgemachten Thema aus Hessen. Oder um es literarisch nach William Shakespeare zu formulieren: Viel Lärm um nichts! 

Heike Drechsler verlieh der Senioren-DM höchst prominenten Glanz


(Erfurt/Krefeld, 13. März 2018)
Mitunter sieht man(n) vor lauter Bäumen den Wald nicht. Bei einer Presse-Nachlese zu den Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaften mit Winterwurf in Erfurt durch einen – freilich überschaubaren – Teil des bedruckten Blätterwaldes  in unserem unmittelbaren Umfeld am Niederrhein wurde das bisherige Versäumnis wieder hochgespült. Der Lokalsport der Rheinischen Post Moers veröffentlichte ein (Privat-)Foto von Thomas Ritte, Stammhalter der für den SC Bayer 05 Uerdingen startenden „Ritte-Air“, zusammen mit keiner Geringeren als Heike Drechsler. Ja, da war doch was? Genau! Die Weitsprung-Olympiasiegerin von 1992 und 2000 war in der thüringenschen Landeshauptstadt im wonnevollen, nimmermüden Einsatz an den reiferen Athleten/innen.

Einstige Koryphäen veredeln
bisweilen Siegerehrungen...


Das sich derartige Koryphäen von einst für Siegerehrungen zur Verfügung stellen, habe ich bei den 1.Senioren-Hallen-Europameisterschaften 1997 in Birmingham/GB am eigenen Leibe erleben dürfen. Bei meinem Titelgewinn im Kugelstoßen der M50 (gleich nebenan sprang Thomas Zacharias mit 2,00 Meter heute immer noch gültigen M-50-Weltrekord) wurde ich unter den Klängen des Poptitels  „Simply the Best“, ausgerechnet mein Lieblingslied von Tina Turner, von der damaligen polnischen Verbandspräsidentin Irena Szewinska geehrt. Das war praktisch das Sahnehäubchen auf dem Kuchen. Für die jüngere Generation: Die Polin vom Jahrgang 1946  ist gar dreifache Olympiasiegerin. Einmal im Kollektiv über 4x100m 1964 in Tokio, dazu gelang ihr neben Michael Johnson (USA) das außergewöhnliche Double auf den Einzelstrecken 200 Meter (1968 in Mexiko-Stadt) und 400 Meter (1976 in Montreal). Also zudem eine höchst erfolgreiche Dauerbrennerin über die Distanz von vier Olympischen Spielen.

...„uns Heike“ wählte dagegen den Knochenjob

Während Irena zu dem Trio auf dem Podest aufschaute, Hände schüttelte und gelegentlich Bussis verteilte, machte Heike Drechsler in Erfurt Knochenarbeit, musste ihre 1,82m Körpergröße gaaanz oft abbücken. Denn die 53-jährige Blondine steckte mit einer Engelsgeduld immer und immer wieder bei gültigen Versuchen den Stahlstift in die Weitsprunggrube, drechselte sich vermutlich ein Gewinde in die langen Beine. Einer dermaßen prominenten Kampfrichterhelferin angesichtig geworden, weckte das natürlich Begehrlichkeiten für gemeinsame Fotos. Das ließ die ehemalige Weitsprung-Lichtgestalt, stets freundlich in die jeweilige Kamera lächelnd, mit ähnlicher Engelsgeduld über sich ergehen.

Illustre Talkrunde mit Olympiasiegern

Noch am Freitagabend vor den Titelkämpfen war Drechsler in einer sehr sportlichen Runde mit dem frisch gebackenen Bob-Doppel-Olympiasieger Francesco Friedrich und Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting zu Gast in der aus dem MDR-Landesstudio Leipzig live ausgestrahlten Talk-Show „Riverboat“. Da erzählte sie bereits, dass sie sehr viel durch die Leichtathletik erhalten habe, dass sie ihr dafür etwas zurückgeben will. Und zwar direkt an der Basis. Deshalb mache sie eine Ausbildung zur Kampfrichterin und hoffe bei der Europameisterschaft der Männer/Frauen vom 7. bis 12.August 2018 in Berlin zum Einsatz zu kommen.
Die „Ochsentour“ hat sie schon mal hinter sich: An und in der Weitsprunggrube sowie beim Foto-Marathon mit der Jugend von gestern und vorgestern. Hinterher wurde kolportiert, dass ihretwegen erstmals Eintritt bei einer Senioren-DM erhoben worden ist.