Eilmeldung: Steht etwa die Hallen- und Winterwurf-EM auf der Kippe?

(Braga/Krefeld, 02. März 2020) Ohne hier in Hysterie und Panikmache verfallen zu wollen, ist es sehr wohl Chronistenpflicht, darauf hinzuweisen. Zumal es die eigentlich zuständige europäische Senioren-Dachorganisation European Masters Athletics (EMA) und der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) für seine dort gemeldeten (nur) 259 Aktiven nicht tun. Es kursiert in mehreren Sprachen in den sozialen Netzwerken, dass es eine Meldung vom Lokalen Organisationskomitee (LOC) der Senioren-Hallen-Europameisterschaften mit Winterwurf vom 15. März bis 21. März 2020 im portugiesischen Braga zum derzeit über China verbreiteten, die Welt in Aufruhr haltenden Coronavirus – vorsichtig formuliert – geben soll.

Katastrophenschutz in Braga will sich beraten

Der sinngemäß in deutscher Sprache übersetzte Wortlaut:
„Liebe Sportlerinnen und Sportler, liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Senioren-Europameisterschaften in Braga! Wie Sie alle sehr gut wissen, ist das Coronavirus ein soziales und internationales Problem, das unser tägliches Leben derzeit empfindlich stört. Das LOC stellt sich diesen Bedenken, da wir Organisatoren auch um die Sicherheit der Veranstaltung, vor allem aber um die Gesundheit der Teilnehmer/innen besorgt sind. In diesem Zusammenhang wurde vom Rat für Katastrophenschutz für Mittwoch, 04.März.2020 eine Dringlichkeitssitzung anberaumt, auf der die Thematik in Bezug auf die EM mit abschließender offizieller Erklärung beraten wird.“

Mehrere Tausend Aktive aus rund 40 Ländern als Gefahrenpotential

Was eben die Bedenken angeht, ist zu berücksichtigen, dass hier mehrere Tausend Leichtathleten/innen aus rund 40 Nationen zusammenkommen. Darunter auch, ohne sie stigmatisieren zu wollen, aus Italien, dem europäischen Epizentrum des ungewollten Imports aus Fernost. Und da ja Präsidialherr Kurt Kaschke (im Bild) mit Mehrfach-Wohnsitz in Freudenstadt, Gütersloh und Lissabon auch Gäste von außerhalb Europas willkommen heißt, werden womöglich auch Athleten aus dem Reich der Mitte einschweben wollen. Die Götter die er rief, wird er nun nicht mehr los. 
Wie eingangs schon erwähnt, soll es hiermit einfach mal vorsorglich zum Ausdruck gebracht werden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Letztendlich ist eh jeder für sich selbst verantwortlich.

Ein etwas anderes Resümee der Hallen- und Winterwurf-DM

Kommentar

Unter uns gesagt

(Erfurt/Krefeld, 02. März 2020)
Vorweg: Es allen recht machen zu wollen, ist eine Kunst die keiner kann. Und da wir den geschätzten Leser nicht mit einer 1:0-Berichterstattung, in der einem Börsenbericht gleich Zahl an Zahl gereiht wird, zu langweilen gedenken, läuft es zwangsläufig und notgedrungen überall (auch bei uns) so ein bisschen auf Heldenverehrung hinaus. Denn wo anfangen und wo aufhören, wenn bei einer Hallen- und Winterwurf-DM wie zuletzt in Erfurt selbst ausschließlich auf Stoß/Wurf bezogen vier Disziplinen in je zwölf Klassen von M/W 35 – 90 zu beleuchten sind? Ja, ein ungeschriebenes journalistisches Gesetz lautet Namen sind Nachrichten. Doch das ist bei einer Großveranstaltung mit 1.163 Startwilligen ein Tanz auf der Rasierklinge. Die Genannten freuen sich und der große Rest fragt sich, wieso und weshalb ich nicht?

Kein „Börsenbericht“ als zweiter Aufguss der Ergebnisliste

Aber nochmal: Den zweiten Aufguss der (verlinkten) Ergebnisliste überlassen wir liebend gerne anderen. Dort stehen sie schließlich schon alle, die in die Wertung gelangt sind – vom Erst- bis zum Letztplatzierten. Da nehmen wir uns lieber der Themen an, die gleichwohl am Rande des Geschehens im Allgemeinen (sportärztliches Attest) und Speziellen (Magnesiaverbot beim Kugelstoßen) von Interesse sind. Informieren, Kommentieren, Glossieren und nicht zuletzt Unterhaltung sind unsere vier Säulen (mehr gibt es eh nicht) bei der Publikation unserer Beiträge in den verschiedenen Fenstern. Bei durchschnittlich 1.200 bis 1.500 Besuchern täglich soll es schlussendlich auch Lesestoff sein, bei dem die meisten nicht schon nach der Überschrift abspringen. Keiner interessiert sich für alles. Da entscheiden Aufmachung, die Schreibe und natürlich Inhalte, die zum Wiederkommen anregen.

Der Zweite ist nicht der erste Verlierer

Doch mit einer kleinen Schleife zurück zur DM. Selber habe ich von Kindesbeinen an bis zu meiner Bypass-Operation im Oktober 2018 pralle 65 Jahre lang in den Sportarten Fußball, Eishockey und Leichtathletik vereinsseitig organisierten, geförderten Leistungssport betrieben. Durchaus mit Erfolg allein bei 1.160 Starts im Kugelstoßen. Genau wie viele ich davon gewonnen habe, könnte ich in über Jahrzehnte in meinen akribisch geführten Trainings- und Wettkampfbüchern feststellen (in meiner letzten Saison alle 13, einschließlich beider DM-Titel Halle und Stadion in der M70). Aber das nur zum besseren Verständnis lediglich nebenbei bemerkt. Es soll vielmehr heißen, dass für mich der Zweite nicht der erste Verlierer ist.

Für die zweite und dritte Reihe war die Teilnahme bereits ein Erfolg

Festzuhalten bleibt, dass die Vielzahl aller Gemeldeten von Startnummer 1 bis 1.163, darunter eben die große Masse aus der zweiten und dritten Reihe, schon mit Erfüllung der sinnvollerweise national geforderten Norm einen Teilerfolg errungen haben. Und all jene, die zu ihrem ureigenen saisonalen Höhepunkt unter dem Hallendach eine Jahresbestleistung oder gar einen „Hausrekord“ aufstellen konnten, haben allen Grund zur Freude. Das ist ganz pauschal fernab von Namen, Zeiten, Höhen und Weiten zu konstatieren und würdigen.
Die Hauptsache ist gerade für die Amateure reinsten Wassers bei den Talenten von gestern und vorgestern der Spaß an der Freud'. Und dafür hat jede/r ganz persönliche Parameter. Allen Zufriedenen mit einem virtuellen Blumenstrauß einen aufrichtigen Glückwunsch, allen Übrigbleibenden Mund abwischen und unverdrossen weitermachen! Geduld und Langmut zahlen sich bisweilen aus.

Senioren-Spielecke verkündet einen Europarekord der keiner ist

(Erfurt/Krefeld, 01. März 2020) Knapp daneben ist halt auch vorbei. Räumen wir deshalb mit einem folgenschweren, peinlichen Irrtum auf. Eine Falschmeldung verbreitete gestern die Senioren-Spielecke auf der Verbandsnetzseite mit einem großen Aufmacherfoto darüber bereits plakativ in der fettgedruckten Überschrift: „Glänzender DM-Auftakt: Lothar Huchthausen wirft Europarekord“. Denkste! Das bedarf schon allein insofern keiner besonderen Überprüfung, da der am 12.März 1935 geborene gestandene, überaus erfolgreiche Mann (im Bild) von der LG Altmark in Sachsen-Anhalt noch gar keine internationalen Rekorde in der M85 aufstellen kann. Denn dazu ist, anders als bei der blödsinnigen, abwegigen Regelung hier zu Lande, der Tag und nicht das Jahr der Vollendung notwendig. Die Autorin Sandra Arm (Späße mit Namen verbieten sich) ist sowohl schlecht informiert und hat obendrein überhaupt nicht recherchiert. Doch sie darf unredigiert gewähren bei der vor Ort versammelten vermeintlichen Fachkompetenz.

Unsinniges Neben- und Durcheinander zur internationalen Regelung

Sonnenklar, dass niemand alle vollständigen Geburtsdaten selbst von Spitzenkönnern in seiner Datei hat. Genau deshalb hüte ich mich tunlichst davor, wo ich es nicht hundertprozentig weiß (gestriges Beispiel im Fenster Ergebnisse mit Hermann Albrecht, aber auch bei Huchthausen), allzu voreilig Europa- und Weltrekorde hinaus zu posaunen, die es von der nackten Leistung her sein könnten. Völlig sicher bei derartigen Verkündungen auf Verdacht kann man nur am 31.Dezember sein. Treiben wir es auf die Spitze: Einer der just an diesem Tag das 85. Lebensjahr vollendet, kann als gerade 84-Jähriger bereits am 02.Januar einen deutschen Rekord (sie nennen es Bestleistung) aufstellen. Das ist vollkommen absurd und der Fluch der bösen Tat, dass am deutschen Wesen die Welt genesen soll, statt sich der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) den internationalen Gepflogenheiten anpasst. Das führt letztlich dazu, dass etliche deutsche Rekorde bei den Senioren/innen „besser“ sind, als Europa- und Weltrekorde. Bekloppter geht’s nimmer mehr.
Einen etwas ausführlicheren Bericht veröffentlichen wir der Gesamtübersicht wegen bei
Mehrfachtätern" morgen nach Abschluss der dreitägigen Titelkämpfe. Für Kiebitze geht es mit dem folgenden Link zur Online-Ergebnisliste nach Klassen und Disziplinen.

Dauerbrenner Andy Dittmar steigerte eigenen deutschen M45-Rekord!

(Erfurt/Krefeld, 01. März 2020) Und da Beste kam nicht nur durch die rosarote Werferbrille betrachtet fast zum Schluss der Einzelwettbewerbe bei den dreitägigen Titelkämpfen der Hallen-DM mit Winterwurf in Erfurt. Ein Dramaturg hätte es nicht besser inszenieren können. Denn bei dem Hauptdarsteller handelte es sich um den äußerst beliebten Thüringer Volkstribun Andy Dittmar (*06.07.1974) von BiG Gotha, einem stattlichen Mannsbild von 1,96m Körpergröße und über die Länge gut verteilten 140 Kilogramm Wettkampfgewicht. Big-Andy wuchtete das 7,26 Kilogramm schwere Gerät heute so gegen 14:40 Uhr beim Kugelstoßen der M45 im zweiten Durchgang in dem für Höchstleistungen handgemalten Feld von lediglich vier Teilnehmern auf 18,33m.
Danach war verständlicherweise ein wenig der Dampf aus dem Kessel, fabrizierte er zwei „Fahrkarten“ und dazwischen noch Weiten von 17,88 sowie 17,70m. Aber was soll’s? Schließlich pulverisierte der 45-jährige Dauerbrenner im Ring seine saisonale Bestleistung von 17,86m erheblich und vor allem seinen eigenen deutschen M45-Rekord (18,08m) aus dem Vorjahr an selber Stelle in seinem sportlichen Wohnzimmer unter dem Hallendach um 25 Zentimeter. Der für ihn ganz normale Wahnsinn, dessen Taufbecken dereinst in Gotha ein Jungbrunnen gewesen sein muss. .   

Bestplatzierter Senior in der DLV-Bestenliste der Männer

Schieben wir gleich noch ein paar Superlative zur Bestätigung und Erhärtung der eingangs aufgestellten These nach. Mit jener Leistung ist Dittmar als aktuell Neunter der DLV-Bestenliste der Männer der höchst notierte Senior überhaupt. Obschon Überkreuzvergleiche hinken, da auch in der Leichtathletik in direkter Auseinandersetzung auf’m  Platz abgerechnet wird, wäre er damit in der Vorwoche bei der „großen“ DM in Leipzig Achter geworden. Gut, sei nicht verschwiegen, dass auch nur acht Aufrechte am Start waren, wovon lediglich sieben in die Wertung gelangten.
Wenngleich sich der Gothaer „Schlossherr“ aufgrund seiner Erfahrung als ehemaliger Athlet der europäischen Spitzenklasse (Lebensbestleistung 20,55m, im selben Jahr EM-Fünfter 2006 in Göteborg/S) sehr genau einzuschätzen weiß, schafft er es immer wieder sich selber zu überraschen. Gut eine Stunde nach seinem Husarenstreich schrieb er mir über WhatsApp im lupenreinen DLV-Denglish: „Ich bin selbst noch voll geflasht.“
Da werden sich garantiert viele mit Sach- und Fachkenntnis anschließen, der Autor ebenfalls. (Alle Resultate in der Ergebnisübersicht im handelsüblichen Seltec-Durcheinander und scheußlichem, unübersichtlichen Grafik-Design.

Hallen-DM: Vollkommen inhaltsleeres Magnesiaverbot bleibt bestehen

(Erfurt/Krefeld, 29. Februar 2020) Gehörigen Staub wirbelte das nach etlichen Hinweisen entrüsteter Kugelstoßer auf das Info-Blatt zum Magnesiaverbort von uns angestoßene Thema auf. Eine interessante, bebilderte Stellungnahme erhielten wir vom Württembergischen Para-Landestrainer Thomas Strohm aus Waiblingen: „Das Bild zeigt Niko Kappel vom VfL Sindelfingen im Ring, der bei den Deutschen Para-Leichtathletik-Hallenmeisterschaften am 15.Februar in Erfurt mit 13,71m einen neuen nationalen Hallenrekord der Klasse F41 aufstellte. Es ist zu sehen, dass er eine weiße Handinnenfläche hat (auch die Kugel und das rechte Hosenbein sind weiß, die Redaktion). Das Magnesia dazu hat er der rechts im Bild zu sehenden Wanne entnommen, die vom Veranstalter bereitgestellt worden ist.“

Kunststoffbahn würde durch Magnesia gravierend verschmutzt

Dieses Behältnis kenne ich als Kugelstoßer, so lange und so oft, wie ich seit 2002 bei der Senioren-Hallen-DM just auf dieser Anlage gestartet bin. Zuletzt 2018. Wie schon im gestrigen Beitrag erwähnt, sind wir vom Hauptkampfrichter sogar eindringlich „gebeten“ worden, dass Magnesia aus den bereits ebenfalls geschilderten, nachvollziehbaren Gründen zu benutzen. Noch zum besseren Verständnis: Das transportable Gerät auf Rollen nebst Inhalt hat nicht der Thüringer Leichtathletik-Verband (TLV) oder sonst wer aus dem Hut gezaubert, sondern entstammt dem Fundus der Halle und ist somit im Besitz des Hausherrn Sportbetrieb Erfurt. Der hat nunmehr für alle arglosen Beteiligten plötzlich das stringente Verbot ausgesprochen. Abenteuerlich und geradezu hanebüchen ist die mir bekannt gewordene Begründung, dass durch das Magnesia die angrenzende Kunststoffbahn „gravierend verschmutzt“ würde. Aberwitzig. Dazwischen liegt noch ein etwa 1,5 Meter breiter Weg, und der äußere Kurvenrand des 200-m-Ovals ist geschätzt rund einen Meter höher. Und seit wann weht auf einer blauen Gymnastikmatte einen leichten Abdruck hinterlassendes Magnesia beliebig und weit durch die Gegend? Eine an Einfältigkeit nicht mehr zu überbietende Ausrede!

Bei aller Autonomität wird mit zweierlei Maß gemessen

Halten wir indes fest, dass er
als Hallen-Betreiber autonom und autark ist was die Hausordnung anbelangt. Allerdings sieht es verdächtig nach Willkürakt aus. Früher wurden im Wilden Westen auf einem Treck auch nicht mitten im Strom die Pferde gewechselt. Das hätte geschmeidig, zunächst für alle unbemerkt, nach dieser Saison beschlossen und für die kommende von 2020/21 in Kraft gesetzt werden können. So wird unstrittig zu bisherigen saisonalen Sportfesten und Meisterschaften mit zweierlei Maß gemessen. Messungenauigkeiten eingeschlossen.

DLV ließ sich willfährig über den Verhandlungstisch ziehen
 
Und es sei nicht vergessen, dass es auch stets noch einen Vertragspartner gibt, in diesem Falle den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) als Patron der Veranstaltung, der schließlich eine erkleckliche Hallenmiete zu bezahlen hat. Es wäre an ihm gewesen, sich auf die ad-hoc-Entscheidung im Interesse seiner "Schutzbefohlenen" nicht einzulassen. Doch er ließ sich willfährig über den Verhandlungstisch ziehen. Es geht ja nur um Senioren/innen. Mit denen kann man's ja machen. Mit einem Spikesverbot für sie ist es nicht mehr weit hin.
Obwohl auf unsere Intervention hin und Einschaltung von DLV-Seniorensprecher Heiko Wendorf (Eisenach) angeblich alle denkbaren Versuche für eine Rücknahme unternommen worden seien, bleibt es nach dessen letzten Information von gestern Abend 20:30 Uhr bei dieser inhaltsleeren, völlig unverständlichen Maßnahme nach Art des Amtsschimmels. Diesmal konnten wir leider nicht helfen.
Hinweis auf einen weiteren DM-Bericht zum gestrigen Auftakt in unserem Fenster Ergebnisse. Jedoch auch von hier aus geht es mit der nachfolgenden Verlinkung direkt zur Online-Ergebnisliste.