DLV hält ungerührt an fragwürdig-anstößigem Bilddokument fest

Kommentar

Unter uns gesagt

(Darmstadt/Krefeld, 15. März 2021)
Beim klassischen Fotoalbum ist es nicht geboten, die Bilder von zwischenzeitlich Verstorbenen zu entfernen. Schließlich dienen sie neben der emotional-gedanklichen auch der optisch-visuellen Erinnerung an dereinst lieb gewesene Menschen wie Vater, Mutter, Geschwister, sonstige Verwandte, Freunde, Sportkameraden*innen und engere Bekannte. Das ist naturgemäß etwas völlig anderes bei einem Online-Medium, hier von einem Sportverband, der sein vermeintlich aktuelles Präsidium via Ansicht buchstäblich ins digitale Schaufenster stellt. Da ist es mitnichten angemessen und opportun, ausgeschiedene Mitglieder oder noch viel weniger Tote weiterhin ungerührt und unreflektiert abzubilden.
Das schert den „Deutschen Leuchtturm-Verband“, alias DLV in Darmstadt, mit selbst ernannter weltweiter Strahlkraft indes einen feuchten Kehricht. Obschon wir aus ungezählten Begebenheiten wissen, dass wir von ihm wahrgenommen werden, hält er ungeachtet unserer Veröffentlichung entgegen besseren Wissens an seinem unzumutbaren, instinkt- und gefühllosen Gebaren fest. Das fragwürdig-anstößige Bilddokument mit dem im November 2020 verstorbenen ehemaligen DLV-Generalsekretär Frank Hensel ist weiterhin online. So sie davon Kenntnis haben – was müssen seine Hinterbliebenen dabei wohl fühlen und denken?
Kübelweise Schimpf und Schande über diese Attrappe von einem Verband!

Umtriebiger Dieter Massin kehrte an seinen früheren "Tatort" zurück

(Ahlen/Krefeld, 14. März 2021) Stillstand wird gemeinhin in allen Lebenslagen als Rückschritt bezeichnet. Und eine zweite dazu passende Redensart: Wer rastet, der rostet. Erst recht bei der vermeintlich herrlichsten Nebensache der Welt: Dem Sport. Beides trifft definitiv nicht auf den multiplen, in der Leichtathletik mit allen nur denkbaren Weihen gesegneten omnipräsenten Wahl-Westfalen Dieter Massin (im Doppelbild) aus Ahlen zu.
Und der EMA-Ehrenpräsident hat seit vorigen November auch immerhin schon satte 80 Lenze, 2.Weltkrieg inbegriffen, auf seiner Lebensuhr (siehe Laudatio). Altersweise ist er schon, aber kein bisschen altersmüde, unverändert umtriebig als „Hans Dampf in gaaanz vielen Gassen“. Dass ihm als dessen Mitglied die Seniorenbewegung im Allgemeinen und in der mittlerweile arg runtergewirtschafteten einstigen olympischen Kernsportart im Besonderen am Herzen liegt, ist aus vielerlei Begebenheiten verbrieft und auch bei uns immer wieder mal Gegenstand der Berichterstattung. Jetzt wieder.

DM: Ein Kürzel das verpflichtet

Denn der Mann mit dem verpflichtenden Kürzel DM (stand mal für die härteste Währung der Welt und weiterhin für Deutsche Meisterschaften) bedient auch das Modewort unserer Zeit: Nachhaltigkeit. Der Jung-Achtziger ist einer der Initiatoren des Ahlener Sportarchivs; richtiger, um es vornehm lateinisch zu formulieren, der Spiritus Rector (Kopf, treibende Kraft). Nun drohte allerdings der bisherige Standort mit über 9.000 Exponaten von anno dazumal aus allen Nähten zu platzen, war guter Rat mit buchstäblich „wohin damit?“ teuer. Kurzum: Er wurde zur doppelten Freude des (Un-)Ruheständlers in den Räumlichkeiten jener  Bodelschwinghschule  gefunden, wo er bis zu seiner Pensionierung den Beruf als Berufung wahrnehmend wonnevoll als Lehrer und Konrektor wirkte. Wenn man dann so will eine Rückkehr an den früheren „Tatort“.
An dieser Stelle klinken wir uns aus, da die „Westfälischen Nachrichten“ aus diesem Anlass gestern einen großen bebilderten Beitrag in ihrer analogen und digitalen Ausgabe veröffentlichten (siehe Link).

Nun ist der höchstzulässige Kugel-Durchmesser auch beim DLV verbrieft

(Darmstadt/Krefeld, 12. März 2021) Es reicht hinsichtlich der nicht unmaßgeblichen und letztlich erfolgreichen Mitwirkung von LAMPIS bis in den November 2016 zurück, was bereits ab 01.Januar 2014 wirksam international beschlossene Sache war: Die Vereinheitlichung des Höchstdurchmessers für Wettkampf-Kugeln aller Männer-Klassen von M20 bis endlos auf 130 Millimeter. Seinerzeit hatte die deutschstämmige Leichtathletik-Ikone Philippa „Phil“ Raschker (*21.02.47) aus Atlanta (USA) im Zusammenwirken mit ihrem Freund Heinz Keck aus Osnabrück mit einem Wink an uns für den Stein des Anstoßes gesorgt. Denn hierzulande wurde die verpflichtende internationale Regel vom Deutschen Leichtathlet-Verband (DLV) nicht umgesetzt (wir berichteten).

Zunächst eine mündliche, nicht belastbare Absichtserklärung

Ohne diese lange Zeit „Unvollendete“ in allen immer und immer wieder von uns veröffentlichten Facetten nach Art des Rindviechs widerzukäuen, konnten wir nach der abermaligen Einschaltung der Senioren-Weltverbandspräsidentin Margit Jungmann (Rehlingen) Ende September 2020 Vollzug melden (siehe Link). Aber: Es handelte sich jedoch letztlich nur um eine mündliche, wohl noch – im grauseligen DLV-Sprachgebrauch – „nicht belastbare Absichtserklärung“ vom damaligen BAS-Vorsitzenden Ralf Hafermann (Ohrdruf).

Sieben Jahre seit Inkrafttreten dauerten Eintrag und Umsetzung

Entscheidend ist schlussendlich die vollzogene Änderung im nationalen Regelwerk beim DLV. Wie hätte es sonst dem Geräte-Kontroletti klar gemacht werden sollen, dass man(n) plötzlich mit einer 4-Kilo-Kugel mit meinetwegen 120 mm Durchmesser auftaucht, wo doch im „falschen deutschen Recht“ nur maximal 110 mm erlaubt sind/waren? Und so dauerte es noch einmal fast sechs Monate, bis es mit einer Fußnote ab M30 Eingang in die deutsche Fassung der IWR (Seiten 179/180) gefunden hat. Augenwischerei ist es, bei dieser Ausgabe 2020-2021 vom Stand 01.November 2019 nicht zu vermerken, von wann die Ergänzung stammt. Da war erwähnter Akt definitiv noch nicht vollzogen! Kurzum dauerte es in Summe mithin sieben Jahre seit dem Inkrafttreten! Österreicher und Schweizer dürfen sich mitfreuen, hängen sie doch am klebrigen deutschen
Fliegenfänger" Darmstädter Prägung.

Online-Bestenliste bedarf noch einer Nachjustierung

Den entsprechenden Eintrag hat übrigens der eifrige Netzwerker und LAMPIS-Leser Holger Knie (*1948) aus Bremerhaven als hell leuchtendes Nordlicht entdeckt. Dank an den ebenfalls kugelstoßenden und profitierenden Mann von der Waterkant! Ovationen an unsere Adresse sind nicht erforderlich, da wir an derlei Beifallsbekundungen gewöhnt sind. Späßle g’macht. Jede/r freut sich über die Anerkennung erfolgreicher Tätigkeit, die in Geschäftsführung ohne Auftrag nicht mal die seinige gewesen wäre. Aber unser Ruf als einzig wahre Interessenvertretung der Senioren/innen mit Außenwirkung und –wahrnehmung sowie Kontrollorgan des DLV (der bald einen Aufsichtsrat installiert) verpflichtet eben. Das hatten wir gerade erst mit der Senioren-Bestenliste in Online-Version. Dies bedarf indes einer Nachjustierung durch den Verband, worauf wir noch zurückkommen werden.

Hoffnungsschimmer: Senioren-DM für Späte Saison im Herbst geplant

(Hamburg/Darmstadt/Krefeld, 13. März 2021) Sieh an! Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) schaffte es gestern um 16:18 Uhr immerhin auf das Internet-Portal des wichtigsten Nachrichten-Organs des öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehens und darüber hinaus: die Tagesschau. Das kann nichts Gutes verheißen. So war’s denn auch. Davon kündete bereits die Überschrift „Leichtathletik-Verband sagt diverse Meisterschaften ab“ der achtzeiligen Meldung. Dies ist ausführlicher auch auf der DLV-Netzseite unter „News“ nachzulesen. Das sind jedoch nicht wirklich alles Neuigkeiten. So wurde das DAMM-Finale im westfälischen Lage bereits frühzeitig gekippt (wir berichteten mehrmals). Doch wenigstens dieser Hoffnungsschimmer, der viele verblüffen, mindestens aber überraschen wird im Original-Wortlaut: „Geplant wird momentan auch die DM Senioren, die im vergangenen Jahr leider ausfallen musste. Aktuell ist man noch auf der Suche nach einem Ausrichter für die Meisterschaft, die für den Herbst diesen Jahres in der Late Season geplant ist.“ Beiläufig erwähnt, dass mir mein schlaues Rechtschreibprogramm das nicht in Anführungszeichen gesetzte Late Season rot unterlegt anmäkerte. DLV-Denglisch für Späte Saison halt.

DLV würde in Chefsache selber (?) einen Ausrichter suchen

Neu ist allerdings ferner, dass der Dachverband aus eigenem Antrieb quasi als Chefsache einen Ausrichter sucht. Das ist zumindest bei nationalen Seniorenmeisterschaften nicht Usus. Da ist er lediglich der Schirmherr, der es auf die Ebene offizieller Titelkämpfe hebt. Obwohl von uns oft und zurecht gescholten, gehört es tatsächlich nicht zu seinen originären Aufgaben, müsste die Initiative zunächst von interessierten Vereinen im Zusammenspiel mit den Seniorenwarten der Landes-/Regionalverbände ausgehen. Wobei allerdings die Formulierung „man“ ebenso vieldeutig wie nichtssagend daherkommt.
Wie LAMPIS im regelmäßigen Austausch mit DLV-Seniorensprecher Heiko Wendorf aus Neustädt in Thüringen erfahren hat, soll es derartige, freilich noch vage Bestrebungen in Niedersachsen geben. Das muss indes andere nicht daran hindern, auch ihren Hut für eine Bewerbung in den Ring zu werfen. Oftmals hält doppelt genäht für eine verbandsseitig geforderte
belastbare Absichtserklärung" (daran kann ich mich einfach nicht satt schreiben) schlichtweg besser. 

Präsident Thomas Bach sieht Olympische (Nachhol-)Spiele nicht gefährdet

Kolumne

Moment mal

(Lausanne/Krefeld, 11. März 2021) Welche höheren Mächte auch immer mögen IOC-Präsident Thomas Bach (im Bild) seinen grenzenlosen Optimismus bewahren. Der 67-jährige Wirtschaftsanwalt und einstige Weltklasse-Fechter aus Tauberbischofsheim erklärte gestern auf der virtuellen Generalversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) von ihrem Sitz in Lausanne aus (sinngemäß aus dem Englischen übersetzt): „Es gibt keinen Zweifel daran ob, sondern höchstens wie die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden werden.“
Diese im doppelten Wortsinne ausgesprochen positive Prognose wird die Sportler der 206 Mitgliedsstaaten von Afghanistan bis Zimbabwe erst einmal freuen. Die im normalen Olympia-Zyklus ursprünglich für das Vorjahr (24.Juli bis 09.August) in der japanischen Hauptstadt vorgesehenen 32.Sommerspiele sind bekanntlich auf den 23.Juli bis 08.August 2021 wegen der die Welt in den Würgegriff nehmende verheerende Coronavirus-Pandemie verlegt worden.

Es hat sich an der unseligen Gemengelage kaum etwas geändert

Aber was hat sich an der unseligen Gemengelage großartig geändert? Außer, dass inzwischen einigermaßen flächendeckend, indes teilweise sehr schleppend (auch in Deutschland), dagegen geimpft wird. Die Infektionszahlen sind jedoch immer noch oder wieder mit stetig irgendwo neuen aufflackernden Krisenherden mit besorgniserregenden Inzidenzwerten (Tschechien 767) sehr hoch. Und wie soll das in einem Mensch gewordenen Ameisenhaufen von 37,5 Millionen in Tokio, wo derzeit der Ausnahmezustand herrscht, etwa 10.000 Sportlern plus all der Offiziellen plus möglicherweise X Zuschauern aus aller Herren Ländern funktionieren? Über das X soll heute beraten werden. Ungeachtet dessen sind nach einer jüngeren repräsentativen Umfrage mehr als die Hälfte der 126,5 Millionen Bürger der Inselnation im Pazifik tendenziell eher gegen eine Ausrichtung dieses sportlichen Völkerfestes in ihrem Land.

Christina Schwanitz spricht sich für eine neuerliche Verlegung aus

Aus nachvollziehbarem Grund: Wie sollen rund 10.000 Sportler in einer Art Blase verbleiben und vom Infektionsrisiko abgeschirmt werden, wo sie doch vom Olympischen Dorf zu den jeweiligen Schauplätzen hin- und hergefahren werden müssen? Unvorstellbar! Aus ethisch-moralischen Gründen ist es zumindest in den meisten demokratischen Ländern nicht möglich über die normale Prioritätenliste hinaus vorzeitig einen „elitären Personenkreis“ zu impfen (lassen wir jetzt einmal die unrühmlichen Beispiele auch hierzulande beiseite). Sie sind streng genommen das letzte Glied in der virologischen Kette der zeitlichen Abfolge.
Weltklasse-Kugelstoßerin Christina Schwanitz (im Bild) hat sich deshalb (?), obwohl es altersbedingt die eigenen Interessen der 35-jährigen Zwillingsmutter konterkariert, im Deutschlandfunk für eine Verlegung auf 2024 ausgesprochen (da wäre allerdings Paris der bereits feststehende Gastgeber). So könne auch die vierjährige Periodisierung eingehalten werden. Nicht ganz, wo doch 2020 fehlt. Den turnusmäßigen Rhythmus haben zwei Weltkriege und zwei Teilboykotts (1980 und 1984) allerdings ebenfalls verhindert. Jedoch: Vorgeschlagen werden kann vieles, entscheiden müssen es letztlich in einem Schulterschluss die japanische Regierung und das IOC. Keine beneidenswerte Aufgabe. Es dürfte das schwierigste Gefecht des „Herrn der Ringe“ werden.

Herr der Ringe für letzte Amtszeit wiedergewählt

Sei noch der guten Ordnung halber erwähnt, dass Thomas Bach, seit 2013 Amts-, Würden- und Bürdenträger, anlässlich dieser digitalen Session bei den Neuwahlen ohne Gegenkandidaten mit 93:1 Stimmen und vier Enthaltungen für vier Jahre bis 2025 wiedergewählt worden ist. Danach kommt er satzungsgemäß für eine neuerliche Kandidatur nicht mehr in Frage. Und das ist gut so, werden manche sagen. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich der höchstranginge Sportfunktionär nicht nur Freunde gemacht hat. Vorgeworfen wird ihm unter anderem, dass er zu sehr die Nähe zu den Mächtigen auf diesem Globus sucht und den olympischen Gigantismus mit monetären Milliarden-Gräbern sowie zahlreich hinterlassenen Bauruinen späterhin ungenutzter vieler Sportstätten nicht einmal ansatzweise zu stoppen vermochte. Auch hier lautet die freilich unbotmäßige Devise: Höher, schneller, weiter! Nicht zuletzt zur wunderbaren Geldvermehrung des IOC mit ständig wahnwitziger werdenen finanziellen Vergaberechten auf allen in Frage kommenden Gebieten.
Baron Pierre de Coubertin (*01.01.1863, †02.09.1937) würde es als Schöpfer der neuzeitlichen Olympischen Spiele mit dem Auftakt 1896 in Athen jedenfalls garantiert gehörig grausen.