Siebenkämpferin Marianne Maier pulverisierte den Kugelstoß-Weltrekord

(Höchst/Krefeld, 29. Mai 2018) Sie wäre fraglos eine Zierde für den Stendaler Hanse-Cup gewesen, die mit 6.218 Punkten aktuelle W70-Siebenkampf-Weltrekordlerin Marianne Maier (*25.12.1942) aus St.Margrethen in der Schweiz. Aber auch so stellte die für Österreich startende Wahl-Schweizerin einen neuen Weltrekord auf. Innerhalb eines Dreikampfes beim Manfred Gonner Gedenkwettkampf am Sonntag im  Vorarlberger Höchst ganz in der Nähe des wahren Mehrkampf-Mekkas Götzis verbesserte die vielseitige 75-jährige „Maierin“ die globale Bestmarke im Kugelstoßen der W75 auf 11,80m. Genauer müsste es heißen – sie pulverisierte ihn mal eben um proppere 70 Zentimeter! Und das bei lediglich drei Versuchen innerhalb dieses Dreikampfes aus noch 50 Meter (8,90 sec.) und Schleuderball (27,89m).

Weltrekord-Doppel Halle und Freiluft

Den bisherigen, seit der Senioren-WM im Oktober 2013 in Porto Alegre (Brasilien) gültigen Freiluft-Weltrekord mit der 2-Kilo-Kugel hielt die Britin Evaun Williams mit 11,10m. Dass M.M., steht also nicht nur für prickelnden Sekt eines deutschen Nobelprodukts, diese Höchstmarke vereinnahmt, kommt freilich nicht sonderlich überraschend. Bereits einen Tag vor Silvester 2017 hatte sich das verhinderte „Christkind“ wenige Tage nach ihrem 75ten bei einem eigens für sie eingerichteten Meeting in Dornbirn mit 11,74m den Hallen-Weltrekord geholt. Den hielt bis dahin mit 11,39m die deutsche Ikone Anne Chatrine Rühlow vom SV Burgsteinfurt.
Und da wir noch recht früh in der Freiluftsaison sind, die Höhepunkte erst noch kommen, ist nicht auszuschließen, dass die kesse Seniorin bei ganzer Konzentration auf das Kugelstoßen eines Einzelwettkampfs womöglich als erste 75-Jährige für die Geschichtsbücher die 12-Meter-Marke knackt.
Redaktioneller Hinweis auf einen ausführlichen Nachdreher vom Stendaler Hanse-Cup im Fenster Ergebnisse.

Beim "Klein-Götzis" im Senioren-Mehrkampf bleiben noch Wünsche offen

Kolumne

Moment mal

(Stendal/Krefeld, 28. Mai 2018)
Nunmehr ist auch die sechste Messe beim Stendaler Hanse-Cup in der Kathedrale mit dem scheußlichen, furchteinflößenden Namen Stadion „Am Galgenberg“ gelesen. Die Macher des Stendaler LV haben ihn sich nicht selber verliehen, lassen sich jedoch gerne mit dem Attribut „Klein-Götzis“ schmücken. Dieser Ruf wurde sehr schnell dadurch begründet, dass hier die Aktiven im Mittelpunkt stehen, in einer ausgesprochenen Wohlfühlatmosphäre von Veranstalterseite alle überhaupt denkbaren Anstrengungen unternommen werden, dass sie bei ihrem Zwei-Tage-Werk im Sieben- und Zehnkampf die bestmöglichen Leistungen abzurufen vermögen. Die Flut von aktuell neun Weltrekorden, Europarekorden und unzähligen nationalen Rekorden im Mehrkampf sowie innerhalb dessen noch in einzelnen Disziplinen belegen das auf eindrucksvolle Weise.

Es gibt auch die matte Kehrseite der Medaille

Aber Klein-Götzis? Beim Original im österreichischen Vorarlberg unweit des Bodensees öffnen sie auch nicht jedem Möchte-gern-Mehrkämpfer die Tür vom Möslestadion. Genau das ist in der Altmark von Sachsen-Anhalt die matte Kehrseite der Medaille: Sie freuen sich über „jede Leistung“, sehen sich nicht „als Rekord-Fabrik“, haben aber, welch ein Widerspruch (man könnte es auch verlogen nennen), „mit Bernd Rehpenning den Experten in Sachen Rekordlisten in unseren Reihen“. Allesamt Zitate auf der Netzseite des Klubs.

 
Insbesondere schlechte Köche verderben den Brei

Ob sie sich wirklich über „jede Leistung freuen“, darf füglich bezweifelt werden. Denn nicht nur viele, vor allem schlechte Köche verderben den Brei. Ohne hier jemanden unter Nennung von Ross und Reiter öffentlich vorführen zu wollen, reicht der Spruch „Dabei sein ist alles“ für ein Meeting mit dem Qualitätssiegel eben nicht aus.
Ein fortgeschrittenes Semester joggt die 400 Meter in 141,36 Sekunden oder 2:21,36 Minuten, tritt über 80m Hürden nur an, um Kleinholz zu vermeiden, und sieht wie selbstverständlich auch das Ziel im abschließenden 1.500-m-Lauf nicht, weil es für seine Zeit vermutlich keine Punkte mehr gegeben hätte. Die Ehrenrunde aller „Könige der Athleten“ hat er schön ausgeruht sicherlich noch mitgemacht.
Darüber sollte für die siebte Auflage einmal nachgedacht werden. Ferner über manche Dinge die Organisation (Org.) betreffend. Einiges kommt da beim „Mehrkampf
event der Seniorenleichtathletik“ (ohne ein bisschen Denglish-Misch-Masch geht’s eben nicht) sehr hemdsärmelig im Aküfi (= Abkürzungsfimmel) der ehemaligen DDR daher.

Wolfgang Ritte liegt bei Halbzeit auf Weltrekordkurs im Zehnkampf

(Stendal/Krefeld, 27. Mai 2018) Es ist eine alte Binsenweisheit mit hohem Wahrheitsgehalt, dass ein Wettkampf kein Wunschkonzert ist. Erst recht ein Zehnkampf, der nun einmal in Theorie wie Praxis zehn Stolperfallen bereithält. Stabhochsprung-Spezialist Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen verfehlte gestern beim 6.Stendaler Hanse-Cup im Stadion „Am Galgenberg“ in zwei der fünf Disziplinen seinen Marschplan (wir berichteten) auf dem Weg zum angestrebten neuen Zehnkampf-Weltrekord der M65 (bisher 8.205 Punkte). Da er ihn aber anderseits dreimal übertraf, liegt er bei Halbzeit mit formidablen 4.406 Punkten per Saldo 50 Zähler über dem von ihm selber ermittelten Soll. Allerdings gilt es hier den ersten Tag nicht vor dem zweiten Abend zu loben. Ohne unken zu wollen, könnten die Langwürfe mit Diskus und Speer zu einer Klippe werden, die der 65-jährige Alleskönner auf der Hatz nach dem geglückten Stabhochsprung-Weltrekord der M65 (4,05m) überhaupt nicht trainiert hat. Seine Einzelleistungen des ersten Tages, in Klammern die angepeilten Werte: 100 m 13,10 sec. (13,29), Weit 5,15m (5,20), Kugel 11,42m (11,60), Hoch 1,51m (1,50), 400 m  65,98 sec. (67,00).
Für uns in Unkenntnis seines Leistungsvermögens nicht einzuschätzen, ob der hoch gehandelte Lette Valdis Cula (*1948) mit seinen 4.086 Punkten ebenfalls auf Weltrekordkurs in der M70 (7.943P von Rolf Geese) liegt. Bekannt ist allerdings, dass er als aktueller Hallen-Europameister von Madrid wie Ritte überdurchschnittlich gut mit dem Stab (3,20m) umzugehen vermag.
Alle Ergebnisse von gestern unter diesem Link.

Top-/Eil-Meldung: Valdis Cela als erster 70-Jähriger über 8.000 Punkte

(Stendal/Krefeld, 27. Mai 2018, 18.30 Uhr) Wenngleich sie sich nicht als „Rekord-Fabrik“, sondern als Eldorado für den Mehrkampf der Senioren/innen definieren, was sich bei der Flut von nationalen und internationalen Bestmarken locker behaupten lässt, gab es bei der sechsten Auflage des Stendaler Hanse-Cups (SHC) gestern und heute Weltrekord Nummer neun. Einen historischen dazu. Der Lette Valdis Cela (*1948) schaffte als erster 70-Jähriger den 8.000er Gipfel, steigerte mit 8.142 Punkten die von Rolf Geese (*1944) von der LG Göttingen 2016 am selben Schauplatz aufgestellte globale Höchstmarke der M70 (7.943 P.) gleich um satte 199 Zähler. Grandios!
Dabei schienen dem Mann aus dem Baltikum nach einem für seine Möglichkeiten unterbelichteten Diskuswurf von 30,55m alle Felle davon zu schwimmen. Doch nach einem überragenden Stabhochsprung-Ergebnis von 3,30m witterte er wieder Morgenluft. Gecoacht von seinem Landsmann Dainis Kula, dem Speerwurf-Olympiasieger von 1980, verbesserte er sich im Speerwurf um rund fünf Meter  auf 33,84m und lag dadurch vor dem abschließenden 1.500-m-Lauf wieder auf Weltrekordkurs.

Timo Ritte zeigte großen Sportgeist

Timo Ritte (geb. Stolle) vom SC Bayer 05 Uerdingen leistete ihm selbstlos Schrittmacherdienste. Als nämlich dessen Schwiegervater Wolfgang Ritte (*1953) wegen einer zu hohen Sauerstoffschuld (er hat zu wenig rote Blutkörperchen) aufgeben musste, spannte sich Timo eineinhalb Runden vor Schluss vor den Karren von Cela und führte ihn beim Marathon der Mehrkämpfer in 6:25,93 Minuten über die Ziellinie.
„Der Name Ritte spricht nicht nur für Qualität, der Name Ritte spricht auch für gelebten Sportgeist", lobte EMA-Ehrenpräsident und SHC-Mitinitiator Dieter Massin (Ahlen) bei der Siegerehrung den uneigennützigen Einsatz des 37-jährigen Wahl-Uerdingers aus Moers. Schließlich hätter er für sein eigenes Endergebnis in der M35 wesentlich schneller laufen können.
Alle Resultate später unter diesem Link und weitere Berichte vom Klein-Götzis der Ü30-Generation morgen in dieser Spalte sowie im Fenster Ergebnisse.

Behält der Stendaler Hanse-Cup seinen Nimubs als Weltrekord-Festival?

(Stendal/Krefeld, 26. Mai 2018) Hält der Nimbus? Seit der Premiere des Stendaler Hanse-Cups im Jahre 2013 gab es stets mindestens einen Weltrekord in den Mehrkämpfen oder in einer seiner Disziplinen. Insgesamt sind es derer jetzt acht an der Zahl. Das allein ist schon für sich gesehen eine ganz besondere Höchstmarke. Beispiellos! Aber dieses Meeting lässt sich nicht auf nationale und internationale Bestmarken reduzieren. Es hat sich auch vom ganzen Drum und Dran rasend schnell den Ruf des Klein-Götzis (das Original in Vorarlberg/A findet ebenfalls an diesem Wochenende statt) unter den Königen und Königinnen der Athleten erworben. Und die nunmehr sechste Auflage heute und morgen im bestens herausgeputzten Stadion „Am Galgenberg“ der alten Hansestadt verspricht von den Namen mit Rang und Klang wieder erstklassigen Sport der Ü30-Generation.

Geraldine Finegan aus Irland startet im Zehnkampf

Und ein Weltrekord liegt buchstäblich in der Luft. Allerdings muss dafür die tranfunzelige WMA-Statistikerin Sandy Pashkin aus Eugene (USA) nicht ihren Bleistift spitzen. Denn es war keinesweg ein Versehen in der Meldeliste (wir berichteten), dass die als ein wenig „schräg“ beschriebene Geraldine Finegan (W50) aus Irland den Zehnkampf bestreiten will. Den Wettbewerb gibt es bekanntlich bei den Frauen nicht. Chef-Organisator Siggi Wille (im Bild) machte sich vorher bei Regel-Experte und LVP-Vizepräsident Dieter Tisch (Ludwigshafen) kundig, ob die extrovertierte Dame von der grünen Insel, auf der es mehr Schafe als Menschen geben soll, starten dürfe. Sie darf. Natürlich außer Konkurrenz und das zudem konkurrenzlos. Ein Spektakel für sich am Rande einer Zirkusnummer.

Wolfgang Ritte legte uns seinen Marschplan offen

Allerdings gibt es auch seriösere Vorhaben. Stabhochsprung-Überflieger Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen wird auf den Spuren von 2014 wandeln. Da stellte er mit 8.123 Punkten einen neuen Weltrekord im Zehnkampf der M60 auf. Nun will er den hochkarätigen in der M65 (8.205) angreifen. Das indes diesmal im Hinblick auf seiner Jagd nach der 4-Meter-Marke mit dem Stab ohne großartiges Spezialtraining in den neun anderen Disziplinen. „Es wird sehr, sehr schwer. Aber es ist nicht aussichtslos“, erzählte er im Gespräch mit dem Chronisten. Dazu ließ er sich in seinen auf 8.210 Punkte ausgerichteten Marschplan für das Zwei-Tage-Werk schauen: 100 m 13,29 sec., Weit 5,20m, Kugel 11,60m, Hoch 1,50m, 400m 67,00 sec.; 100 m Hürden 16,10, Diskus 35,00m. Stab 3,80m, Speer 34,00m, 1.500m 7:30 Minuten.

Lette Valdis Cela nun kein Geheimtipp mehr für einen Weltrekord

Und noch etwas fügte er in seiner nicht gespielten Bescheidenheit und Bodenständigkeit an: „Die Leute sollten weniger auf mich, als auf Valdis Cela aus Lettland schauen. Dem traue ich nach meinen Beobachtungen von der Hallen-EM in Madrid einen Weltrekord in der M70 zu!“ Den stellte übrigens im Mai 2016 Rolf Geese (*1944) von der LG Göttingen mit 7.943 Punkten in Stendal auf.
Neben den beiden herausragenden Mehrkampf-Ereignissen gibt es auch darüber hinaus ein Schaulaufen der Asse. So hat LAMPIS exklusiv erfahren, dass die deutschstämmige US-Amerikanerin Phil Raschker (*1947) aus Atlanta nach jahrelanger Wettkampf-Abstinenz ein Comeback in einer uns leider nicht bekannten Einzeldisziplin geben will. Und die gleichaltrige „Miss Germany“ der Laufbahn, die Weltrekordlerin über 100 und 200 Meter der W70, Ingrid Meier (im Bild) vom LAC Quelle Fürth, ist nach einer wesentlich kürzeren schöpferischen Pause im Dreikampf (100m, Weit, Kugel) mit von der Partie.
Alle Informationen unter diesem Link.