Sportsch(l)au: Mythen zu Muskeln und Muskelaufbau auf dem Prüfstand

(Köln/Krefeld, 23. Januar 2019)  Es kursieren eine Menge Sportirrtümer, die so lange kolportiert und transportiert werden, dass sie irgendwann Mythenstatus erlangen, also für bare Münze genommen werden. Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse (im Bild) von der Deutschen Sporthochschule Köln, früherer Klasse-Sprinter beim einstmals ruhmreichen ASV Köln, nimmt sich derartiger Vorurteile im WDR2-Hörfunk und ARD-Morgenmagazin unter der Rubrik „Sportsch(l)au“, anderen Publikationsmedien sowie seiner eigenen Netzseite an. Mit seiner freundlichen Genehmigung werden wir in loser Folge diese Beiträge veröffentlichen, wobei wir aus Platzgründen gelegentlich den Sinn wahrende Kürzungen vornehmen. Das ist nunmehr das 106. Kapitel zu diesem Themenkomplex, das für Sportler, aber auch „Normalos“ niemals an Aktualität verlieren wird. Dieses Mal jedoch nicht als Textbeitrag, sondern zur Abwechselung mit Bild und Ton unter diesem Link. Dabei geht es um Mythen auf dem Prüfstand zu Muskeln und Muskelaufbau. 

Woran liegt's: Hallen-WM in Polen übt keine große Anziehungskraft aus

(Torun/Krefeld, 22. Januar 2019) Vorausgeschickt: Masse bedeutet nicht gleich Klasse. Aber Veranstalter von internationalen Meisterschaften schmücken sich in der normenfreien Komfortzone mit vielen Sporttouristen nun einmal liebend gerne mit hohen Teilnehmerzahlen. Denn süßer die Kassen ansonsten nie klingeln. Schließlich will solch ein Großereignis finanziert werden, sind etliche Offizielle aus aller Herren Kontinente und Länder als VIP’s aus diesem Honigtopf der erklecklichen Startgelder zu bedienen. Genau eine Woche vor Meldeschluss (29.Januar) der Hallen-Weltmeisterschaften mit Winterwurf vom 24. bis 30.März 2019 im polnischen Torun kann mit Sicherheit konstatiert werden, dass es mit den hochfliegenden Plänen des Lokalen Organisationskomitees (LOC) eines neuen Melderekords um die 4.000 Startwillige nichts wird.

Ausgerufener Melderekord wird deutlich verfehlt werden

Bislang haben 2.307 Athleten/innen aus 69 Nationen (Stand bei Einstellung dieses Beitrages; gilt für alle weiteren Zahlen zur WM) ihre mehr oder weniger noble Visitenkarte abgegeben (siehe Link). Obwohl der Vergleich natürlich hinkt, da es bei einer Freiluft-WM in aller Regel immer weitaus mehr zu sein pflegen, waren es im vorigen Spätsommer in Málaga 8.197, darunter 614 Deutsche. Ziehen wir also die Hallen-EM 2015, ebenfalls in Torun, heran, die von allen (uns auch) ob der tollen Anlagen und der hervorragenden Organisation über den grünen Klee gelobt worden ist: Da waren es bei kontinentalen Titelkämpfen 2.104 Gemeldete aus 36 von 51 möglichen Nationen. Hallen-Rekordhalter ist die EM 2018 im spanischen Madrid mit 3.844.

Selbst die Gastgeber üben sich in vornehmer Zurückhaltung

Was uns lehrt, dass Polen augenscheinlich nicht die ganz große Anziehungskraft auszuüben vermag. Selbst die Gastgeber als ausgewiesene Leichtathletik-Nation üben sich bei bisher 457 Nennungen in vornehmer Zurückhaltung. Da werden es bei nationalen Meisterschaften garantiert mehr sein. Die Germanen, bekanntermaßen ein reise- und wettkampflustiger Volksstamm, folgen mit übersichtlichen 253 Gemeldeten knapp vor Großbritannien (252) sowie deutlich vor Spanien (143) und Frankreich (113) in der „Beliebtheitsskala“ auf dem zweiten Rang. Die US-Amerikaner werden als derzeit Sechster (112) vor Italien (100) trotz verlockender Zuschüsse ihres Verbandes (wir berichteten) ihr Ziel von 300 Masters und Rang drei nach Medaillen in der Nationenwertung klar verfehlen.
Das ist alles in allem noch vor dem ersten Wettbewerb ein heftiger Schlag ins Kontor der zweifellos sehr engagierten Macher.

Kugelstoßer Andy Dittmar steigerte eigenen deutschen Rekord auf 18,08m

(Erfurt/Krefeld, 20. Januar 2019) Irgendwann werden auch sehr fantasiebegabten Zeitzeugen die Superlative ausgehen bei diesem Muster an Beständigkeit auf extrem hohem Niveau. Aber auch, dass ihn über ein Vierteljahrhundert nicht mal ein simpler Erkältungsinfekt einbremste und am Wettkampf hinderte. Kugelstoß-Ausnahmeerscheinung Andy Dittmar (Foto siehe Beitrag vom 18.Januar) von BiG Gotha gewann gestern bei den Thüringer Landesmeisterschaften in der Erfurter Leichtathletik-Halle am Steigerwaldstadion seinen 51.Titel bei den Männern hintereinander! Freiluft selbstverständlich eingerechnet. Eine derartige Monsterserie des noch oder schon 44-Jährigen mit dem sehr späten Verfallsdatum sucht ihresgleichen und wird sie nicht finden. Das ist der ganz normale Wahnsinn. Da staunt der Laie und selbst der Fachmann wundert sich.

Tagesbestweite mit blitzsauberer Serie untermauert

Aber seinem Markenzeichen und Gütesiegel entsprechend beließ es Big-Andy natürlich nicht bei der Fortschreibung seiner gewaltigen Titelsammlung in immer ein und derselben Disziplin. Er steigerte zudem seinen erst vorige Woche am gleichen Schauplatz aufgestellten deutschen Senioren-Rekord der M45 (17,86m) um 22 Zentimeter auf 18,08 Meter. Da wäre sie also wieder, die obligatorische 18 vor dem Komma, unter der er es seit Jahren nicht macht. Manifestiert wurde die abermals im zweiten Versuch erzielte Tagesbestweite durch eine blitzsaubere Serie von 17,50, 18,08,17,94, 17,86, x, 17,58m. Einfach gigantisch, fast schon galaktisch.
Aber selbst das wird höchstwahrscheinlich nicht das Ende der Kletterstange gewesen sein. Schließlich schreiben wir erst den 20. Januar.

Ziemlich schlecht bestellt um Kugelstoß-Nachwuchs für Ü30-Generation

(Erfurt/Leverkusen/Krefeld, 21. Januar 2019) Es ist ziemlich schlecht bestellt um den Kugelstoß-Nachwuchs für die Senioren/innen von morgen und übermorgen. Sofern sie bis dahin überhaupt gelangen. Das offenbarten zumindest die Verbandsmeisterschaften von Thüringen und dem Nordrhein. Bei den erstgenannten Titelkämpfen in Erfurt waren in der Männer-Klasse drei gemeldet, zwei traten an, einer davon war Andy Dittmar aus der M45 (wir berichteten), der mit Riesenvorsprung von 4,59 Meter vor einem 22-Jährigen gewann. Immerhin bewarben sich vier Altersgemäße bei den Frauen um Meisterehren. Aber vom zweiten Platz (9,99m) an herrschte nur noch Sportabzeichen-Niveau.

Zwei Senioren auf Medaillenrängen bei den Männern
  
Ein wenig besser sah es in Leverkusen beim freilich auch größeren Leichtathletik-Verband (LVN) aus. Allerdings wäre der Wettbewerb der Männer mit acht Teilnehmern ohne die vier Senioren letztendlich auch eine recht traurige Vorstellung geworden. Weiteres Armutszeugnis für das Quartett aus der Ü20: Nur einer kam vorne mit ausgesprochen bescheidenen 14,50m durch, die Plätze zwei bis vier gingen weitenmäßig in unmittelbarer Nachbarschaft an Niels Depner (M45;13,83m) von SuS Dinslaken, Sven Rocho (M35;13,73m) von der LG Meckenheim und Markus Follmann (M45;13,47m) vom LT DSHS Köln. Dagegen waren die acht Frauen buchstäblich unter sich, die Hälfte davon vom Gastgeber. Das Niveau allerdings an nationalen Maßstäben gerechnet eher gleichermaßen dürftig. Mehr dazu unter diesem Link.

Wenig Masse und Klasse bei „ewigen Talenten“ in Thüringen

Nicht vom Hocker rissen einen gestern bei wenig Masse und Klasse die Resultate der wirklichen Senioren/innen in der thüringschen Landeshauptstadt. Nennenswert die 13,00m von Thomas Riebel vom LSV Schmölln in der M55 und die im letzten Versuch erzielten 12,22m der von Dittmar trainierten Carmen Hildebrandt vom Ohrdrufer LV in der W50.
Der erste Eindruck täuscht, dass sie beim TLV Online-Ergebnisliste können. Bei den gemeinsamen zweitätigen Meisterschaften ab  U12 geht spätestens bei den „Oldies“ der branchenübliche wilde SELTEC-Mix wieder los.

Traurige Kunde: Manfred Buchmüller ist Dienstag 75-jährig verstorben

(Wuppertal-Ronsdorf/Krefeld, 19. Januar 2019) Es gibt eine ganz bestimmte Begebenheit, die selbst in über 50-jähriger Tätigkeit als Sportjournalist trotz unausbleiblichem Wiederholungscharakter nie zur Routine wird: Der Nachruf über einen verstorbenen Menschen. Erst recht, wenn es sich obendrein um den buchstäblich letzten Freundschaftsdienst handelt, bei dem eine große persönliche Betroffenheit hinzukommt. Die sicherlich auch traurige Kunde für die unzähligen Sportkameraden, die ihn mehr oder weniger gut gekannt haben: Der speziell bei den Senioren ehedem bis hin zu Weltmeister-Ehren außerordentlich erfolgreiche Kugelstoßer Manfred Buchmüller (*16.04.1943) ist am vergangenen Dienstagabend nach über vierwöchigem stationären Aufenthalt in einem Wuppertaler Krankenhaus im 76.Lebensjahr an Nierenversagen verstorben.
Als ich zuletzt etwas über meinen weit über den Kugelstoßring hinaus langjährigen Freund geschrieben habe, war es mit der Laudatio zu seinem runden eckigen Geburtstag ein überaus erfreulicher Anlass (siehe Link). Darin ein wenig mehr zu seiner Vita.
„Manni“, wie er von seinen Verwandten, Freunden und näheren Bekannten genannt wurde, hinterlässt seine zweite Ehefrau Hilde Beyers und den 42-jährigen Sohn Markus aus erster Ehe. Seine ultimativ letzte Reise tritt er am 04.Februar 2019, 12 Uhr, bei der Urnenbeisetzung auf dem Friedhof Ronsdorf, Lüttringhauser Straße 68, an.