Heutiger kalendarischer Frühlingsanfang sollte Zuversicht verbreiten

(Krefeld und die Nation, 20. März 2021) Lassen wir an dieser Stelle heute mal allen Müll beiseite, richten uns nebenbei an einem wahrhaftigen und nicht selbst ernannten Leuchtturm mit angeblich weltweiter Strahlkraft aus. Na, ihr wisst schon! Denn zuerst beginnt um exakt 10:37 Uhr der kalendarische Frühling. Der sollte selbst in Zeiten wie diesen der verflixten Corona-Apokalypse ein paar Glückshormone (gerne auch andere) freisetzen. Die Tage werden länger, die Sonneneinstrahlung nimmt zu. Mehr Licht wirkt sich wissenschaftlich erwiesen günstig auf die Stimmungslage aus und vertreibt den Winter-Blues. Tanken wir also alle zusammen mit der Sonne nicht nur Vitamin D, sondern auch ein Plus an Zuversicht.

Hanse- und Universitätsstadt Rostock ein leuchtendes Beispiel

Dazu sollten sich all jene, die es dringend nötig haben, an der überaus vernünftigen, rücksichtsvollen Bevölkerung, für die Gemeinwohl kein Fremdwort ist, und dem umsichtigen Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen der Hansestadt Rostock an der Ostsee ein leuchtendes Beispiel nehmen. Die haben im Ortsteil Warnemünde auch einen echten Leuchtturm. Beim OB, parteilos und gebürtiger Däne, ist der zweite Vorname gewissermaßen Programm. Mit klugen, schnell umgesetzten und nötigenfalls angepassten Entscheidungen hat es die vom 48-jährigen einstigen Unternehmer gesteuerte Verwaltung im Zusammenspiel mit den immerhin 209.000 Einwohnern der Universitätsstadt geschafft, durch alle Corona-Wellen seit nunmehr einem Jahr weitgehend unbehelligt unten durch zu schwimmen.

Aktueller Inzidenzwert liegt bei 22,9

Obwohl die Inzidenzwerte ringsherum erneut durch die Decke gehen, liegt er in Rostock aktuell bei 22,9. Wer bietet in dieser Größe einer Kommune weniger, wo die 100er-Marke bereits massenhaft geknackt worden ist oder es sehr bald wird? Das hat die Stadtväter ermutigt heute (Beginn 14 Uhr) im Drittliga-Heimspiel vom Tabellenzweiten Hansa Rostock gegen den Hallescher FC (Elfter) mit einem Schnelltest und Maske 777 Zuschauer, ausnahmslos einheimische Dauerkarten-Inhaber, im Ostseestadion zuzulassen.
Nicht nur Fußball-Deutschland wird gebannt und gespannt auf dieses Pilotprojekt schauen. Möge es gutgehen, damit die Lebensfreude, nicht der Leichtsinn, allenthalben und allerorten zunimmt. Es ist dringend erforderlich.

Hallen-EM grandios schiefgelaufen: Ein "Sportevent als neuer Hotspot"

(Torun/Krefeld, 19. März 2021) Wahrlich kein Grund zu frohlocken. Mit der Mutmaßung, eher eine verlässliche Prognose, in unserer gestrigen Kolumne lagen wir leider goldrichtig, dass es sich bei den Corona-Infektionen anlässlich der Hallen-EM in Torun lediglich um die Spitze des Eisberges gehandelt habe. Inzwischen sickerten weitere Horrormeldungen durch. Der beileibe nicht auf Krawall gebürstete, seriöse Nachrichtensender n-tv titelte gestern mit der Überschrift „Schreckensszenario wahr geworden: ,Leichtathletik-Ischgl‘ als Olympia-Schock“  in einem kritischen, fast schon sarkastischen Beitrag (siehe Link), dass neben den Niederlanden (mittlerweile 9 Fälle) und Deutschland (7) auch Italien (15) sowie Großbritannien (10) betroffen wären.
Mittlerweile seien bis gestern Mittag mehr als 50 Infektionen aktenkundig geworden. Schwerlich vorstellbar, dass ausgerechnet Gastgeber Polen mit der größten Anzahl von Aktiven und erst recht Offiziellen verschont geblieben sein soll. Da werden unliebsame Dinge allerdings gerne mal vertuscht, und andere osteuropäischen Länder schnüren mit Geheimhaltung einen falsch verstandenen Solidarpakt. Rühmliche Ausnahme die Ukraine, die laut
Süddeutsche Zeitung" (SZ) vier Fälle protokollierte. Die SZ nennt auch Frankreich (6) und weitere Nationen ohne Mengenangabe.

Und was passierte bei den "Open Polish Masters"?

Obwohl sich Späße in diesem Zusammenhang verbieten, die Zeiten im Jahr zwei dieser vermaledeiten Seuche jedoch schon ernst genug sind, zitieren wir ohne uns die Tastaturfinger schmutzig zu machen nahezu wortgetreu ein ironisch-satirisches Bonmot aus dem n-tv-Text im Internet: „Für das DLV-Team reicht es selbst in dieser traurigen Nationenwertung nicht mal aufs Podest.“ Im echten Zerrbild des Medaillenspiegels war es Rang 16 knapp vor dem „Giganten“ Aserbaidschan.
Da können die reise- und wettkampflustigen Germanen geradezu von Glück sagen, eine Woche nach der EM bei den Offenen Polnischen Hallen-Meisterschaften der Ü35-Generation nicht am selben Schauplatz gewesen zu sein. Denn dass dort in der viren-geschwängerten Hallenluft alles koscher geblieben ist, gehört garantiert in den Bereich von Märchen aus Tausendundeine Nacht. Doch die Senioren*innen unter den Leichtathleten sind schlichtweg nicht interessant genug, als dass darüber berichtet würde.

Mariusz Walczak warf beim Rahmenwettbewerb neuen M-50-Weltrekord

(Torun/Krefeld, 17. März 2021) Bisweilen steckt der Teufel im Detail. Es gab einige Irrungen und Wirrungen um unseren gestrigen Beitrag bei dem von Mit-Organisator Jerzy Krauze gelieferten Text von den offen ausgeschriebenen 30. Polnischen Hallen-Meisterschaften der Ü35-Generation in Torun. Darin erwähnte er noch einen zweiten Weltrekord im Gewichtwurf der M50. Da die Verpackung gerne Gastautoren liefern können, ich aber als redaktioneller Betreiber meines Online-Mediums schlussendlich für den richtigen Inhalt verantwortlich bin, habe ich nach gutem journalistischen Brauch die Datenlage überprüft. Die Online-Ergebnisliste gab jedoch lediglich eine Weite von 21,95 und nicht 23,75 Meter her. Also werde ich nicht vorbehaltlos einen Weltrekord vermelden, der sich nicht im offiziellen Dokument widerspiegelt. Selbst wenn es anderswo verlautbart wird. Es wäre nicht das erst Mal, dass irgendwer irgendwo was Falsches abschreibt und sich das wie ein Flächenbrand verbreitet. Fake News" im DLV-Deutsch.

EMA-Ehrenpräsident Dieter Massin hakte nach

Da es aber auch der vermittelnde EMA-Ehrenpräsident Dieter Massin genauer wissen wollte, hat er bei seinem früheren polnischen Amtskollegen Krauze via E-Mail nachgefragt. Der brachte Licht ins Dunkel. Dessen Landsmann Mariusz Walczak hatte anlässlich der Titelkämpfe in der Toruner Halle tatsächlich jene 21,95m geworfen. Die bereits genannten 23,75m indes während der „Indoor Masters“ in einem Rahmenwettbewerb bei einer Abendveranstaltung mit einem handverlesenen vierköpfigen Personenkreis in einer Traglufthalle etwa zehn Kilometer von Torun entfernt. Dazu liegt uns die verlinkte Wettkampfliste vor. Demzufolge handelt es sich um einen neuen M-50-Weltrekord, den bislang der Brite Stephen White mit 22,10m gehalten hat. „Nur“ Schauplatz und Anlass waren andere. So viel Ordnung sollte allerdings schon sein.

Es kann sie doch geben – die „alternativen Fakten“
 
Was lernen wir nun daraus? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Und: Es gibt sie unter ganz bestimmten Voraussetzungen eben doch, die vom ex-präsidialen Schandmaul Donald „Duck“ Trump aus den USA erfundenen „alternativen Fakten“. Denn beide Male war es Gewichtwurf und Walczak jeweils der Hauptdarsteller.
Und wem es mangels eigener Wettkampf-Aktivitäten in ziemlich trostlosen Zeiten wie diesen mal so richtig langweilig werden sollte, der kann sich am Stück oder in selbst bestimmten Appetithappen nach der kurzen Werbung ein fast fünfstündiges Video vom Festival der 642 Senioren*innen aus sieben Nationen anschauen (siehe Link).

Sieben Personen im DLV-Tross nach Hallen-EM Corona-positiv

Kolumne

Moment mal

(Torun/Darmstadt/Hilversum, 18. März 2021)
Es wäre ja auch zu schön gewesen um wahr zu sein, dass ausgerechnet die Leichtathletik Neuseeland (Inzidenzwert 0,5) und in Europa - noch - Mallorca (21) gleich in Sachen Corona eine Insel der Glückseligen wäre. Nun wird teelöffelweise bekannt, und das ist wie zumeist nur die Spitze des Eisberges, dass es auch bei der Hallen-EM vom 04. bis 07.März 2021 im polnischen Torun Neuinfektionen unter Aktiven und Offiziellen gegeben hat. Ein infizierter leibhaftiger Wanderpokal reicht eben, um bei solch einer Massenveranstaltung (allein 733 Teilnehmer) eine Kettenreaktion auszulösen.

Namen werden geheim gehalten

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mit selbst ernannter weltweiter Strahlkraft (erhält jetzt eine neue Deutung) berichtet gestern auf seiner Netzseite, dass aus dem Tross von 48 Startern und 19 (!) Betreuern sieben Personen bei Corona-Nachkontrollen hierzulande positiv auf das Virus getestet worden seien. Mit Hinweis auf die ärztliche Schweigepflicht werden keine Namen genannt. Da sind sie in professionelleren Sportarten wie Fußball (unter anderem Müller, Goretzka) und Ski-Springen (Geiger, Kraft) sowie in der hohen Politik-Szene (Merkel, Macron, Trump) nicht so pingelig. Denn: Namen sind Nachrichten und haben bei den vielen restlos durchgeknallten Corona-Leugnern eine abschreckendere Wirkung als durch eine Anonymisierung.

Acht Infizierte im Team der Niederlande

Unsere westlichsten Nachbarn blieben bei der EM ebenfalls nicht verschont. Der Radio-/Fernsehsender NOS meldet in seinen Nachrichten und seinem Internet-Portal gar acht Geschädigte der erfolgreichsten Nation in Polska. Die Niederländer hätten sicherlich liebend gerne darauf verzichtet, auch diese negative Wertung anzuführen. Wobei nach dem erwähnten Eisberg-Prinzip garantiert längst nicht alles bekannt und manches mit dem Mantel des Stillschweigens zugedeckt wird.

Sport treiben oder gesund bleiben

Die Moral von der traurigen Geschicht‘: So lange durch flächendeckende Impfungen keine Herdenimmunität hergestellt ist, werden Veranstaltungen aller Art, also auch im Sport, ein erhöhtes Gesundheitsrisiko in sich bergen. Olympische (Nachhol-)Spiele in Tokio passé und adé?
Was machen wir uns da noch die Köpfe heiß für die sportliche Bewegungstherapie von Senioren*innen im Wettkampf-Modus? Da trifft der sarkastische Spruch „Sport treiben oder gesund bleiben" ausnahmsweise mal zu!

Polen hat in Zeiten wie diesen auch ein Herz für die Masters

(Torun/Tscheljabinsk/Krefeld, 16. März 2021)  Wo ein Wille, da ist selbst in Zeiten wie diesen der vertrackten Corona-Seuche anders als hierzulande auch bei der Ü35-Generation ein Weg. Dazu müssen wir ein wenig neidisch gen Osten schauen. Die Polen machten es uns am vergangenen Wochenende mit ihren offen ausgeschriebenen „Indoor-Masters“ am bewährten Schauplatz in Torun vor. Dankenswerterweise stellte uns der polnische Masters-Vizepräsident Jerzy Krauze einen kurzen Beitrag mit entsprechender Verlinkung der Online-Ergebnisliste zur Verfügung.
Aber nicht nur dort war für die ewigen Talente von gestern und vorgestern ordentlich Betrieb unterm Hallendach. Die ungerechtfertigt in Sippenhaftung genommenen und von internationalen Wettkämpfen ausgesperrten russischen Senioren*innen hatten gleichzeitig in der 1,2-Millionen-Einwohner-Stadt
Tscheljabinsk in der Ural-Region ihre Titelkämpfe.  Diesbezüglich versuchen wir durch Vermittlung des immer noch bestens vernetzten EMA-Ehrenpräsidenten Dieter Massin aus Ahlen den Kontakt zu einem ihm bekannten, der deutschen Sprache einigermaßen vertrauten russischen Korrespondenten für einen Beitrag bei uns herzustellen. Schaun mer mal.

Aneta Lemiesz stellte in 54,80 famosen 400-m-Weltrekord bei der W40 auf
  
Ungeachtet aller Einschränkungen und Auflagen die mit dem Corona-Virus in Zusammenhang stehen, wurden eine Woche nach der Hallen-EM der kontinentalen Elite der Männer/Frauen an selber Stelle die 30.Offenen Polnischen Meisterschaften ab M/W35 ausgerichtet. Sie lockten insgesamt 642 (!) Sportler*innen an. Unter den vorwiegend heimischen Aktiven befanden sich auch Gäste aus Griechenland, Schweden, Weißrussland, Luxemburg, der Ukraine und sogar dem 4.260 Kilometer entfernten Kasachstan.
Herausragend der Hallen-Weltrekord durch Aneta Lemiesz (*17.01.81) aus Warschau in famosen 54,80 Sekunden über 400 Meter der W 40. Die bisherige, bereits 13 Jahre alte globale Bestmarke (56,15) der Französin Barbara Aknin steigerte sie mal eben um satte 1,35 Sekunden. Denkbar knapp am Weltrekord vorbei schrammte der Warschauer Mariusz Walczak (*27.02.1971) mit 21,95 Meter im Gewichtwurf der M50.
Lediglich 15 Zentimeter fehlten ihm an der Rekordleistung von 22,10m des Briten Stephen White aus 2014. Eine ebenfalls internationale Galavorstellung bot Mattias Sunneborn (*1970) aus Schweden mit 52,30 Sekunden über 400 Meter der M50. Es wurde kolpertiert, dass er mit der Verbesserung des Weltrekordes (51,73) von Roland Gröger aus Berlin geliebäugelt habe. Alle Resultate unter diesem Link. Jerzy Krauze