Beim DLV gehört einiges auf den Prüfstand um DM-Ausrichter zu finden

Kolumne

Moment Mal

(Darmstadt/München/Krefeld, 28. Oktober 2019)
In Zeiten wo der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in Darmstadt mit immer mehr Regularien für die Durchführung einer Meisterschaft in Erscheinung tritt, wird es zwangsläufig zunehmend schwieriger einen adäquaten Ausrichter zu finden. Der schlagende Beweis, dass alle fünf großen nationalen Titelkämpfe der Senioren/innen für 2020 noch vakant sind (wir berichteten). Ein potentieller Veranstalter muss sich heute mit mehr als 20 Seiten Anforderungsprofil und einem von lokaler Werbung befreiten Stadion auseinandersetzen, wofür schließlich Verträge bestehen. Zudem erwartet der Dachverband, dass auf Kosten der Organisatoren mehrere DLV-Funktionäre eingeladen werden. Des Weiteren müssen ihm Räumlichkeiten oder Plätze für die Vermarktung seiner Sponsorenartikel zur Verfügung gestellt werden.

Absurdes Anforderungsprofil am Bedarf vorbei

Wenn man sich das verkürzte Anforderungsprofil der so genannten „Team-DM Senioren“ vom 27.Mai 2011 auf der Verbandsnetzseite anschaut, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Für die Abwicklung dieser Mannschaftsmeisterschaften, wie zuletzt das DAMM-Finale 2019 im Münchner Dantestadion, sind unter anderem 90 Hürden plus zwei Transportwagen, 16 Startblöcke mit Lautsprecher, eine Speerwurfanlage, acht Rundbahnen und zwei Räume zur Dopingkontrolle erforderlich. Hürdenlauf ist bei der DAMM so wenig im Programm wie Speerwurf. Startblöcke mit Lautsprecher waren de facto ebenso nicht erforderlich wie acht Rundbahnen (das Dantestadion hat derer sieben). Wofür werden zwei Räume für Dopingkontrollen benötigt, wenn mangels „Fahnder“ ohnehin keine Proben entnommen worden sind? Schattenboxen als pure Drohgebärde.

Keimzelle der Senioren-Bewegung fehlt die Wertschätzung

Die Wertschätzung seitens des Verbandes für die DAMM, immerhin die Keimzelle der Senioren-Bewegung in der Leichtathletik mit nunmehr 47-jähriger Tradition, kann man an der Nichtanwesenheit eines offiziellen DLV-Vertreters messen. Selbst der Nachfolger von Margit Jungmann (Rehlingen) als Vorsitzender des Bundesausschuss‘ Senioren, Ralf Hafermann aus Ohrdruf in Thüringen, glänzte durch Abwesenheit. Mit ihm der im Vorfeld für die Siegerehrung angekündigte neue bayrische „Landesfürst“ Gerhard Neubauer aus München. Allerdings ist er bei seinem mit dem Fahrrad zu absolvierenden Quasi-Heimspiel zumindest zwischendurch gesehen worden. Für die Honoratioren jeglicher Couleur mit Lokalkolorit stand womöglich auch noch die gleichzeitige Eröffnung des weltberühmten Oktoberfestes auf dem Tagesprogramm.

Dachverband mehr Verhinderer als Förderer

Alles in allem betrachtet stellt sich schon die Frage, wofür  der DLV außer seiner Patenschaft zur Abwicklung einer Deutschen Mannschaftsmeisterschaft überhaupt noch benötigt wird?  Denn obendrein treibt er den im Obligo stehenden Verein am Ort der Handlung, diesmal die LG Stadtwerke München, letztendlich nur auf Kosten, die eine finanzielle Deckelung unmöglich machen und mithin unweigerlich in die roten Zahlen eines Zuschussgeschäftes führen. Die Startgelder vermögen die vielen „Nebengeräusche“ nicht abzusichern.
Kurzum: Es ist nicht weiter verwunderlich, dass es außerordentlich schwierig ist, noch Klubs im Zusammenwirken mit den Landesverbänden zu finden, die sich all den Risiken und Nebenwirkungen aussetzen wollen. Da gehört zuerst beim DLV so einiges auf den Prüfstand, Hürden und Hemmnisse zu beseitigen.
Ein frommer Wunsch bei der dort vorherrschenden Totengräber-Mentalität was die Senioren/innen im Allgemeinen und die DAMM im Besonderen angeht.

Obacht: Ab heute ticken die Uhren wieder um eine Stunde anders

(Krefeld, die Republik und EU, 27. Oktober 2019) Reisen statt Rasen. Entschleunigung jedoch noch mal ganz anders. Wer diese Nacht mit der Deutschen Bundesbahn beispielsweise auf einer Fernreise von Oberstdorf nach List auf Sylt unterwegs war, der blieb um 3 Uhr irgendwo stehen (wobei ich nicht weiß, ob sie wenigstens bis zum nächsten Bahnhof weiterfahren). Da wurden nämlich die Uhren von der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) auf die Winter- oder Normalzeit (!) um eine Stunde zurückgestellt. Und die galt es abzufeiern. Da frage ich mich, was auf einem Flug von meinetwegen New York nach Amsterdam geschieht, wenn der Airbus A380 um drei Uhr in den europäischen Luftraum eindringt? Für 60 Minuten hängenbleiben geht nun einmal nicht. Das soll aber auch nur unterstreichen, was das für ein honigblühender Blödsinn ist, der nach allen Erfahrungen nix gebracht, nur Kosten, bei sensiblen Menschen Krankheiten verursacht (erst recht bei Haus- und Nutztieren) und sonst noch ein heilloses Durcheinander veranstaltet hat.

"Zeitumstellung" sollte ursprünglich ab 2021 Vergangenheit sein

Auf diesen Trichter sind immerhin – man lese und staune – auch die hohen Damen und Herren bei der Europäischen Union (EU) im belgischen Brüssel gekommen. Nach einem Votum von 4,6 Millionen EU-Bürgern haben sich mit überwältigender Mehrheit von 84 Prozent für die Abschaffung der zweimaligen jährlichen „Zeitumstellung“ (die Zeit ist was sie ist, lässt sich nicht umstellen, allenfalls die Uhr) entschieden. Dem sollte mit einer letztmaligen Durchführung im März und Oktober 2020 Rechnung getragen werden. Denkste! Nun verzögert sie sich bis voraussichtlich 2021. Zweifel sind angebracht. Dazu in sinngemäßer Wiedergabe eine konfuse Verlautbarung vom zur EU weggelobten ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU): Er habe seinerzeit den Vorschlag mitgetragen, wäre aber persönlich nicht traurig, wenn es mit der Abschaffung nicht klappt. Geht’s noch?
Was für ein Rumgeeiere. Hanebüchen! Der Mann ist allen Anschein nach weder Fisch noch Fleisch. Wie wär's mit einem Rentenantrag? Das Alter dazu hätte er, ist kürzlich 66 geworden. Über die Politik(er)-Verdrossenheit sollte sich nun wirklich niemand mehr wundern.

Genügend "Quali"-Gelegenheiten für etwaige Senioren-Hallen-DM 2020

(Krefeld und Teile der Republik, 25. Oktober 2019) Noch gibt es Anfang März 2020 erst zwei Alternativtermine ohne fixen Ausrichter für die Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaften mit Winterwurf. Doch beruhigend zu wissen, dass wenigstens quer durch die Republik genügend Qualifikationsmöglichkeiten für die Normerfüllung zumindest unter dem Hallendach im Angebot sind. Also nicht stets zugleich auch für die Langwürfe Diskus, Speer und Hammer.
Den Reigen der bislang feststehenden Landes- oder Verbandsmeisterschaften 2020 eröffnen fast schon turnusgemäß die Offenen NR
W-Meisterschaften am 12.Januar in der Leichtathletikhalle im Arena-Sportpark in Düsseldorf. Sehr komprimiert geht es am 25./26.Januar mit den Titelkämpfen von Baden-Württemberg in Sindelfingen, Thüringen in Erfurt und Sachsen in Chemnitz zu. Es folgen die der Hessen am 01.Februar in Stadtallendorf und die gemeinsamen Meisterschaften der drei Landesverbände Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern am 09.Februar im Stadtstaat Hamburg. Dieses Sextett wird ergänzt durch das traditionsbeladene, nunmehr 31.Senioren-Hallensportfest des LAC Quelle Fürth am 25.Januar in der Sporthalle Am Finkenschlag.
Die Ausschreibungen sind irgendwann später bei den federführenden Veranstaltern abrufbar. Nach den üblicherweise im November stattfindenden Termin-Konferenzen werden erfahrungsgemäß weitere Hallenmeetings hinzukommen. Diesbezüglich immer wieder mal in den einschlägigen Wettkampf-Datenbanken und/oder bei uns auf LAMPIS im Fenster „Veranstaltungen“ reinschauen, das wir selbstverständlich bereits um die genannten Ereignisse mit Verlinkungen zu den jeweiligen Organisatoren aktualisiert haben.

Verbannung russischer Masters aus vielerlei Gründen nicht haltbar

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Beaverton/Oregon, Monte Carlo, Krefeld, 26. Oktober 2019) Vor einigen Jahren startete das amerikanische Sportartikel-Unternehmen NIKE ein ehrgeiziges Programm: Das NIKE Oregon Project (NOP). Es war ein Maßnahmenkatalog, der unter ‚besonderen‘ Bedingungen Läufer zu optimalen Leistungen bringen sollte. Der geistige Vater dieses von NIKE finanzierten Projekts war Alberto Salazar, einst selbst erfolgreicher Langstreckenläufer der USA. Unter seiner Leitung trainierten unter anderem Mo Farah (GBR), Galen Rupp (USA) oder auch Sifan Hassan (NED) und sammelten Medaillen und Rekorde. Bei den jüngsten Weltmeisterschaften der IAAF in Doha (Katar) wurde Alberto Salazar für vier Jahre gesperrt, das NOP wurde unmittelbar danach von NIKE beendet.


Trotz massiver Vergehen „lediglich“ zwei Sperren ausgesprochen

Die Doping-Anschuldigungen waren zu massiv, und zu viele Kronzeugen bestätigten die Ermittlungen. Auch der NOP-Arzt Jeffrey Brown wurde für vier Jahre gesperrt. Das war es denn auch. Keine Kollektivstrafen, keine Sperren für Athleten, keine Sanktionen gegen NIKE oder den nationalen Verband, obwohl es Kronzeugen gibt, die den Wahrheitsgehalt zu den Dopinghandlungen bestätigen können. Insgesamt gab es NUR zwei zeitlich begrenzte Sperren. Mehr nicht!

Konsequenteres Handeln der IAAF bis hin zur ungerechten Sippenhaftung

Wesentlich konsequenter handelte der Leichtathletik-Weltverband IAAF mit Sitz in Monte Carlo vor Jahren, als systematisches Doping in Russland nachgewiesen wurde. Athleten wie auch Offizielle sind ohne Zeitangaben gesperrt worden. Auch der nationale Verband wurde gesperrt. Später lockerte die IAAF die Sanktionen, und Athleten konnten unter neutraler Flagge (ANA = Authorized Neutral Athlete) starten. Zurück blieb bei den Sanktionen aber eine große Anzahl international startwilliger, meist leistungsstarker Masters-Athleten, die überhaupt keine Chance haben, ihre Sauberkeit nachzuweisen.
Damit begann ein Kapitel von Ungerechtigkeit und Unfairness. Warum wurden die Senioren in Sippenhaftung genommen? Was haben die Seniorenverbände World Masters Athletics (WMA) und European Masters Athletics (WMA) dagegen unternommen? Im Juni 2018 (!) hat der russische Mastersverband den EMA-Präsidenten Kurt Kaschke als regional zuständigen kontinentalen Vertreter angeschrieben. Keine Reaktion!

WMA und EMA verharren in verantwortungsloser Untätigkeit

Ist der europäische Senioren-Verband nicht verpflichtet Klarheit zu schaffen und zumindest dem russischen Mastersverband zu antworten? Was hat die EMA (und auch die WMA) getan, um den russischen Masters, die in keinem Kontrollpool der Welt sind, zu helfen? Nicht einmal eine Antwort bekamen die Russen; das ist verantwortungslos und zynisch den Athleten gegenüber, die sie gewählt und ihnen ihr Vertrauen geschenkt haben.

Momentan starten in der Leichtathletik nur ausgelesene Sportler aus Russland. Ironischerweise vermutet die interessierte Sportwelt, dass deren Starts nur möglich geworden sind, weil diese russischen Athleten uniforme NIKE-Ausrüstung tragen. Dass es bei den innerhalb der Leichtathletik-Verbände in Sippenhaftung genommenen russischen Masters auch anders geht, haben unter Flagge der Internationalen Masters Games Association (IMGA) erst unlängst die European Masters Games (EMG) im italienischen Turin bewiesen. Da durften sie starten und 96 von ihnen haben es dankend wahrgenommen (wir berichteten).
Daran sollten sich IAAF, WMA und EMA im Sinne willkürlich ausgegrenzter Sportler der Ü35-Generation mal ein leuchtendes Beispiel nehmen und die Verbannung schleunigst aufheben.

Verbandsnetzseite der EMA läuft der Musik meilenweit hinterher

(Lausanne/Krefeld, 24. Oktober 2019) Obwohl sich der kontinentale Senioren-Leichtathletikverband European Masters Athletics (EMA) mit offiziösem Sitz in Lausanne/CH seit geraumer Zeit einen Beauftragten für Kommunikation und Medien „leistet“, ist dessen Netzseite weiterhin eine Servicewüste. Dort prangt seit Wochen eine Fotogalerie als Seitenaufmacher mit dem eminent wichtigen Hinweis auf den Hobby-Knipser, die so genannten „News“ oder Neuigkeiten sind auch schon reichlich angestaubt und in der rechten Spalte werden mit Aufrufmöglichkeit drei Titelkämpfe 2019 beworben, die ausnahmslos der Vergangenheit angehören. Kurzum: Da wird meilenweit hinter der Musik hergelaufen.
Dabei drückt der Sportschuh der international startenden Athleten/innen ganz woanders. So wird in den sozialen Medien wie Facebook & Co. beklagt, dass das Internet-Portal des Lokalen Organisationskomitees (LOC) der Hallen-Europameisterschaften vom 15. bis 21.März 2020 in Braga (Portugal) noch eine Baustelle sei, demzufolge nicht einmal einen Hinweis auf den Grobzeitplan liefere. Der ist jedoch so ziemlich das Elementarste für alle weiteren Planungen.
Denn bedenke, dass bis zur M/W60 die Talente von gestern und vorgestern landläufig durchaus noch der werktätigen Bevölkerung angehören und eben so manche Dinge früher eintüten müssen. Angefangen beim rechtzeitigen Urlaubsantrag.