Bibliothekarischer Nachlass von Klaus Liedtke blitzschnell vergeben

(Niederrodenbach/Lünen/Krefeld, 25. März 2021) Tue Gutes und rede oder schreibe darüber. So viel PR in eigener Sache muss schon sein. Zumal wir es der Effektivität wegen öffentlich gemacht haben. Lösen wir also noch auf, wie die Resonanz auf den umfangreichen fachlichen bibliothekarischen Nachlass des verstorbenen Wurf-Allrounders Klaus Liedtke aus Lünen gewesen ist. Speziell am Erscheinungstag (22.März) gab‘s eine rege Nachfrage via Telefon und E-Mail. Die konnten, durften, mussten wir jedoch in Rekordzeit abschlägig beantworten. Denn schließlich waren wir getreu dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ im Wort mit dem Erstzuschlagsrecht. Es war die via Leichtathletik, LSW und Rasenkraftsport mehrgleisig wirkende Ishild Müller (*1940) von der TGS Niederrodenbach und RKS Phoenix Mutterstadt, die um 10.30 Uhr als überhaupt erste Interessentin an der imaginären Telefonstrippe des Verfassers dieser Zeilen hing. Die sehr rege, muntere 81-jährige Dame aus dem Main-Kinzig-Kreis war mir inzwischen stimmlich vertraut, da sie mich erst kürzlich im Zusammenhang mit der ausverkauften deutschen Senioren-Bestenliste 2020 um Rat gebeten hatte.
Kurzum: Es wurde im nächsten Zuge der Kontakt zwischen ihr und der Witwe Thea Liedtke hergestellt. Die gute „Müllerin“ wird die gesammelten Werke nach Ostern in Lünen abholen. Das sind über die A45 immerhin 240 Kilometer. Einfache Fahrt, versteht sich. Aber diese wettkampfaffine Spezies ist ja ohnehin ein fahrendes Völkchen.

Christina Schwanitz verniedlicht Infektionszahlen bei der Hallen-EM

(Darmstadt/Dresden/Krefeld, 24. März 2021) Kugelstoß-Ikone Christina Schwanitz (*1985) aus Dresden ist bislang nicht durch schöngefärbte, weichgespülte und dreimal chemisch gereinigte, wohlfeile Worthülsen a la DLV auffällig geworden. Die 35-jährige Zwillingsmama und Buchautorin (siehe Cover) pflegte bislang die klare Kante mit nötigenfalls durchaus kritischen, unmissverständlichen Tönen. Es sei nur daran erinnert, dass sie wegen der Corona-Gemengelage kürzlich im Deutschlandfunk für eine Verlegung der Olympischen (Nachhol-)Spiele von Tokio in den normalen Zyklus nach 2024 plädierte (wir berichteten). Nun allerdings kommt „La Schwanitz“ allzu nonchalant mit ihrer Aussage über die verseuchte Hallen-EM im polnischen Torun gestern auf der Verbandsnetzseite daher. O-Ton: „Ein kleiner Prozentsatz hat sich infiziert, ja. Aber wir dürfen jetzt nicht nur auf das Negative schauen.“
Wie bitte? Ganz so niedlich war es dann doch nicht. Es haben sich nachweislich mehr als 50 Teilnehmer/innen der insgesamt 642 Gemeldeten diesen vermaledeiten Virus eingehandelt. Ganz zu schweigen von der Dunkelziffer. Gehen wir also getrost von mindestens zehn Prozent aus. Obendrein: Jede/r ist eine/r zu viel und absolut ungeeignet, Vertrauen in derartige Sportveranstaltungen mit größeren Menschenansammlungen unterm Hallendach herzustellen (übrigens käme das auch x-fach bei Olympia vor). Außerdem ist zwischenzeitlich bekannt geworden, dass sich etliche Aktive nicht den Hygieneregeln konform verhalten hätten. Summa summarum wurde der Sache ein Bärendienst erwiesen, Frau Schwanitz!

Hätten Sie doch nur geschwiegen, wären Sie Philosophin geblieben.

Angebot für Statistikfreunde aus dem Nachlass von Klaus Liedtke

(Lünen/Krefeld, 22. März 2021) Wenn nicht jetzt, wann dann ist Zeit satt zum Stöbern und schwelgen in Erinnerungen von anno dazumal bis in die Gegenwart?! Für Freunde der Statistik aus der Leichtathletik (was sonst) und Archivare unter ihnen haben wir das ultimative Angebot. Kleiner Nachteil: Lediglich als Unikat und für den ersten sich meldenden Interessenten „mit belastbarer Absichtserklärung". Die Witwe des am 22.Februar 2021 80-jährig verstorbenen einstigen Weltklasse-Wurfallrounders Klaus Liedtke aus Lünen in Westfalen brachte es einfach nicht übers Herz, die gesammelten Werke ihres Mannes dem Papiercontainer zu überantworten und würde sich über einen Abnehmer aus dem ehemaligen Kameradenkreise sehr freuen.
Die mir lange und gut bekannte Thea Liedtke sprach mich nach der Urnenbeisetzung telefonisch an, ob ich irgendwie Verwendung dafür hätte oder im Kreise von Sportfreunden nachfragen könnte. Das mache ich hiermit auf breiter Basis öffentlich. Es handelt sich bis 1975 zurück um komplett vorhandene Jahrgänge der Fachmagazine LSW (Herausgeber der früh verstorbene Erwin Kollmar), des professionelleren Nachfolgers Senioren-Leichtathletik (ebenfalls längst eingestellt) und die jährlichen DLV-Senioren-Bestenlisten in Buchform. Das alles ist bevorzugt en bloc zum Nulltarif gegen Abholung oder Übernahme der Versandkosten zu haben. Die Verbindung zur hinterbliebenen Ehefrau wird über den Verfasser dieses Beitrages hergestellt (siehe Fenster Kontakt).

WMA kürte die vermeintlich besten Masters des letzten Jahrzehnts

Kolumne

Moment mal

(Monte Carlo/Krefeld, 23. März 2021)
Nun ließe sich trefflich darüber streiten, welchen tieferen (Un-)Sinn in Zeiten wie diesen eine virtuelle Kürung von irgendwas mit profaner Zusendung irgendwelcher Insignien macht. Doch eine Diskussion erübrigt sich, da der Senioren-Weltverband World Masters Athletics (WMA) mit Feudalsitz in Monte Carlo im Fürstentum Monaco sich dazu entschieden hat. Eingedenk der ausgefallenen vorjährigen Weltmeisterschaften der Ü35-Generation im kanadischen Toronto fiel zugleich der inzwischen übliche, stark verwässernde Auszeichnungstsunami der Weltbesten in gefühlt je 15 Kategorien männlich und weiblich weg. An dessen Stelle rückte nunmehr der/die vermeintlich beste Senior/in des letzten Jahrzehnts von 2010 – 2019.

Eine plumpe und einfältige Machart

Die Machart darf getrost – noch wohlwollend formuliert – als ausgesprochen plump und einfältig bezeichnet werden. Statt in einem dramaturgischen Spannungsbogen zunächst die je sechs Nominierten zu nennen, erfolgte das in einem Abwasch (siehe Link; Übersetzung mit www.deepl.com empfohlen) mit den letztlich beiden Gekürten: Werfer-Urgestein Arild Busterud (M70; im Bild) aus Norwegen und Sprinterin Karla Del Grande (W65) aus Kanada. Ein Blick auf die zwölf „zuvor“ Auserwählten lehrt uns, dass sich unter ihnen mit Zehnkämpfer Rolf Geese (M75) von der LG Göttingen lediglich ein Germane befunden hat. Das hat er fraglos bei der Erfüllung der verlangten und genannten Kriterien verdient.

Wolfgang Ritte wurde schmählich „übersehen“

Aber: Äußerst verwundern muss bei nüchterner, unvoreingenommener objektiver Betrachtung durch die keineswegs rosarote heimische Brille, dass sich Stabhochspringer Wolfgang Ritte (*1953/M65) vom SC Bayer 05 Uerdingen nicht darunter befand. Der damals einzige und wahre „Best Master of the Year 2008“, gekürt von den Stabhochsprung-Legenden Jelena Isinbajewa und Sergej Bubka (im Bild)  bei der Welt-Leichtathletik-Gala vor 700 geladenen Gästen (der Autor als Reporter für die Rheinische Post mittendrin) im „Salle de Etoiles“ (übersetzt Sternensaal) des alt-ehrwürdigen Sporting Club in Monte Carlo, hat in dem fraglichen Zeitraum in den drei verschiedenen Altersklassen von M55 bis 65 mehrere Weltmeister-Titel eingeheimst sowie x-fach die Hallen- und Freiluft-Weltrekorde im Stabhochsprung verbessert (mittlerweile insgesamt 47 mal). Dazu steigerte der vielseitige Athlet als absolutes Sahnehäubchen Ende Mai 2014 den Zehnkampf-Weltrekord der M60 auf 8.123 Punkte, den bis dahin jener Rolf Geese mit 8.107 Zählern gehalten hatte.
Mehr geht einfach nicht. Dennoch wurde der auch ansonsten untadelige, trotz häufigen Abhebens bodenständig gebliebene und ausgesprochen beliebte Grandseigneur der Szene schmählich „übersehen“. Das sollte die deutsche WMA-Präsidentin Margit Jungmann bei passender Gelegenheit mal erklären. Nationale Befangenheit war hier vollkommen fehl am Platze. Bei Geese spielte sie ja auch keine Rolle...

RUSAF-Präsidentin Irina Privalova VIP-Gast bei Russlands "Masters"

(Tscheljabinsk/Krefeld, 21. März 2021) Selbst gemessen an der großen geografischen  Ausdehnung des Landes fanden die 13. Russischen Hallen-Meisterschaften der Senioren*innen ziemlich weit vom (Start-)Schuss statt. Der Schauplatz Tscheljabinsk in der Ural-Region ist 1.780 Straßenkilometer von der Metropole Moskau entfernt. Dies und obwohl wegen der strikten Einhaltung der Corona-Regeln ganz bewusst der besonders gefährdete Personenkreis der so genannten Risikogruppe ab M/W65 nicht startberechtig war, bewarben sich insgesamt 240 Sportler/innen um die Medaillen.
Diese Titelkämpfe wurden der ehemaligen Hochspringerin Taissija Fillipowna Tschentschik (*13.01.1936) gewidmet, die 1964 in Tokio die Bronzemedaille gewann und am 19.November 2013 77-jährig in Tscheljabinsk verstarb. VIP-Gäste dieser „Indoor Masters“ waren die amtierende Präsidentin des Russischen Leichtathletik-Verbandes (RUSAF) und frühere Weltklasse-Sprinterin Irina Privalova (*1968) und das Präsidiumsmitglied Andrei Schliapnikov (der geneigte Leser stelle sich vor, dass Jürgen Kessing einer Senioren-DM die Ehre erweist, die Redaktion).

Ein deutlich verbesserter Weltrekord im 3000 Meter Bahngehen

Wenn wir es an absoluten Höchstmarken festmachen, war die herausragende Leistung die deutliche Weltrekord-Verbesserung im 3.000 Meter Bahngehen der W55 durch Zinaida Tepeeva in 14:39,30 Minuten. Die bisherige globale Bestzeit hielt Lynette Ventries (Australien) in 14:51,24, aufgestellt bei der Hallen-WM 2012 im finnischen Jyväskylä.
Da die Ergebnisliste in kyrillischer Schrift ist, nachfolgend eine kleine Auslese bemerkenswerter Resultate. Mit diesem Link geht es zu einer umfangreichen Bildergalerie.

Senioren:

60m, M40: Boldin Ewgenii 7,20 sec.; M45: Koltschkov Dmitrii 7,58, Erikalov Wladimir 7,67; M50: Kutliaev Alexandr 7,83, Yakhin Dmitrii 7,87, Nowgorodov Mikhail 8,10; M55: Moiseev Mikhail 8,12, Nikiforov Sergei 8,52; M60: Osadtschenko Konstantin 7,99, Dadikin Viatscheslav 8,18;
200m: M40 Boldin Ewgenii 23,27; M60: Osadtschenko Konstantin 26,63; 3000m: M60 Safronov Oleg 10:15,61 min; Hochsprung: M55: Romanovitsch Vitalii 1,76m; M60: Smirnov Leonid 1,61m.

Seniorinnen:

60m, W55: Stoliar Lubov 9,00 sec., Makarova Elena 9,44; 400 m: W40: Razhigaeva Olga 59,96;
60m Hürden: W40 Antonova Alexandra 9,13; W55 Stoliar Lubov 9,98; 5000m Bahngehen: W55: Tepeeva Zinaida 24:52,15 min.

Redaktionelle Anmerkung: Unser Autor Vladimir Evsiunin schloss 1998 sein Physik-Studium an der Universität St.Petersburg ab, ist seither als Physik-Lehrer tätig. Er weiß, worüber er schreibt. Denn er gewann bei diesen Meisterschaften die 60m Hürden der M50.