Thüringen das gelobte (Bundes-)Land auf dem Veranstaltungssektor

(Erfurt/Krefeld, 19. Oktober 2020) Ganz ehrlich habe ich damit gerechnet, dass infolge der momentan teilweise dramatisch steigenden Infektionszahlen auch in unserer Republik die Deutschen Hallen-Meisterschaften im Steinstoßen für alle Klassen am vergangenen Wochenende in Erfurt noch kurzfristig abgesagt werden müssen. Denkste! Thüringen ist offensichtlich das gelobte (Bundes-)Land auf dem Veranstaltungssektor, legt eine besonders liberale Einstellung an den Tag. Möglicherweise auch bedingt durch eine fast 41-jährige DDR- und Stasi-Herrschaft mit jede Menge Einschränkungen und Zwängen. Wie dem auch sei.

Eine Vorreiterrolle der besonderen Art

Doch erinnern wir uns, dass in der thüringenschen Metropole am 07.März in der Leichtathletik-Halle am Steigerwaldstadion mit einem Jux-Zweikampf (Kugelstoßen, Streichholzwerfen) der letzte Wettbewerb unterm Hallendach vor dem „Lockdown“ (Notfallmanagement) stattgefunden hat. Dann am 13.Juni 2020 mit dem 4.Neustädter-Kugelcup die bundesweit überhaupt erste Leichtathletik-Veranstaltung nach Öffnungsmaßnahmen auf verschiedenen Gebieten, und nunmehr die Premiere in einer geschlossenen Sportarena, wo „alle Welt“ glaubt in der Hallensaison 2020/21 ginge mehr so rein gar nichts (siehe auch unsere jüngste Berichterstattung). Eine Vorreiterrolle der besonderen Art.

Heiko Wendorf und Richard Debuch sind die Möglichmacher

Teil 1 und 2 dieser Trilogie waren der Hartnäckig-/Zielstrebigkeit von DLV-Seniorensprecher, Wirtschaftsjurist und   Kugelstoßer Heiko Wendorf (*1970) vom Eisennacher LV zu verdanken. Der dritte Akt geht auf das Konto von Wurf-Trainer und Chef-Organisator Richard Debuch (*1958) vom ASV Erfurt, der in Personalunion zugleich Abteilungsleiter der Städtischen Sportbetriebe ist, mithin über die kurzen Dienstwege zum Gesundheits- und Ordnungsamt verfügt. Was wieder mal beweist: Wo ein Wille, da ist auch ein Weg. Nicht immer, aber manchmal. Das sollte bei kleineren Veranstaltungen zumindest als Denkanstoß dienen.
Was den sportlichen Part dieser zweitägigen Titelkämpfe betrifft, verweisen wir auf die verlinkten Ergebnislisten vom 17. und 18.Oktober. Fast müßig zu erwähnen, dass auch damit die Verantwortlichen blitzschnell nach Beendigung der Meisterschaftsereignisse im Netz gewesen sind. Chapeau! Tusch! Applaus! Und eine Grußbotschaft an den DLV!

Es stinkt als Ablenkungsmanöver verdächtig nach einer Schuldzuweisung

Glosse

Neben der Spur

(Duisburg/Leichlingen/Krefeld, 18. Oktober 2020)
Wer hat ihn denn nun, den Schwarzen Peter? Mit der Überschrift „LVN hat keine Herz für Senioren: Alle Titelkämpfe ersatzlos gestrichen“ haben wir bereits am 01.September 2020 berichtet, dass im Verbandsgebiet Nordrhein – ausschließlich (!) – für die Ü30-Generation in der „späten Saison“ tote Sporthose herrschen wird. Mithin auch für die am 07.November 2020 vorgesehenen Offenen NRW-Winterwurfmeisterschaften im weitläufigen Sportzentrum Balker Aue in Leichlingen im Bergischen Land. Ausgerechnet wurden mit LVN-Seniorenwartin Gisela Stecher aus Grevenbroich und Abteilungsleiter Manfred Schmitz als Macher vom örtlichen Ausrichter des Leichlinger TV (LTV) jene nicht darüber informiert, die es in erster Linie anging. Jedenfalls konnte von einem Rückzieher des LTV keine Rede sein!

Eine Posse für das Kölner Hänneschen Theater

Nun kommt jedoch, um im Bilde zu bleiben, der Hammer. Der Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) mit Sitz in Duisburg will in einem Beitrag vom 13.Oktober 2020 auf seiner Netzseite urplötzlich doch angeblich in Erwägung gezogen haben, diese Titelkämpfe für die Fraktion Stoß/Wurf als abgespeckte LVN-Winterwurfmeisterschaften auszurichten. Doch der gastgebende Klub habe sich dagegen entschieden.
Das sieht indes verdächtig nach Ablenkung von eigener Unzulänglichkeit und einer billigen Schuldzuweisung aus. Und selbst wenn es so gewesen sein sollte, ist das aus Sicht der rührigen Leichlinger durchaus zu verstehen, mit sich auf der ziemlich letzten Rille der Vorbereitungsphase nach dem Motto „Einmal hü, einmal hott“ nicht das Kölner Hänneschen, sprich: den Kasper, Depp oder Hofnarren, machen zu lassen.
Leider konnten wir Manfred Schmitz für eine Darstellung aus seinem Blickwinkel nicht erreichen. Sei's drum: So oder so ein veritabler Schildbürgerstreich, geeignet als Drehbuchvorlage für eine Posse des Hänneschen Puppen-Theater in der nahen Domstadt.

Zwei traditionelle Senioren-Hallensportfeste finden 2021 nicht statt

(Fürth/Ludwigshafen/Dortmund/Potsdam/Krefeld, 16. Oktober 2020) Nichts wird mehr so, wie es einmal war. Jedenfalls vorerst nicht. Wenn etwas in total besch…eidenen Zeiten wie diesen gewiss erscheint, dann dass nichts gewiss ist, was lieb gewordene Tradition bedeutet hat(te). Klar ist bereits, dass die gewissermaßen bei der Ü30-Generation schon Kultstatus erlangten Senioren-Hallensportfeste in Fürth und Ludwigshafen definitiv 2021 nicht stattfinden werden. Das hat immerhin den Vorteil, dass sie nicht abgesagt werden müssen. Wenngleich das die „ewigen Talente“ höchstens am Rande der Bande interessiert, soll das bei den im DLV-Rahmenterminplan 2021 noch aufgeführten Deutschen Hallenmeisterschaften der Männer/Frauen (20./21.Februar) in Dortmund der Fall sein. Die elegantere Formulierung lautet „Bewerbung zurück gezogen“.

Komplette Saison unter dem Hallendach steht in Frage

Es ist schwer vorstellbar, dass nach der sich weiterhin verschärfenden Corona-Gemengelage in der kalendarisch kommenden Saison unter dem Hallendach, die in der Vergangenheit zumeist Ende November, Anfang Dezember begann, überhaupt irgendetwas ausgetragen wird. Schon gar nicht die Offenen NRW-Hallenmeisterschaften ab M/W30 im Januar des neuen Jahres in Düsseldorf. Der seit dieser neuen Geißel der Menschheit stets im vorauseilenden Gehorsam operierende Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) hat sein Hoheitsgebiet praktisch zur Diaspora verkümmern lassen, das bei Wiederbelebung in noch fernen Tagen der Missionierung bedarf.

Hallen- und Winterwurf-DM 2021 in Potsdam kein Thema mehr

Unsererseits müssen wir leise weinend und zähneknirschend auch einen symbolischen Salto rückwärts machen, sind einer Fehlinterpretation aufgesessen. In unserem Beitrag vom sechsten dieses Monats haben wir die Hallen-DM mit Winterwurf der Senioren*innen Ende Februar 2021 bereits zur beschlossenen Sache erklärt. Dem ist mitnichten so. Das habe ich gestern in einem Telefonat mit Diskuswerfer Werner Hennig (*1947) vom ESV Lok Potsdam erfahren, der quasi an der Quelle sitzt. Richtig ist allerdings, dass es zur Debatte gestanden hat.
Eingedenk all dieser Vorzeichen muss es geradezu verwundern, dass mit Stand 08.Oktober der Wettkampfkalender 2021 des LV Sachsen die Landes-Hallenmeisterschaften Senioren mit Winterwurf am 31.Januar 2021 in Chemnitz ausweist. Die Ernsthaftigkeit darf jedoch insofern in Frage gestellt werden, als da noch die längst abgesagte Senioren-Hallen-EM im Januar 2021 in Braga (Portugal) aufgeführt wird.

Austragung der Straßen- und Crosslauf-EM’en grenzt an mögliche Körperverletzung
 
Um jeglichen Missverständnissen vorzubeugen, ehe ich noch als Bruder Leichtfuß gelte, kann ich hundertprozentig nachvollziehen, dass Vorsicht die Mutter der Porzellankiste sein muss, bevor mit der vermeintlich „herrlichsten Nebensache der Welt“ noch mehr zerdeppert wird. So gesehen ist es nicht nur für mich völlig unverständlich, dass unverdrossen Ende Oktober und Anfang November auf Madeira eine Straßen- sowie Berglauf-EM für die älteren Semester stattfinden soll (siehe Verlinkung).
Das halte ich erst recht in Anbetracht der aktuell prekären Situation überall in Europa schlechterdings für hochgradig verantwortungslos bis hin zum durchaus denkbaren Tatbestand der billigend in Kauf genommenen Körperverletzung. Allem Anschein nach hat EMA-Präsident Kurt Kaschke (im Bild) mit Wahlheimat Assafora in Portugal noch nicht bemerkt, dass er mit einem Bein möglicherweise schon im Gefängnis steht. Mitleid müsste indes keiner mit ihm empfinden (siehe auch diesen Bericht, in dem wir in dieselbe Kerbe geschlagen haben).

Alle NRW-Hallenmeisterschaften 2021 vom Verhandlungstisch

(Kaiserau/Duisburg/Düsseldorf/Krefeld, 17. Oktober 2020) Volltreffer! Einmal mehr. Erst in unserem gestrigen Beitrag hatten wir spekulativ einen bisschen im Nebel gestochert, dass bei der außerordentlichen Zurückhaltung des Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) in Duisburg die Offenen NRW-Hallenmeistershaften der Ü30-Generation im Januar 2021 in Düsseldorf wohl der aktuellen Gemengelage zum Opfer fallen werden. Daran können alle miteinander nunmehr einen Haken machen. Der westfälische Schwesterverband (FLVW) aus Kaiserau teilt in seiner gestern erschienenen und vom früheren DLV-Medien-Referenten Eberhard Vollmer (im Bild) herausgegebenen „Newsletter“ Stand 15.Oktober mit, dass der LVN „aus Corona-Gründen im Winter 2021 auf alle NRW-Hallenmeisterschaften verzichten will“.
Derweil haben die Westfalen mit den Planungen für ihre Meisterschaften unter dem Hallendach begonnen, die zu den Januar-Wochenenden stattfinden sollen, an denen der übermächtige Fußball-Nachbar BV Borussia 09 Dortmund keine Heimspiele im sehr nahen einstigen Westfalenstadion (nunmehr dem Sponsor geschuldet Signal Iduna Park) hat. Geht also doch. Zumindest noch.
Anders als es unsere Informationen aussagen, sollen indes – vorsichtig formuliert – „nach der derzeitigen Terminplanung die Deutschen Hallen-Meisterschaften Männer/Frauen am 20./21.Februar 2021 in der Dortmunder Körnig-Halle stattfinden“. Warten wir es getrost ab, wer da besser im Bilde ist. Bislang konnten wir uns jedenfalls in neun von zehn Fällen auf unsere mitteilsamen „Maulwürfe und Kiebitze" verlassen. Und am schäbigen Rest war auch zumeist irgendetwas dran (siehe erst gestern Potsdam).

Ein Hauch von olympischem Glanz bei Senioren-DM im Rasenkraftsport

(Dissen/Krefeld, 15. Oktober 2020) Unternehmen wir noch einen kleinen Ausflug zum artverwandten Rasenkraftsport. Obschon aufgrund der beschriebenen aktuellen persönlichen Situation entgegen unserer sonstigen Gepflogenheiten ein wenig verspätet. Anders als die Senioren-Leichtathleten hatten die Rasenkraftsportler am vergangenen Samstag/Sonntag im niedersächsischen Dissen in einer späten Saison ihre nationalen Titelkämpfe unter freiem Himmel im klassischen Dreikampf mit Hammer, Gewicht und Stein sowie den Einzelwertungen. Ein Blick in die Ergebnisliste durch die verschiedenen Alters- (ab 30 im „brutalen“ Zehn-Jahres-Takt) und Gewichtsklassen zeigt erwartungsgemäß, dass es viele zweigleisig agierende  Wanderer zwischen diesen beiden Welten gibt. Eben eine ganze Fülle von aus der Leichtathletik bekannten Namen am Start waren. Es würde zu weit führen, sie alle zu nennen. Das müssen wir dann schon dem Interesse der Statistik-Freunde überlassen.
Stellvertretend picken wir ein paar Protagonisten aus der doppelten Zunft heraus, die oftmals ein anderes Trikot tragen, da ihr Klub aus der Leichtathletik nicht dem Deutschen Rasenkraftsport- und Tauziehverband (DRTV) angehört. Wie bereits bei früheren Gelegenheiten erwähnt, werden dank eines Kooperationsvertrages mit dem DLV jegliche Rekorde wechselseitig anerkannt.  

Kirsten Münchow nun wieder unter ihrem Mädchennamen am Start

Nicht nur nach dem Motto „Ladies first“ lassen wir dem vermeintlich schwächeren Geschlecht den Vortritt. Eine leibhaftige Bronzemedaillen-Gewinnerin der Olympischen Spiele von 2000 in Sydney gab sich und den zweitägigen Titelkämpfen die Ehre. Diesmal wieder unter ihrem angestammten Mädchennamen Kirsten Münchow (*1977; im Bild). Um sie hatte es diesbezüglich das eine oder andere Verwirrspiel gegeben, da sie zwischenzeitlich unter wechselnden Ehenamen Klose und Hilbig antrat (wir berichteten). Die 43-Jährige vom VfR Evesen entschied gegen übersichtliche Konkurrenz bei den Seniorinnen 2 (40 – 49 Jahre) plus 73 kg Körpergewicht alle Wertungen für sich, warf in ihrer „Schokoladenübung“ 46,86m. Hier hält sie unter der Firmierung Hilbig seit 2017 mit 55,22m den deutschen Rekord in der W40.

Einstiger 21,35-m-Kugelstoßer Thomas Schmitt mit von der Partie

Bei den Männern können wir nicht mit olympischem Edelmetall dienen, aber einem, der im März 2015 für zumindest bundesweit großes Aufsehen sorgte, daran jedoch sportlich zerbrach wie dereinst Weitspringer Bob Beamon bei seinem „Segelflug“ auf 8,90m 1968 in der Höhenluft von Mexico City. Insider werden es bereits ahnen, wer gemeint ist. Ja, Thomas Schmitt (*1989), der damals bei sechs Grad und Nieselregen in Übach-Palenberg seine Bestleistung von19,07m auf märchenhafte 21,35m steigerte und von Lampis angestoßen für ein Rauschen durch den deutschen Blätterwald sorgte (siehe Link). Heutzutage betreibt der aus Kerpen stammende, in Ahaus im Münsterland lebende und tätige studierte Physiker Stoß und Wurf nur noch aus Spaß an der Freud‘, wirft alles weg, was ihm in die Finger kommt. So hat er es selber genannt. Erst am „Tag der Deutschen Einheit“ just in Übach-Palenberg beim „Peter Speckens Gedächtnis Sportfest“ (u.a. 16,02m Kugel und 49,68m Diskus) und jetzt zuletzt in Dissen. Der 167-Kilo-Koloss war im Dreikampf der Senioren 1 über 87kg  sowie mit Gewicht und Stein vorn.

Hermann Albrecht mit dem besten Dreikampf-Resultat

Sei allerdings noch ein wahrer Könner auch dieses Fachs genannt, der vom Körpergewicht (70,8 kg) nicht mal einen halben Schmitt auf die Waage brachte. Senioren-Weltrekordler Hermann Albrecht (*1940/Senioren 6) aus Satteldorf entschied im Dress des VfL Waiblingen die klassenübergreifende, inoffiziöse „All-Star-Wertung“ im Dreikampf (2.714 Punkte) für sich. Der Mann kann’s einfach. Egal, welches Steckenpferd er gerade sattelt.
In seinem Schlepp war Werfer-Urgestein Richard Rzehhak (*1929) als Alleinunterhalter bei den Senioren 7 mit nunmehr 91 Jahren (13.Oktober) der „Stubenälteste“ unter allen Teilnehmern*innen.

Ein Österreicher durfte auch Titel sammeln

Mit Heimo Viertbauer (*1943) aus Salzburg durfte auch ein Österreicher im Trikot des TSV Grafing bei München ganz normal bei den Senioren 5 plus 80kg in den friedlichen Wettstreit um Titel und Medaillen eingreifen. Der „Ösi“ räumte  dreimal ab. Außer bei ihm arg amputiert daherkommenden Steinstoßen, das Kugelstoßer Holger Knie (*1948) von der gastgebenden TSG Dissen vor dem einstigen Disziplin-Giganten Günther Fändrich (*1941) vom TV Heppenheim mit 10,43 zu 10,20m für sich buchte. Mit Günther habe ich als „Fremdgänger“ und siebenmaliger Deutscher Meister für den Leichlinger TV schon so manchen Strauß ausgefochten.
Bereits am kommenden Wochenende sind in Erfurt im Steinstoßen die Deutschen Hallen-Meisterschaften für alle Klassen, also auch der Senioren/innen. Jedenfalls gibt es bei der unübersichtlichen Corona-Gesamtgemengelage bislang keine anderslautenden Meldungen hinsichtlich einer etwaigen Absage.