Es ist eine Menge los unter den Hallendächern am Wochenende

(Mannheim/Ludwigshafen/Hamburg/Halle a.d.S./Krefeld, 07. Februar 2019) Es ist eine Menge los unter den Hallendächern am kommenden Wochenende. Die Karawane zieht weiter bei den Verbands- oder Landesmeisterschaften der Senioren/innen. Nicht immer zur puren Freude der potenziellen Protagonisten. Die selbständigen Verbände Baden und Württemberg konnten sich lange in einer geradezu erbärmlichen, unterschiedlichen Außendarstellung nicht auf den gemeinsamen Termin der Titelkämpfe im badischen Mannheim einigen (wir berichteten; siehe auch Fußnote im Fenster Veranstaltungen). Nun sind sie also nach inzwischen einhelligem Tenor am nächsten Sonntag. Was bleibt, ist die mittelbare Berührung mit dem traditionellen Seniorensportfest des LV Pfalz tags zuvor in Ludwigshafen. Die Schauplätze sind lediglich um ein paar Kilometer und den Vater Rhein getrennt. Klar – es allen recht zu machen, ist eine Kunst die keiner kann. Aber unglücklich bleibt sie allemal, diese Beinahe-Kollision.

Drehstoßer Kurt Goldschmidt an der Stätte seines deutschen Rekordes

Derlei Probleme gibt es im Norden unserer Republik nicht. Da haben die gemeinsamen Titelkämpfe der Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Sonntag in der Leichtathletikhalle der 1,81 Millionen Einwohner starken Hansestadt ein Alleinstellungsmerkmal. Aus Werfersicht interessiert besonders der wiederholte Comeback-Versuch von Drehstoßer Kurt Goldschmidt (*1943) vom TSV Kücknitz, der an selber Stelle vor zehn Jahren mit 15,69m den immer noch gültigen deutschen Hallenrekord (zwischenzeitlich Weltrekord) in der M65 aufstellte. Nun darf „Kuddel“ in der M75 mit der ein Kilo leichteren Kugel (4 kg) ran. – Für die vielen Freunde der Statistik geht es mit folgenden Verlinkungen zu den Meldelisten für Hamburg und Mannheim.
Nachzutragen sind noch die Landesmeisterschaften von Sachsen-Anhalt vorigen Sonntag in Halle an der Saale. Und, oh Wunder, da können sie fein säuberlich nach Männlein und Weiblein getrennt sogar Ergebnisliste. Die ist auch von Cosa Win und nicht von SELTEC. Stellvertretend sei hieraus der sehr erfolgreiche  Wurf-Allrounder Lothar Huchthausen (*1935) von der LG Altmark erwähnt, der in seinem mittlerweile letzten M80-Jahr bemerkenswerte 12,39m stieß.

Ex-Diskuswerfer Alwin J.Wagner setzt seinen Feldzug gegen Doping fort

(Melsungen/Landshut/Krefeld, 06. Februar 2019) Seinen missionarischen Feldzug gegen Doping setzt Alwin J.Wagner (im Bild) aus Melsungen in Hessen unverdrossen fort. Wenn nicht er, wer sonst könnte das mit jede Menge Insiderwissen glaubhaft und nachhaltig rüberbringen?! Denn der Polizei-Hauptkommissar a.D. und einstige Weltklasse-Diskuswerfer (Bestleistung 67,80m), obwohl nie positiv getestet, outete sich noch während seiner Karriere unerlaubte Mittel (anabole Steroide) genommen zu haben, vollzog so gewissermaßen die Wandlung vom Saulus zum Paulus.
Mit seinen unzähligen Vorträgen zum Thema geht er bevorzugter weise an die Basis. Der 68-jährige (Un-)Ruheständler wird heute von 14 bis 15.30 Uhr am Hans-Carrossa-Gymnasium in Landshut (Bayern), einstmals sportlich bekannt geworden durch Eishockey mit den Heroen Alois Schloder und Erich Kühnhackl, zu den Schülern eines Sportseminars und der 11.Jahrgangsstufe eingedenk seiner Entertainer-Qualitäten ebenso launig wie eindringlich sprechen.

Er wird die Perversität der deutschen Sportpolitik schonungslos aufzeigen

Mit einem Originalwortlaut ein paar Auszüge dessen, was die Jugendlichen erwartet: „Bei meinem Anti-Doping-Vortrag werde ich
nicht nur auf die Gefahren des Dopings und des Missbrauchs von Drogen hinweisen. Ich werde auch schonungslos die Perversität der deutschen Sportpolitik aufzeigen. Mich hat es als Athlet schon gestört, mit welcher Heuchelei unsere Politiker und Funktionäre in der Öffentlichkeit aufgetreten sind. Im Auftrag der Politik wurden die Qualifikationsleistungen zur Teilnahme an den internationalen Meisterschaften so hoch geschraubt, dass die meisten Athleten von uns durch die überhöhten Normen zum Doping-Missbrauch gezwungen wurden. Auch die Verbandsärzte und Trainer, die bei diesem Unternehmen mitmachten, luden große Schuld auf sich. Und weil man den Dreck auf einer Treppe von oben nach unten kehrt und nicht umgekehrt, ist der einzelne Athlet das letzte Glied in dieser Doping-Kette.“

„Sportgeschichte ist auch eine des Betrugs und der Manipulation“

Und weiter: „Ich freue mich, dass ich wieder ein wenig zur Aufklärung der deutschen Dopingvergangenheit beitragen kann. Die Geschichte des Hochleistungssports ist nämlich nicht nur eine Geschichte großartiger Leistungen von herausragenden Persönlichkeiten, die Geschichte des deutschen Hochleistungssports ist auch eine Geschichte des Betrugs und der Manipulation.“
Mit den blau unterlegten Verlinkungen geht es zum entsprechenden Beitrag auf der Netzseite des Gymnasiums und dem Eintrag über Wagner auf Wikipedia.

Ex-Kugelstoßer Manfred Buchmüller tritt heute seine finale Reise an

(Wuppertal/Krefeld, 04. Februar 2019) Sterbeanzeigen pflegen einen in aller Regel durch persönliche Benachrichtigung oder die ominöse letzte Seite der lokalen Tageszeitung zu erreichen. Gerade bei verstorbenen Sportlern eine schiere Unmöglichkeit für die Angehörigen, alle ehemaligen Weggefährten über die eigene Stadtgrenze hinaus zu informieren. Wenngleich nicht unsere originäre Aufgabe, ist aber auch das Chronistenpflicht, gelegentlich als flankierende Maßnahme mitzuwirken. Erst recht in diesem traurigen Falle, wo mich mit dem Toten eine langjährige Freundschaft weit über die Leichtathletik hinaus verbunden hat.
Für zeitlich flexible Kurz- und Spätentschlossene, die unseren Nachruf nicht gelesen haben und ihm die letzte Ehre erweisen möchten: Der einstige Weltklasse-Kugelstoßer bei den Senioren, Manfred Buchmüller (*16.04.1943, †16.01.2019), ehedem Bayer Leverkusen, tritt heute (12 Uhr) auf dem Friedhof in Wuppertal-Ronsdorf, Lüttringhauser Straße 68, seine ultimativ finale Reise an. Dazu passt trefflich der gewählte Spruch von Philosoph und Mediziner Albert Schweitzer auf der Sterbeanzeige: „Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen seiner Mitmenschen“.

Sechs Deutsche bei Offenen Afrikanischen Senioren-Meisterschaften

(Tunis/Krefeld, 05. Februar 2019) Andere Länder, andere Sitten. Kontinente ebenfalls. Schauen wir mal über den eigenen Tellerrand hinaus und machen ein Minderheitenprogramm für die Interessierten, ohne deren Kreis einschätzen zu können. Andersgläubige dürfen es natürlich auch lesen. Vorausgeschickt, dass Afrika nicht das klassische Territorium für Hallen-Wettkämpfe in der Leichtathletik ist. Aber für unsereins mutet es in mancherlei Hinsicht schon sehr exotisch an, dass im Februar während des europäischen Winters und vor einer Hallen-Weltmeisterschaft mit Winterwurf im März eine kontinentale Stadion-Meisterschaft ausgetragen wird.
Selbst klimatisch lädt Tunis in Tunesien derzeit mit 11 Grad, allerdings plus, und Regenschauer nicht gerade zu sportlichen Höchstleistungen unter freiem Himmel ein. Genau da beginnen morgen die viertägigen 12.African Masters Athletics Championships, die offen ausgeschrieben sind. 353 Startwillige aus 20 Nationen haben dazu ihre Meldungen abgegeben. Und siehe an: Exakt die Hälfte der Nationen kommen aus nichtafrikanischen Ländern. Insgesamt sind es 33 Athleten/innen, darunter sechs aus Deutschland. Leider haben wir keine Meldelisten nach Klassen und Disziplinen ausfindig machen können, um zu sehen, welche neuzeitlichen Germanen sich denn dahin „verirrt“ haben.

LAC-Hallensportfest durch Europarekord von Guido Müller gekrönt

(Fürth/Krefeld, 03. Februar 2019) Ein exzellenter Ruf mit Klasseleistungen am laufenden Band eilt dem längst traditionellen Senioren-Hallensportfest des LAC Quelle Fürth voraus. Diesem hohen Anspruch wurde auch die 30.Auflage (!) gestern in der Leichtathletik-Halle am Finkenschlag gerecht. Und das bis hin zu einem neuen Europarekord. Den stellte Dauerbrenner und –renner Guido Müller (*1938) vom TSV Vaterstetten in 76,61 Sekunden (bislang 77,97) über 400 Meter der M80 auf. Dazu gab es noch zwei Beinahe-Bestmarken. Jan Schindzielorz (*1978) von der LG Forchheim schrammte in 8,13 Sekunden über 60 m Hürden um vier Hundertstel an seinem eigenen deutschen Rekord der M40 vorbei. Und nicht zuletzt attackierte Stammgast Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen dreimal, wenngleich vergeblich, den von ihm gehaltenen Hallen-Weltrekord (3,96m) der M65. Nach im zweiten Versuch übersprungenen 3,80m ließ der 66-Jährige im Kraftsparmodus gleich auf 3,97m legen. Das war womöglich der gewaltigen Steigerung von 17 Zentimetern ein wenig zu viel. Andererseits ein Indiz dafür, dass er sich diese Höhe zugetraut hatte. Denn er ist kein Typ der effekthaschenden Schau. 

„Alterspräsident“ Richard Rzehak wusste sich gut einzuschätzen

Kommen wir zu unserer selbst bestimmten Profession von Stoß und Wurf. „Alterspräsident“ Richard Rzehak (*13.10.1929) vom SC Preußen Erlangen hatte in unserer Vorschau so um die 7,50 Meter für seinen nationalen Einstand im Kugelstoßen der M90 ausgerufen. Obwohl der einstige Wurf-Allrounder diese Disziplin schon zwei Jahre nicht mehr trainiert hatte, wusste er sein Leistungsvermögen sehr gut einzuschätzen. Nach einer Art Steigerungslauf (6,43, 6,68, 6,90, 7,23 und 7,11m) erzielte der 89-jährige Erlanger im letzten Durchgang 7,31m. Das spricht zudem für seine Wettkampfhärte und den Erhalt der Anspannung.

Heike Martin rannte zweimal deutsche Jahresbestzeit

Neben vielen ansprechenden Zeiten, Höhen und Weiten seien stellvertretend noch zwei Spitzenleistungen einer pfeilschnellen Seniorin heraus gehoben. Heike Martin (*1972) vom LAC Erdgas Chemnitz katapultierte sich mit 8,05 Sekunden über 60 und 26,68 Sekunden über 200 Meter nach unserem Kenntnisstand jeweils an die erste Stelle der Jahresbestenliste in der W45.
Alle weiteren Resultate in der wieder einmal recht unsortierten SELTEC-Ergebnisliste. Weshalb ist es eigentlich nicht möglich, Männlein und Weiblein fein säuberlich voneinander zu trennen?