Alternative Frage: Haben Sie noch Sex oder spielen Sie schon Golf?

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 18. Mai 2014)
Zart besaitete Gemüter am Ende dieses Satzes bitte nicht weiter  lesen. Es wird fortan ein wenig schlüpfrig. Teilweise. Obwohl dieses Thema bei erwachsenen Menschen der Ü 30-Generation locker durchgehen müsste, ohne Sitte und Anstand zu gefährden. Wobei ich eh fein raus bin, da die Aussage unbekannter Herkunft eben nicht auf meinem Humus gewachsen ist. Als da wäre die alternative, mehr so rhetorische Frage: Haben Sie noch Sex oder spielen Sie schon Golf? Eine Anspielung auf das Alter des Gesprächspartners, der natürlich auch weiblich sein kann. Theoretisch und praktisch ginge auch beides. Nicht gleichzeitig, versteht sich. Aber hübsch nacheinander allemal. Dabei sollte über die richtige Reihenfolge allerdings genau nachgedacht werden.

Alt-Herren- und Reifere-Damen-SporteH

Dass nun ausgerechnet Golf der Aufhänger derartiger kleiner Gemeinheiten ist, kommt nicht von ungefähr. D
enn zumindest in der Breite handelt es sich um einen Alt-Herren- und Reifere-Damen-Sport der Betuchten und Bepelzten jenseits der Sechzig. Gerne auch Quereinsteiger/innen aus dem Tennis und Hockey (die immerhin schon das Ballgefühl haben – sollten), denen das irgendwann zu strapaziös und laufintensiv wird/wurde. Denn aus dem Stand lässt sich beides nicht ausüben, würde speziell beim Hockey auf wenig Verständnis bei den zehn Teamkameraden stoßen, die gleichzeitig mit auf dem Platz sind. Nicht, dass ich auch eine solch lang andauernde sportliche Vergangenheit hätte, schreibe ich dennoch nicht über des Kaisers Bart. Die „Weisheiten“ beziehe ich daher, dass ich bei schönem Wetter mehrmals wöchentlich in der Gastronomie mit herrlicher Außenterrasse des Golfclubs Stadtwald auf der Radtour mit meiner Boxerhündin Jolie zu einem Cappuccino einkehre. Da sehe ich halt, wer im unmittelbar daneben liegenden Clubhaus so alles ein- und ausgeht. Weit überwiegend Rentner- und Pensionärsklasse gehobenen Niveaus. Trotzdem nett und zuvorkommend, wiewohl ich, ohne Clubmitglied zu sein, inzwischen nicht nur beim Stammpersonal durchweg italienischer Herkunft bekannt bin wie ein bunter Hund. Nicht zuletzt wegen meines allseits beliebten Hundes, den ich stets im Schlepp habe und den im Gegensatz zu mir viele schon mit Namen kennen.

9-Loch-Anlage inmitten der Galopprennbahn
 
Wie komme ich selbst bei leidlicher Fantasiebegabung als bekennender Kugelstoßer, der freilich als Jugendlicher früher aktiv im Verein (Eis-)Hockey und Tennis gespielt hat, auf diesen Lesestoff sonntäglicher Unterhaltung für unsere 500 bis 750 Stammbesucher? Ganz einfach! Just heute von 14 bis 18 Uhr veranstaltet der besagte Club, der im Innenfeld der Krefelder Galopprennbahn, unbestritten eine der schönsten in Deutschland, ein 9-Loch-Anlage unterhält, einen Golf-Erlebnistag für Anfänger und Seiteneinsteiger. Mehr als eigene Sportkleidung, ein paar Stunden Zeit und bestenfalls ein bisschen Talent ist nicht mitzubringen. Alles andere wie Driver, Pitcher, Putter und was sonst noch so alles an Schlägern im Golfbag sein sollte, wird gestellt. Klar, Bälle ebenfalls. Ohne die macht es herzlich wenig Sinn.
Obwohl ich mich bislang standhaft geweigert habe, übrigens nicht wegen des Spruches, sondern der hohen Ansteckungsgefahr, auch nur einen Schnupperkurs in Sachen Golf  zu unternehmen, lasse ich mich wahrscheinlich diesmal hinreißen. Das wunderbare Wetter und die Neugier, wer da so alles auftaucht, laden förmlich dazu ein. Da setze ich mich schlicht über die eigenen Bedenken sowie die des früheren 17-m-Kugelstoßers und Allgemeinmediziners Wolfgang Knüll (*1946) vom LC Bonn hinweg, der da behauptet: „Alles was weniger als vier Kilo wiegt, taugt nicht zum Sport treiben.“ Es sei jedoch eingeräumt, dass ich trotz einer elf Jahre jüngeren Frau mit meinen 69 Lenzen nun mal irgendwie am Scheidepunkt angelangt bin. Was jetzt ausdrücklich nicht anzüglich zu verstehen ist.
In diesem Sinne einen zauberhaften Sonntag und eine erlebnisreiche, kurzweilige neue (Arbeits-)Woche!