Diskuswerferin Gabre Gabric verstarb im stolzen Alter von 101 Jahren

(Brescia/Krefeld, 18. Dezember 2015) Alt zu werden ist nicht nur eine Gnade, sondern auch ein Verdienst, entgegnet der einstige Wurf-Allrounder Philipp Frech aus Köln, wenn er auf seine strammen 95 Lenze angesprochen wird. Dennoch ist das Leben endlich. Für den einen früher, den anderen später. Frechs langjährige italienische Weggefährtin Gabre Gabric, Olympia-Teilnehmerin im Diskuswurf 1936 in Berlin, hat vorgestern im biblischen Alter von 101 Jahren für immer ihre Augen geschlossen. Der Dokumentarfilmer Jan Tenhaven widmete ihr einen kleinen, sehr persönlichen Nachruf, den wir nachfolgend im (deutschen) Wortlaut veröffentlichen:
Ciao, Gabre!
Im Alter von 101 Jahren ist heute morgen (Mittwoch, 16. Dezember 2015, die Redaktion) Gabre Gabric in ihrer italienischen Heimatstadt Brescia gestorben. „Sie ist ganz friedlich eingeschlafen, nachdem sie schon ein paar Tage infolge eines Schlaganfalles ohne Bewusstsein war”, teilte mir ihre Enkelin mit.
Gabre war eine der fünf Hauptfiguren in meinem Kinodokumentarfilm HERBSTGOLD. Ihr Alter war für die Diskuswerferin ziemlich relativ. Wenn sie loszog, um die Seniorengruppe in der örtlichen Turnhalle zu trainieren, sprach sie immer von den „alten Leuten” – dabei hätte sie deren Mutter sein können.
Ich bin sehr traurig, dass Gabre nicht mehr da ist. Aber auch sehr dankbar, dass ich sie kennen lernen durfte. Mit ihrem unnachahmlichen Charme, ihrer Intelligenz und ihrem großartigen Sinn für Humor hat sie unseren Zuschauern und Kinobesuchern auf der ganzen Welt ein Lächeln auf die Gesichter gezaubert.
Vielen Dank, Gabre!
Dein „German grandson”, wie Du zu sagen pflegtest.
Aber auch der Leichtathletik-Weltverband IAAF vergaß die große alte Dame nicht. Das hat Stil, wovon die hohen Würden- und Bürdenträger nicht nur, aber vor allem in jüngster Zeit jede Menge vermissen ließen.