Uferloser Flüchtlingsstrom: Dosis und Mischung machen das Gift

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld/Düsseldorf, 01. November 2015) Halloween. Hallo Berlin, setzte ich dem importierten us-amerikanischen Krawall-Brauchtum entgegen! Den Weckruf werden sie an den Stellschrauben der Politik in der Bundeshauptstadt allerdings nicht hören. Das muss indes niemanden daran hindern, seine Meinung öffentlich zu äußern. Mit Senioren-Leichtathletik hat das jetzt zwar nichts zu tun, geht uns aber letztlich alle an. Und ehe ich mich “ohne jede Not” auf sehr dünnes Eis begebe und womöglich in eine falsche Ecke gestellt werde, sei es die linke oder die rechte, schicke ich zum besseren Verständnis voraus, dass mir Elend, Pein und Trostlosigkeit auf der Welt, insbesondere von wehr- und hilflosen Kindern, nicht egal sind. Fremdenfeindlichkeit, egal welcher Hautfarbe und Religion die Mitmenschen aus aller Herren Länder angehören, ist mir fremd. Einschränkung: solange sie uns allen friedlich begegnen. Aber deshalb muss ich und auch sonst keiner die Augen verschließen oder gar nach Vogel-Strauß-Manier den Kopf in den Sand stecken. Mit Sozialromantik allein, die uns alle miteinander laut Wirtschaftsprofessor Hans-Werner Sinn pro Asylsuchenden 69.000 Euro jährlich kostet, wird sich der über unser anscheinend gelobtes Land, in dem unversiegbar Milch und Honig fließen, hereinschwappende Flüchtlingstsunami nicht bewältigen lassen. Wenn er in diesen Massen uferlos weiterströmt, werden wir unweigerlich auf eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes zusteuern.

Ausnahmslos kritische Leserstimmen

Die angesehene und häufig anderswo zitierte Rheinische Post (RP) mit Verlagsort Düsseldorf veröffentlichte vorigen Freitag eine Doppelseite mit 30 Leserbriefen. Die werden aus einer wahren Flut sicherlich in mancherlei Beziehung äußerst sorgfältig ausgewählt worden sein. Schließlich führt das Blatt im Untertitel auf Seite 1 die anspruchsvolle Bezeichnung “Zeitung für Politik und christliche Kultur". Gleichwohl waren es in ausgewogener Wortwahl mit sachlicher Argumentation ausnahmslos kritische Stimmen mit Überschriften wie “Das Boot ist voll“, “Politik versagt“, “Volksverdummung“, “Schön geredet“, “Sind wir zu doof?”, “Stark besorgt“, “Schnauze voll“, “Berechtigte Sorge“ und so weiter.
Der RP-Chefredakteur hält in seinem eingeblockten Leitartikel jedoch unverdrossen an seiner “Ihr-Kinderlein-kommet”-Parole fest. Er hätte die Leserbriefe nicht nur abdrucken lassen, sondern vorher auch lesen sollen. Wenn er lebt, was er schreibt, hat er im Park seines wahscheinlich hochherrschaftlichen Anwesens ein kleines Container-Dorf für Flüchtlinge eingerichtet.
Klarer Fall, jedem seine Meinung, mag er sie noch so exklusiv haben. Die Presse- und Meinungsfreiheit ist ein hohes, durch das Grundgesetz verbrieftes Gut und Recht (die Gewährung von Asyl freilich auch). Dennoch: Ein Mann in seiner Position kann die Verantwortung nicht den Lesern zuschanzen und selber eine Stimmungsmache betreiben und verbreiten, als wäre alles Eitel Sonnenschein und blindlings der ursprünglichen Merkel’schen Weissagung folgen, die da lautete: “Das schaffen wir schon.“

Achtung: Obendrein droht der November-Blues!
 
Es bedarf fürwahr keiner Schwarzmalerei, dass wir irgendwann auf einem Pulverfass sitzen werden, uns in unserem eigenen Land nicht mehr wohl und sicher fühlen. Bekanntlich macht überall die Dosis und die gefährliche Mischung das Gift. Die es sich leisten können, werden unweigerlich über eine Republikflucht nachdenken. Das wird den allermeisten sehr bekannt vorkommen, ist von Ost- nach Westdeutschland noch gar nicht so lange her. Wobei dieser Vergleich natürlich gnadenlos hinkt und sich ausschließlich auf das bestimmte Wort bezieht. Das war eine vollkommen andere Situation. Und dass ich ein glühender Anhänger der Wiedervereinigung bin habe ich zuletzt mit Nachdruck am “Tag der Deutschen Einheit” an dieser Stelle geäußert.
Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen einen besinnlichen Sonntag an Allerheiligen und eine schöne erste Woche im oftmals tristen elften Monat des Jahres mit dem berüchtigten “November-Blues”!