DLV noch weltfremder und der Wirklichkeit entrückter als der Vatikan

Kolumne

Moment mal

(Krefeld/Stendal, 14. August 2015) Schicken wir zum besseren Verständnis voraus, dass Siegfried „Siggi“ Wille, vielen in der Szene bestens bekannt als rühriger Macher des Stendaler LV in Sachsen-Anhalt, auf der Netzseite seines Klubs folgenden Beitrag mit Überschrift und Unterzeile veröffentlichte:

Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!

Verband darf 6. Zwergen-Olympiade so nicht mehr genehmigen


(swi) Ich glaube im falschen Film zu sein…
 „Die Winckelmann-Games mit der 6. Zwergen-Olympiade können so nicht genehmigt werden“, teilte der Wettkampfwart des BFV Magdeburg an die Adresse des Stendaler LV'92 mit. Der Wettkampfwart ist ein in Stendal überaus geachteter Mann, der selbst die richtige Leichtathletik (auch in Sachsen-Anhalt) noch kennt. Aber er muss sich an den Beschluss der Mitgliederversammlung des Landesverbandes vom 10. April 2015 halten. Dass der Beschluss unter größten Bedenken verabschiedet wurde, ist da schon nebensächlich. Armer DLV mit armen Landesverbänden, die sich diesem Beschluss beugen. Da versteht man schon, warum der DLV kaum über die WM der Seniorinnen und Senioren in Lyon informiert. Man soll sich als Freund der Leichtathletik schon daran gewöhnen, dass es in Deutschland (DLV-Tarnname „Germany") nach Harting und so weiter keine Medaillengewinner bei OS, WM und EM mehr geben darf. In Zeiten, in denen zum Beispiel die Fußballer fast schon vor den Entbindungsstationen ihre Talente (die gar keine sein müssen) an ihre Sportart binden, verbietet der DLV für Kinder den sportlichen Vergleich im traditionellen Sprint, Sprung und Wurf. Wer soll das noch verstehen? Bleibt bei mir die Angst, auf DLV-Beschluss beim 4.Stendaler Hanse-Cup statt Zehn- und Siebenkampf das Eierlaufen und Sackhüpfen auszuschreiben. Aber dann ohne uns ...!!! – Zitat Ende.

Funktionierende Basis wird ohne jede Not zerstört

Die Diktate des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) greifen nun auch in die noch funktionierende Ebene der Basis ein, da, wo unsere Leichtathletik beginnt und wo noch mit Spaß und Freude unsere Sportart vermittelt wird. Da sagt also ein Landesverband – auf Geheiß von oben – eine höchst beliebte und mit 19 Wiederholungen etablierte Veranstaltung für Kinder ab. Hallo! Geht’s noch?
Wie weit will es dieser Verband noch auf die Spitze treiben? Wettbewerbe müssen uniform sein, so wie es das Darmstädter Ignoranz-Gremium will. Dagegen hält der sich nicht an Wettbewerbe, die beispielsweise die World Masters Athletics (WMA) in Generalversammlungen verabschiedete, bei denen DLV-Vertreter teilgenommen, abgestimmt und mit beschlossen haben. Dafür aber wird Druck ausgeübt (wider besseren Wissens bei den Kaufkollektionen der Pseudo-Nationaltrikots ohne Bundesadler), damit die Kasse klingelt und der US-Ausrüstungssponsor jubiliert ob seines willfährigen Partners aus „Good old Germany“.
Verlasst euch drauf, dass die Schrauben künftig noch enger gestellt werden. Demnächst werden Leistungen und Rekorde nicht mehr anerkannt, weil der Mattenhersteller bei Hoch- und Stabhochsprung nicht im Sponsoren-Pool des DLV ist; da wird der Weitsprungrekord nicht notiert, weil die Körnung des Sandes nicht mit der übereinstimmt, die der bevorzugte Lieferant (= Sponsor des DLV) vorgegeben hat; Hürdenleistungen entfallen, wenn der Sportartikelhersteller nicht beim DLV angemeldet ist und auf der VIP-Tribüne (Beispiel DM in Nürnberg: amputierte Weitsprung-Wettbewerbe auf dem Hauptmarkt beim 250.000 Euro teuren Sponsorenspektakel) gesessen hat. Und so weiter und so fort. Und letztendlich wird es auf dem Veranstaltungsberichtsbogen eine Extra-Spalte geben, wo eingetragen und per Zertifikat amtlich bestätigt werden muss, ob die örtlichen Werbeflächen alle fein säuberlich abgehängt waren wie einst bei der Senioren-DM in Erfurt.

Es wird auf Teufel komm raus verschlimmbessert


Der nationale Dach- und Fachverband ist noch weltfremder und der Wirklichkeit entrückter als der Vatikan. Da wird im Sandkasten des Alzheimergassls, pardon: der Alsfelder Straße, in Darmstadt
mit (Re-)Förmchen gespielt, auf Teufel komm raus verschlimmbessert und buchstäblich das Kind (siehe oben) mit dem Bade ausgeschüttet.
Qua vadis (Wohin gehst du) einstmals schöne deutsche Leichtathletik? Schnurstracks den Bach runter. Das ist keine Mutmaßung, sondern eine nicht allzu kühne Vorhersage.