Einstiger "Herr der Ringe" vollendet heute sein 65. Lebensjahr

(Krefeld/Melsungen, 11. August 2015) Er war dereinst ein Dauerbrenner unter den Diskuswerfern der absoluten Weltklasse, blieb seiner Disziplin im nahtlosen Übergang von der Männerklasse auch bei den Senioren treu und war sich nicht zu schade, bei nationalen und internationalen Titelkämpfen der Ü-35-Generation in den Ring zu gehen. Erfolgreich, versteht sich. Der Name dazu ist Alwin J(osef). Wagner, der heute im heimischen Melsungen bei Kassel das 65. Lebensjahr vollendet. Ein „Ereignis“, das einstmals der Türöffner für den Ruhestand war. Den hat Alwin allerdings als Polizei-Hauptkommissar a.D. schon ein paar Jahre früher einläuten können. Durch schwere Krankheiten gebeutelt nicht immer nur zu seiner puren Freude. Aber auch hier bewies der gläubige, praktizierende Katholik Steherqualitäten und überstand mehrere Fegefeuer auf Erden als wäre nichts gewesen.
Dazu passt auch, dass er sich vom Saulus zum Paulus wandelte. Stets mit allen Dingen sehr offensiv umgehend, räumte er bereits während seiner aktiven Zeit ein, dass er einige Jahre auf „sanften Druck“ hin mit anabolen Steroiden nachgeholfen habe. Kaum einer wollte es hören, geschweige denn als Warnsignal wahrnehmen. Nicht erst seit heute ist er ein vehementer Streiter im Kampf gegen Doping, hält Vorträge an Schulen und ist gefragter Interview-Partner der Medien, wenn es um dieses Thema geht. Auf Lampis veröffentlichte er dazu im März dieses Jahres im Fenster „Flurfunk“ eine Trilogie mit autobiografischen Zügen.

Fünfmal in Serie Deutscher Meister


Früh geläutert, feierte Alwin seine größten Erfolge als „sauberer Athlet“. Fünfmal in Serie, von 1981 bis 85, wurde er als Herr der Ringe Deutscher Meister im Diskuswurf. Seine Lebensbestleistung von 67,80m stellte er 1987 fast 37-jährig auf, warf mit 42 noch über 60 Meter (61,94m). Die Marke übertraf er als Endergebnis, und noch mehrmals innerhalb, in weit über 100 Wettkämpfen. Sportliche Nackenschläge blieben ihm allerdings ebenfalls nicht erspart. Als Mitfavorit gehandelt, wurde der Hesse, der in seiner besten Zeit für den USC Mainz startete, bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles „lediglich“ Sechster. Obwohl 1988 für Seoul als zweitbester deutscher Diskuswerfer der Saison qualifiziert, wurde er als angeblich "perspektivlos" (richtiger wäre: unbequem) nicht nominiert. Der DLV schon immer das bekannte (Un-)Wesen.
Schier unmöglich, seine lange Karriere und sein pralles Leben selbst nur ansatzweise nachzeichnen zu wollen. Stammbesucher von Lampis haben zudem bei anderen Gelegenheiten immer wieder mal etwas über und von ihm gelesen. Zuletzt im April 2015. Da hat er in Latsch (Südtirol) einen siebentägigen Trainingsaufenthalt von acht Senioren der Sparte Stoß/Wurf geleitet. Was beweist, dass er seiner großen Leidenschaft Leichtathletik stets treu geblieben ist. Darüber hinaus ständig in seinem Heimatort Melsungen.
Für Fachleute noch ein paar Eckdaten aus seiner sportlichen Vita: Bankdrücken 215kg im Wettkampf (Kraftdreikampf), 230kg im Training, Tiefkniebeuge 315kg im Wettkampf, 330kg im Training, Reißen 140kg, Umsetzen 170kg, 50m 6,0 sec., 100m 11,20 sec., Standweitsprung 3,67m, Fünferhop (Hockstrecksprünge vorwärts) 19,00m, Zehnerhop 37,75m.
Und zu guter Letzt der Mensch Alwin J. Wagner: Lebensfroh, humorvoll, aufgeschlossen, um- und zugänglich, ein Mordskumpel und -Typ, eben ein Werfer wie du und ich, dazu ein liebevoller Ehemann und – Nachwuchsförderung wörtlich genommen –  treu sorgender Vater von vier inzwischen erwachsenen Kindern. Diese Charakterisierung erlaube ich mir einfach, der ich Alwin seit Anfang der siebziger Jahre persönlich kenne und schätze.
Bleib, wie du bist, und natürlich auch von dieser Stelle „Herzlichen Glückwunsch“, lieber Alwin!