Sportsch(l)au: Es gilt abzuwägen, nach dem Essen zu schwimmen

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(Köln/Krefeld, 13. Juni 2015) Es kursieren eine Menge Sportirrtümer, die so lange kolportiert und transportiert werden, dass sie irgendwann Mythenstatus erlangen, also für bare Münze genommen werden. Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse (im Bild) von der Deutschen Sporthochschule Köln, früherer Klasse-Sprinter beim einstmals ruhmreichen ASV Köln, nimmt sich derartiger Vorurteile im WDR2-Hörfunk und ARD-Morgenmagazin unter der Rubrik „Sportsch(l)au“ an. Mit seiner freundlichen Genehmigung werden wir in loser Folge diese Beiträge veröffentlichen, wobei wir aus Platzgründen gelegentlich den Sinn wahrende Kürzungen vornehmen. Das ist nunmehr das 67. Kapitel zu diesem Themenkomplex und passt vortrefflich zur Jahreszeit. A.H.
Es ist bald Sommer. Wenn der ausnahmsweise auch noch schön werden sollte und das aktuelle Hoch keine Eintagsfliege ist, verbringen viele Familien ihre Freizeit an See und Meer oder im Schwimmbad. Da wird so einiges zum Ort des Vergnügens geschleppt, was für Kurzweil und Abwechselung sorgt. Mindestens aber auch eine Kühlbox voller Leckereien, damit man den lieben langen Tag bei Sport, Spaß und Spiel ohne großen Verlust an Körperfülle übersteht. Doch das viele und üppige Essen hat einen großen Nachteil, weil nach der Nahrungsaufnahme im Wasser der Kollaps droht. So jedenfalls haben Generationen von Müttern ihre Kinder gewarnt. Denn Essen und Schwimmen vertragen sich nicht, zwei Stunden Pause sollten also vor dem Sprung ins Wasser zur Abwendung gesundheitlicher Risiken eingelegt werden. Schließlich warnt auch die DLRG in ihren Baderegeln: Niemals mit vollem oder ganz leerem Magen baden!
Generell muss man sich jedoch die Frage stellen, was man unter einer Mahlzeit und unter Schwimmen versteht. So macht es einen erheblichen Unterschied aus, ob ein Apfel, ein paar Süßigkeiten,  vielleicht eine kleine Portion Pommes vor dem Sprung ins hier zu Lande meist kühle Nass verzehrt wurde oder ob es eine üppige, fettreiche Mahlzeit war, die uns pappsatt macht. Sollten Sie also richtig schwimmen wollen, so haben Sie dazu nach einer größeren Nahrungsaufnahme wahrscheinlich sowieso keine Lust, weil die Leistungskraft Sie vorübergehend verlässt und Trägheit sich breit macht. Geht es aber nur um Planschen oder eine Abkühlung, steht dem Aufenthalt im Wasser, auch bei Kindern, eigentlich nichts im Wege.
Ansonsten viel Spaß im Wasser, und überhaupt: die größere Gefahren beim Baden sind ohnehin Selbstüberschätzung und Leichtsinn!