DLV wurde es zu mulmig: Außerordentliche Sitzung des Verbandsrates

Kolumne

Das Wort zum Pfingstmontag

(Darmstadt/Krefeld, 25. Mai 2015)
Schön, dass wir wieder einmal zum dramaturgisch richtigen Zeitpunkt den Finger in die Wunde gelegt haben. Zugegebenermaßen war das nicht allein unser Verdienst, hat womöglich die Rechtsanwaltskanzlei Eckert & Wisser ganz bewusst ihre Veröffentlichung zum vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geplanten Finisher-Euro an diesem Tag platziert (wir berichteten). Denn just an Pfingstsamstag hatte der DLV seine 20 Landesfürsten zu einer Außerordentlichen Sitzung des Verbandsrates gebeten. Unter Tagesordnungspunkt 4 stand das Thema „Gebühren“ auf der Agenda. Es darf gemutmaßt werden, dass den Verantwortlichen aufgrund des allenthalben und allerorten auftretenden Widerstandes der Allerwerteste gehörig auf Grundeis geht. Wenngleich DLV-Chef Clemens Prokop als Präsident des „Königlich Bayrischen Amtsgerichtes“ in Regenburg nicht mehr im operativen Tagesgeschäft tätig ist, muss er als studierter Jurist, ehemaliger Richter und Staatsanwalt wissen, dass diese „neue Erfindung“ zur Mehrung der klammen Kasse rechtlich auf tönernen Füßen steht. Und das ist noch höchst zurückhaltend formuliert.

Juristen einhelliger Meinung


Die Kanzlei Loeper & Partner in Neubrandenburg kommt auf Anfrage des Leichtathletik-Verbandes Mecklenburg-Vorpommern in ihrem detaillierten, ausführlich begründeten sechsseitigen (!) Antwortschreiben vom 12.März 2015 gleichfalls zu dem Ergebnis, dass die vorgesehene Finisher-Gebühr rechtswidrig sei/wäre. Kaprizieren wir uns auf das fünf Punkte umfassende Fazit:
1
. Eine gesetzliche Grundlage für die Erhebung der Finisher-Gebühr existiert nicht.

2. Den Regeln des DLV sind nur seine Mitglieder unterworfen. Nichtmitglieder, insbesondere kommerzielle Anbieter, unterliegen nicht der Satzungsgewalt des DLV.

3. Der Beschluss des Verbandsrates des DLV zur Erhöhung der Finisher-Gebühr ist gegenüber den Sportvereinen nicht wirksam, sondern bedarf noch einer Umsetzung durch einen entsprechenden Beschluss der Landesverbände.

4. Die Einführung einer Genehmigungspflicht für sämtliche Volks- und Straßenläufe mit einer Finisher-Gebühr von 1€ verstößt gegen das Verbot der wesentlichen Pflichtenmehrung und bedarf zu ihrer Wirksamkeit der Zustimmung jedes betroffenen Mitglieds.

5. Die geplante Finisher-Gebühr stellt eine unzulässige Ungleichbehandlung gegenüber den Veranstaltern von Stadionwettkämpfen dar und dürfte gegen das Kostendeckungsprinzip verstoßen.

Wer nicht mit der Zeit geht, wird mit der Zeit gehen (müssen)


Ganz
bewusst haben wir bis heute mit unserem Nachschlag zur Sache abgewartet. Doch wie bei der Service- und Kommunikationswüste DLV richtig angenommen, hält er auf seinem Interportal die Angelegenheit erstmal (?) hübsch unter der Decke. Dass ist die typische Vorgehensweise der (un-)verantwortlich handelnden Personen durch Unterlassen eine stets heile (Verbands-)Welt vorgaukeln zu wollen, die es in Wirklichkeit selbstverständlich nicht gibt. Und was macht der aus dem Läuferlager kommende Senioren(ver)sprecher mit dem eigentlich verpflichtenden Nachnamen eines Götterboten? Richtig geraten: er wählt auch das Drei-Affen-Prinzip, schweigt sich auf seiner Verharmlosungsnetzseite linientreu aus, als habe er EMA-Präsident Kurt Kaschke gleich eine Verpflichtungserklärung unterschrieben, stets zum Wohle des DLV zu agieren. Wer nicht mit der Zeit geht, wird mit der Zeit gehen (müssen). Trifft für beide Letztgenannten und auch Prokop zu.
In diesem Sinne noch einen schönen Pfingstmontag und eine gedeihliche verkürzte 22. Kalenderwoche!