Drehstoßer Thomas Schmitt vollzog eine wundersame Kehrtwendung

Kolumne

(Venlo/Krefeld, 23. April 2015)
 Rückblende: Vor gut einem Monat katapultierte sich Drehstoßer Thomas Schmitt (im Bild) vom LT DSHS Köln beim Frühjahrswerfertag in Übach-Palenberg bei Aachen mit einer wundersam anmutenden Steigerung seiner persönlichen Bestleistung (19,07 m aus 2013) auf 21,35 Meter in die Weltklasse. Geht das überhaupt, kann das sein, ging da alles mit rechten Dingen zu? Mit den ungläubigen Zweiflern aus der Werferszene und der Fachwelt hätte vermutlich eine mittelgroße Veranstaltungsarena wie die Essener Grugahalle (Fassungsvermögen 7.700 bestuhlte Plätze) gefüllt werden können. Doch an der Ordnungsmäßigkeit der Weite gibt es in allen denkbaren Belangen absolut nichts zu deuteln (wir berichteten). Schmitt selber bot sich sogar an eine von der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) unverständlicherweise abgelehnte Dopingkontrolle durchführen zu lassen, um zu beweisen, dass er „sauber“ ist. Sonnenklar war allerdings für Insider, dass der 26-jährige Senkrechtstarter sportlich betrachtet fortan mit einem ziemlichen großen und schweren Rucksack durch die Gegend laufen würde. Der Vergleich zu Weitspringer Bob Beamon wurde von uns bemüht, der an den 8,90 Meter von seinem Olympiasieg 1968 in Mexico City letztlich mental zerbrach und daran nicht einmal mehr annähernd herankam. Höhenluft hin oder her.
Ohne das Kind allzu frühzeitig mit dem Bade auszuschütten, war dieser Vergleich zumindest nach dem ersten Eindruck offenbar nicht zu weit hergeholt. Denn nunmehr wurde es in die Gegenrichtung wieder wundersam um Schmitt. Beim Jubiläumswerfertag für Scopias-Urgestein Jacques „Jac“ Janssen am 18.April 2015 in der beschaulichen Abgeschiedenheit der niederländischen Grenzstadt Venlo stieß er 17,40 Meter. Das ist jetzt kein Druck- oder Übertragungsfehler, sondern mittels Online-Ergebnisliste verbrieft. Wie kommt dieser erdrutschartige Einbruch zustande? Was hat ihn überhaupt bewogen, eine für ihn inzwischen dermaßen unterirdische Weite messen und mithin in die Wertung eingehen zu lassen? Der gute Mann studiert Physik, schreibt derzeit seine Masterarbeit. Da darf getrost unterstellt werden, dass bei ihm zwischen den Ohren im Oberstübchen alles stimmt. Einen grottenschlechten Tag kann er auch nicht erwischt haben. Das beweisen für ihn respektable 53,06m mit dem Diskus.
Ohne ihn jetzt ständig an diesem Glücksstoß von 21,35 Meter festmachen zu wollen, legen wir mal die vor Übach im Training häufiger von ihm knapp überwundene 20-m-Marke zugrunde, die er unmittelbar vor dem Kracher mit 19,94m im dritten Durchgang auch bestätigte. Danach hätte er mit diesen ominösen 17,40m lediglich 87 Prozent seines „wahren“ Leistungsvermögens erreicht. Das wäre gerade so, als würde der 40-jährige „Mr. Zuverlässig“ Andy Dittmar aus Gotha statt seiner Standardweite von etwa 18 Metern nur 15,66m stoßen. Unvorstellbar, undenkbar! Die erzielt er kurz nach dem Wecken mitten in der Nacht und im Dunkeln. Jede Wette!
Jetzt fällt mir noch Bob Beamon ein...