Absehbare Entwicklung wurde nunmehr de jure auf den Weg gebracht

(Darmstadt/Krefeld, 01. April 2015) Meist werden bei derlei elementaren Änderungen Superlative bemüht. Die Palette reicht rauf und runter von sensationell bis revolutionär. Aber wir bedienen uns in dieser Angelegenheit des rhetorischen Flachpasses. Denn für die nach rund 420.000 Senioren/innen zählenden Insider war diese Entwicklung spätestens seit Beginn der „kulturellen Selbstverleugung“ im Olympiajahr 2012 absehbar. Bekanntlich wurden die bundesdeutschen Leichtathleten dem Diktat des us-amerikanischen Ausrüstungssponsors folgend fortan mit dem Schriftzug GERMANY auf der Trikotbrust und dem Trainingsanzugrücken etikettiert. Deutschland, unser einig Vaterland, ein weltweit beneidetes Markenzeichen und Gütesiegel, hatte ausgedient. Beim DLV zumindest. Später sollte auch die international startende, sich jedoch selber entsendende Ü-35-Generation in ein solches Leibchen neuer Zeitrechnung genötigt werden. Erfreulicherweise trotz aller Einschüchterungsversuche und Drohgebärden nicht mit dem er- und gewünschten (kommerziellen) Erfolg für die Marketing-Tochter. Anders formuliert: Kläglich gescheitert.

Vorgang bereits beim Amtsgericht anhängig

 
Dieser moderate (Weitsprung-)Anlauf war zum besseren Verständnis nötig, bevor wir nunmehr die Katze aus dem Sack lassen. Der ohnehin schon von Anglizismen durchdrungene, richtiger restlos verseuchte Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat eine Umbenennung seines Namens beantragt. Dieser Vorgang ist bereits beim Vereinsregister des zuständigen Amtsgerichtes Darmstadt unter dem Aktenzeichen (AZ) 153-03/2015 anhängig. Es wird jetzt Szenekenner nicht wirklich überraschen, dass das alte Gebilde mit neuem Anstrich „German Athletics Association“ heißen soll. Da bekommt der Begriff Made in Germany eine ganz neue (Be-)Deutung. Von wegen Made im Speck.
Das hat zunächst das DLV-Präsidium unter Vorsitz seines Präsidenten Clemens Prokop so entschieden. Dieses Gremium vergewisserte sich im Anschluss daran in einer vorher anberaumten Telefonkonferenz mit den 20 Landesfürsten nach entsprechender Diskussion deren Zustimmung. Dabei kam mit den Gegenstimmen vom Nordrhein, Westfalen, der Pfalz und Bremen ein mehrheitlicher Beschluss und mithin angenommene Satzungs-/Namensänderung zustande.
Damit ist die Sache wasserdicht und soll zum 01. Juli 2015 umgesetzt werden. Es sei denn, dass Amtsgericht meldet rechtliche Bedenken an. Die sollte allerdings Prokop als ehemaliger Richter am Landgericht Landshut und heutiger Amtsgerichtspräsident in Regensburg bei der Antragstellung bedacht und im Zweifelsfalle ausgeräumt haben. Ein Knackpunkt in dieser Hinsicht könnte freilich die Einführung von Englisch als Amtssprache sein. Obwohl die de facto bereits besteht und nur noch de jure vollzogen werden müsste.

McKinsey wird den Laden gehörig umkrempeln

Wie wir aus bestens informierten höchsten Kreisen des DLV erfahren haben, die wir aus Gründen des Vertrauens- und Informantenschutzes selbstverständlich nicht nennen, will der Sponsor mit dem berühmten Fleischerhaken als Logo (oder was ist es sonst?) seinen ohnehin schon großen Einfluss weiter ausgebaut sehen. Dies ist Voraussetzung dafür, den Etat aufzustocken, um den nationalen Dach- und Fachverband kurz- bis mittelfristig aus der Umklammerung „griechischer Verhältnisse“ des drohenden finanziellen Kollaps’ zu befreien. Dies würde bedingen, dass die in 52 Ländern vertretene amerikanische Unternehmens- und Managementberatung McKinsey in der Geschäftsstelle das Unterste nach oben krempelt. Da werden wohl ungemütliche Zeiten für die 40 hauptamtlichen Mitarbeiter aufziehen, die bis auf die Reinigungskraft und Rezeptionistin ausnahmslos Referatsleiter und Direktoren beiderlei Geschlechts sind und folglich das Gehaltsgefüge gehörig aus dem Ruder laufen lassen.
Ohne hier Kündigungen oder wegfallenden Neueinstellungen bei Mutterschutz, Altersteilzeit und Verrentung das Wort reden zu wollen, gehört auch noch so manch andere Ungereimtheit und Unzulänglichkeit auf den Prüfstand. Lampis-Leser wissen mehr. Aber das ist ein Thema für sich. An diesem bleiben wir natürlich dran. Das sind wir allein unserem guten Ruf investigativer journalistischer Recherche schuldig.