Eine ganz bittere Pille aus dem Giftschrank des DLV

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Kolumne

Das Wort am (Oster-)Sonntag

(Krefeld, 20. April 2014)
Passt zu Ostern, fand jedoch schon weit vorher statt. Deshalb ist es auch kein Oster-, sondern ein Kuckucksei, das der glorreiche Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) seinen Senioren/innen da ins Nest gelegt hat. Das gilt es nun fremdbestimmt auf Gedeih und Verderb auszubrüten. Es bedarf keiner Propheten, um Verderb vorauszusagen. Dass nunmehr das neue Baby, auf jeden Fall eine Frühgeburt aus dem Referat Wettkampf-Organisation von Frank O. „Napoleon“ Hamm (im Bild), auf den Namen „Team-DM Senioren“ getauft wurde, darüber könnte noch milde lächelnd hinweg gesehen werden. Wenn da der große Rest nicht so radikal und unausgegoren geändert worden wäre. Er konterkariert schlicht den ursprünglichen und eigenständigen Charakter eines Mannschaftswettbewerbes.
Es fängt damit an, dass die jeweils beiden Erstplazierten des Vorjahres in jeder Altersklasse automatisch für das Finale auf Bundesebene vorqualifiziert sind. Das ist gerade eingedenk der Fluktuation bei den Sen
ioren/innen durch den vorbestimmten Altersklassenwechsel und sich häufig wechselnder Startgemeinschaften kompletter Unsinn. So versperren womöglich inzwischen „amputierte“ Teams, so sie nicht verzichten, besseren Klubs/Startgemeinschaften auf den Ranglistenplätzen fünf und/oder sechs den verdienten Einzug in das Sechserfeld des Endkampfes. Es darf in der Leichtathletik keine Freifahrtscheine geben. Dass der/die Weltmeister/in bei den Männern/Frauen bei den nächsten Titelkämpfen ein verbrieftes zusätzliches Startrecht über das Kontingent seiner/ihrer Nation hinaus hat, ist nicht vergleichbar. Schließlich sind sie nicht für die jeweiligen Finals gesetzt, müssen sich vielmehr im besten Falle ganz normal dorthin vorkämpfen.
Wer eine Steigerung aus dem Kuriositäten-Kabinett nicht für möglich gehalten hätte, der wird sogleich bitter enttäuscht oder gehörig überrascht sein. Denn nun kommt im übertragenen Sinne Günter Jauch ins Spiel, weht ein Hauch von „Wer wird Millionär?“ über der einstigen Deutschen Altersklassen-Mannschaftsmeisterschaft (DAMM). Es kann so eine Art Telefon-Joker gezogen werden, bei dem nicht einmal der Fachmann des Vertrauens angerufen werden muss. Stattdessen erklärt der Mannschaftsführer vorher, in welcher nach der so genannten Papierform siegträchtigen Disziplin der Joker gesetzt wird. Da
s verdoppelt die erreichte Punktzahl, die von Platz eins bis zwölf über 15, 13, 11, 9 bis weiter absteigend 1 geht. Damit nicht genug: das in der Addition beider Teilnehmer niederigste Ergebnis wird einfach mal so locker ausradiert. Geht’s noch? Mannschaften, die nach der herkömmlichen Wertung (die weiterhin für die Qualifikation und Endkämpfe auf regionaler Ebene Gültigkeit hat/haben muss) insbesondere mit ihrer großen Ausgeglichenheit unterhalb der absoluten Spitze trumpften, werden gleich doppelt bestraft. Da fühlt man(n)/frau sich in die Schulzeit zurück katapultiert, wo ein unliebsames Fach abgewählt werden konnte, um sich den Notenschnitt für den Numerus clausus nicht zu versauen.
Kurzum: dieses Verfahren zur Ermittlung der Mannschaftsmeister ist ein unsäglicher Mischmasch von Absurditäten. Immerhin tröstlich, wenngleich brotlos, dass etwas Neues schon vor der Nagelprobe in selten erlebter Einmütigkeit dermaßen in Frage gestellt worden ist. Charmant formuliert. Schenken wir uns, den unverantwortlic
h Handelnden und den vielen „hirntoten“ Abnickern des dreiseitigen Pamphlets aus dem Hamm’schen Versuchslabor, richtiger: Giftschrank, beim DLV-Verbandsrat am 05. Juli 2013 jetzt die unzähligen Verrisse. Um ehrlich zu sein, weil uns der Platz für diese Kolumne just an dieser Stelle ausgeht.
In diesem Sinne einen schönen Oster-Sonntag und eine schaffensreiche verkürzte Arbeitswoche für die noch Werktätigen!