Lampis lässt im Konflikt wider das Germany-Trikot nicht locker

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Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 04. Januar 2015)
Offenbar haben wir mit der leidigen Trikot-Frage bei internationalen Starts von Senioren/innen eine Lawine losgetreten. Obwohl die meisten „zwischen den Jahren“ sicherlich Besseres und Wichtigeres vorhatten, als sich an PC oder Smartphone zu setzen und ihre Gedanken dazu mitzuteilen, war die Resonanz nicht nur überwältigend, sondern sehr konstruktiv und mit vielen interessanten Denkanstößen garniert. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass sich erfahrungsgemäß eher jene äußern, die sich beschwert fühlen. Da keine Antwort bekanntlich auch eine Antwort ist, gehen wir getrost davon aus, dass unsere im Durchschnitt 1.200 Besucher täglich ausnahmslos gegen die „kulturelle Selbstverleugung“ sind, wie es Wurf-Allrounder Torsten Lange formulierte, sich vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) in ein Leibchen mit dem Schriftzug GERMANY auf der Brust nötigen zu lassen.
Wenn nicht wir, wer sonst, macht in der Sache selbstverständlich weiter und sich in Geschäftsführung ohne Auftrag zum Anwalt der starken Senioren-Fraktion?! Um es voraus zu schicken, sind auch wir gegen eine Trikot-Vielfalt. Das gibt schlichtweg ein schlechtes Gesamtbild ab, wenn beispielsweise vier Staffelläufer bei der Siegerehrung in vier verschiedenen Trikots auf dem Treppchen stehen. Allerdings sind wir mit der überwältigenden Mehrheit der Meinung, dass bei der vorgeschriebenen Neuorientierung mit dem Hinweis auf das internationale Regelwerk den Senioren/innen zu einem vernünftigen Preis ein Trikot mit der Aufschrift DEUTSCHLAND anzubieten ist. So heißt unsere Nation, das ist die überhaupt elementarste Eigenständigkeit im Innen- und Außenverhältnis, und soviel Identifikation mit dem eigenen, repräsentierten Land darf denn schon noch sein. Bei diesem Hintergrund bekommt das Zerreißen des Trikots durch Diskuswerfer Robert Harting eine ganz neue Dimension und Interpretation... 
Es war schließlich auch bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London so, ehe die bundesdeutsche Leichtathletik-Nationalmannschaft, vermutlich nach dem Diktat des neuen amerikanischen Ausrüstungssponsors (vorher Adidas), mit GERMANY auflief. Damals haben sich schon viele höchst verwundert die Augen gerieben, ob sie gerade einer Fata Morgana aufgesessen seien. Die Reaktion darauf waren etliche Kommentare von renommierten Publizisten wider dieses Schwachsinns. Darunter Jurist Rüdiger Nickel, der als ehrenamtliches Präsidiumsmitglied dem DLV immerhin mal sehr nahe stand (um zu diesem Beitrag zu gelangen, muss nach Anklicken der Verlinkung nach unten gescrollt werden).
Genützt hat es indes nix. Bei der WM 2013 und EM 2014 schlugen unsere Vorzeige(leicht)athleten männlich wie weiblich wieder in einträchtiger Selbstverleugung auf. Es muss auch sehr befremden, dass das Bundesministerium des Innern (BMI) eine derartige Verhohnepiepelung des Eigennamens zulässt. Der stolze Bundesadler in unmittelbarer Nachbarschaft des Logos des US-Sponsors und eben von GERMANY. Dazu muss man wissen, dass sich das BMI das Recht vorbehält, bei offiziellen Ländervertretungen im Sport den Bundesadler auf die Ausrüstung nehmen zu dürfen. Da muss wohl der zuständige Ministerial-Direktor oder wer auch immer Tomaten auf den Augen gehabt haben.
Je tiefer man in die Recherche einsteigt, umso mehr Ungeheuerlichkeiten treten zu Tage. Die Deutsche Leichtathletik-Marketing (DLM) ist die exklusive Vermarktungsagentur des DLV. Ein Gebiet davon: die Ausrüstung der Nationalmannschaften. Und nun wird’s interessant. Der Geschäftsführer ist seit 2009 Frank Lebert, der vorher bei dem besagten Sportartikelgiganten aus den Vereinigten Staaten Marketing-Direktor für Deutschland, Österreich, der Schweiz und Slowenien war. Noch Fragen, wie das Wort Germany auf die Ausrüstung kam? Es wäre doch geradezu absurd, wenn mit jedem Wechsel des Ausrüstungssponsors sich zugleich die Nationalitätenbezeichnung ändern würde. Das mit China und allgemein nicht zu identifizierenden Schriftzeichen hatten wir schon.
Bei näherem Hinsehen fällt weiter auf, dass der DLV bei gestellter und verkaufter Ausrüstung zweigleisig, also die Variante Original und Fälschung, fährt. Zu 1) wird sie seitenverkehrt von einem Bundesadler, zu 2) von einer kleinen Deutschland-Flagge oberhalb des ominösen, mehrfach genannten Nationen-Schriftzuges geziert. Die Ü-35-Generation ergo als Aktive zweiter Klasse. Der Fakt ist indes nicht neu. Unsere Nachbarn aus der Alpenrepublik sind da nicht so pingelig. Da ist der österreichische Bundesadler auf der Ausrüstung der Masters, wie wir unisono von unseren bevorzugt hammerwerfenden Mitgliedern Gottfried Gassenbauer (*1958) aus Wien, der muss es als mehrfacher Europa- und Weltmeister der Senioren wissen, und Albert Fichtner (*1944) aus München erfahren haben.
Was nun Lampis betrifft, werden wir viergleisig vorgehen: Unabhängig voneinander holen wir bei einem Richter a.d. und Oberstaatsanwalt a.d., beide ehemalige Leichtathleten, eine Expertise ein, ob mit dem Zwang in ein GERMANY-Trikot womöglich der (Straf-)Tatbestand der Nötigung gegeben ist. Darüber hinaus werden wir uns der politischen Schiene bedienen und eine Unterschriftenaktion initiieren. Da kann natürlich im Zuge der Solidaridität jede/r mitmachen. Müßig zu erwähnen, dass es potenziellen internationalen Startern unbenommen bleibt, ihrerseits diesbezüglich gegen den Dachverband eine Zivilklage anzustrengen.  
In diesem Sinne einen schönen Sonntag, eine ereignisreiche neue Woche und immer hübsch tapfer bleiben!