DLV nötigt EM- und WM-Starter in ein Trikot mit "GERMANY"

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 28. Dezember 2014)
Gebetsmühlenartig predigen Referatsleiter Jörg Erdmann vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) in Darmstadt, der profillose Senioren(ver)sprecher Alfred Hermes aus Jülich und die BA-Vorsitzende Margit Jungmann aus Rehlingen, dass deutsche Senioren-Leichtathleten den internationalen Regeln entsprechend künftig bei Europa- und Weltmeisterschaften in aktueller, einheitlicher Nationalmannschaftsbekleidung an den Start zu gehen haben. Als Verkaufsargument für die nur exklusiv über den DLV von dessen amerikanischen Ausrüstungssponsor zu erwerbenden, hoffnungslos überteuerten Textilien wurde gewissermaßen mit erhobenem drohenden Zeigefinger angeführt, dass bei Zuwiderhandlung sogar die Disqualifikation drohen könnte.
Aber was, wenn sich Athleten/innen aus tiefer innerer Überzeugung weigern, mit dem Schriftzug „GERMANY“ auf der Trikotbrust und wo sonst noch durch die Hallen und Stadien dieser Leichtathletik-Welt zu laufen, springen und/oder werfen? Erinnern wir uns daran, dass unsere Nation Deutschland und nicht Germany heißt und wir Deutsche und keine Germanen (mehr) sind. Nun soll besagter Personenkreis jedoch fortan mit „sanftem“ Druck in ein Leibchen und Trainingsanzugjacke aus den beiden letzten Kollektionen mit der Aufschrift GERMANY gezwungen werden. Dafür gibt es im Strafrecht einen Begriff der da Nötigung lautet. Ja, ehrlich, so einfach ist das: Der DLV will seine international starten wollenden Athleten nötigen. Wenn er, der Dachverband, wegen seines überpointierten Hanges, eigentlich ist es schon eine Phobie, zu Anglizismen seine Identität aufgibt, berechtigt ihn das noch lange nicht dazu, dies auch von seinen Aktiven zu verlangen. Dann hat er ihnen gefälligst eine adäquate Bekleidung anzubieten. Soviel Patriotismus, National-Bewusstsein und –Stolz darf schon noch sein, ohne gleich in die falsche Ecke gestellt zu werden. Gegen andere Länder sind wir in dieser Hinsicht geradezu Waisenknaben. Das gilt natürlich auch für das schönere Geschlecht.
Der 38-fache Stabhochsprung-Weltrekordler Wolfgang Ritte (*1953) aus Moers, der international übrigens noch mit dem Bundesadler auf der Brust aufschlägt, hat einen britischen Sportkameraden einmal gefragt, was er davon hielte, wenn er wegen eines etwaigen deutschen Sportausrüsters (käme Adidas oder Puma in Frage, die Redaktion) künftig mit Großbritannien statt Great Britain seine Königreich repräsentieren müsse. Der hat ihn völlig entgeistert angeschaut und geantwortet: „You are crazy?!“ Das muss jetzt sicherlich nicht übersetzt werden.
Unser hammerwerfender Gastautor Albert Fichtner (*1944) aus München formulierte es bei früherer Gelegenheit in einem Kommentar auf Lampis drastisch-sarkastisch sinngemäß mal so: „Sind wir froh, dass der DLV keinen chinesischen Sponsor hat. Sonst liefen wir mit asiatischen Schriftzeichen auf der Brust herum und keiner würde uns zumindest daran mehr erkennen.“ Die Beispiele könnten beliebig fortgesetzt werden, dass sich andere wegen einer handvoll Dollar nicht bevormunden und unterjochen lassen. Es ist im Übrigen auch nicht erforderlich, wie Dachorganisationen in anderen Sportarten, womöglich mit gleichem Sponsor, vormachen. Die erst gestern „Auf Schalke“ zu sehenden deutschen Biathleten/innen liefen treu und brav mit dem Schriftzug „DEUTSCHLAND“ durch den aus der Skihalle Neuss angekarrten Kunstschnee.
Es darf zudem füglich bezweifelt werden, dass die EMA oder WMA den Eklat wagen würde, einen Europa- oder Weltmeister deutscher Nationalität wegen eines Trikots mit „DEUTSCHLAND“ auf der stolz geschwellten Brust, egal ob mit oder ohne Körbchen verpackt, disqualifiziert. Ein Hinweis, allenfalls ein Verweis – das wär’s. Denn im  Eventualfalle ließe sich genau die gerade genannte Begründung ins Feld führen. Den Schwarzen Peter hat der DLV. Da hilft kein Pudern und kein Schminken. Punkt! Aus! Basta!
In diesem Sinne noch einen schönen letzten Sonntag anno 2014 und eine entspannte, jahresübergreifende neue Woche!