"Wahl" zu Senioren-Leichtathleten darf nicht zum Kuhhandel verkommen

(Darmstadt/Krefeld, 27. Dezember 2014) Mit schriller Begleitmusik ist die Proklamation zum Sportler des Jahres im Benazetsaal des Kurhauses von Baden-Baden über die Bühne gegangen. Das soll nicht wiedergekäut werden, da in den Print-Medien und auch bei uns hinlänglich darüber berichtet wurde. Dennoch mag es als mahnender Anschauungsunterricht dienen. Wenngleich es einige Etagen tiefer angesiedelt ist, steht noch die Wahl zu den Senioren-Leichtathleten 2014 männlich wie weiblich an. Obwohl „Wahl“ das falsche Wort ist. Denn nach noch bis 31.Dezember 2014 von jedermann/-frau beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) einzureichenden Vorschlägen bestimmt eine so genannte Experten-Kommission in einer Art Kuhhandel, wen sie als würdig ansieht. Dieses Prozedere ist streng genommen eine Farce, hat was von Deutschland sucht den Superstar (DSDS) von und mit „Fiesling“ Dieter Bohlen. Prompt löste es im Vorjahr heftige Diskussionen aus und zeitigte einen Schattenmann als „Gewinner der Herzen“. Der alle und alles nicht nur in seiner Spezial-Disziplin überragende Stabhochspringer Wolfgang Ritte (*1953) aus Moers wurde nämlich geflissentlich übersehen. Statt seiner machte Langstreckler Klemens Wittig (M 75) aus Dortmund das Rennen in der Gunst des von Hand verlesenen Gremiums. Jedenfalls sind die Erd-, Jungmann & Co. gut beraten, diesmal etwas genauer hinzusehen und abzuwägen. Persönliche Animositäten wie sie beispielsweise bei, richtiger: gegen, Ritte eine Rolle spielten (er machte sich als unbequemer Seniorensprecher beim Verband keine Freunde), haben bei der Entscheidungsfindung absolut keinen Platz. Zumal sich der wieder für den SC Bayer 05 Uerdingen startende „Stabi“ im breit gefächerten Athletenkreise großer Beliebtheit erfreut. 
Und da Wahlkampf nicht verboten ist, ergreifen wir Partei für Wurf-Allrounderin Susanne Wissinger (W 80) vom TV Gelnhausen, die in dieser Saison als Winterwurf-Weltmeisterin von Budapest drei hochwertige Weltrekorde (Wurf-Fünfkampf, Hammer- und Gewichtwurf) der Belgierin Rachel Hanssens verbesserte, und für Wolfgang Ritte, der nicht nur in der Halle seinen eigene globale Bestmarke mit dem Stab auf 4,13 m hievte, sondern sich unter freiem Himmel auch in die Weltrekordliste im Zehnkampf (8.123 Punkte) eintrug. Treffender lässt sich seine überdurchschnittliche Vielseitigkeit nicht darstellen. Aus der Abteilung „Jugend forscht“ werfen wir im doppelten Wortsinne den Hut von Kugelstoßer Andy Dittmar (*1974) in den Ring, der bei den Senioren schon alles gewonnen hat und diesem Jahr den uralten, erstklassigen deutschen M-40-Hallenrekord (18,12 m) von Fred Schladen (*1939) aus Bonn auf 18,32 m steigerte.