"Zugpferd" erwies sich in öffentlicher Wahrnehmung als lahmer Ackergaul

  • Drucken

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Berlin/Krefeld, 27. Juni 2022)
 Da haben die (un-)verantwortlich Handelnden des DLV im Vorfeld ihrer vermeintlichen Leuchtturmprojekte mit weltweiter Strahlkraft den Mund mal wieder (erwartungsgemäß) zu voll genommen. Als lahmer Ackergaul erwiesen sich in der öffentlichen Wahrnehmung die als „Zugpferd“ gepriesenen Deutschen Meisterschaften der Männer/Frauen am Wochenende im Olympiastadion in Berlin im Rahmen „Der Finals 2022“. Pustekuchen!
Nach Darstellung seiner Marketing-Tochter DLM interessieren sich 43  Prozent unserer Bevölkerung (= 35,7 Millionen) für die Leichtathletik. Aber auch für die, wenn ausschließlich deutsche Akteure am Werk sind?  Das darf nach den jüngsten Erfahrungen und heruntergebrochen auf die 3,7 Millionen Berliner getrost veneint werden. Deren rechnerische Anteil von 1,59 Millionen zeigte bei heißen Temperaturen diesen zweitägigen Titelkämpfen durch leibhaftiges Erscheinen weitgehend die kalte Schulter.

Überwiegend gähnende Leere im weiten Rund

Bei den so genannten „Morning Sessions“ herrschte im weiten Rund des 74.475 Zuschauer fassenden Sporttempels gähnende Leere. So drückte es auch der locker-flockige Livestream-Kommentator Tim Tonder treffend aus. Wenngleich der DLV uns garantiert etwas anderes weismachen will, war die Arena am gestrigen Schluss-Nachmittag allenfalls zu einem Zehntel gefüllt. Losgelöst vom Inhalt kamen die Stadionansagen über die Außenmikrofone bezeichnenderweise ausgesprochen hohl schallend im heimischen PC oder Fernseher an.

Faszinierend für die Bürger, für die Leichtathletik eine Nummer zu groß

So faszinierend es natürlich für die Bürger und Touristen einer Weltstadt wie Berlin ist, sich in einer Art Selbstbedienungsladen aus 14 nationalen Meisterschaften die Filetstücke heraussuchen zu können, dazu noch oftmals bei freiem Eintritt attraktiver Wettbewerbe im Außenbereich (zum Beispiel Triathlon), so „tödlich“ ist es für die Leichtathletik bei einem zu entrichtenden erklecklichen Obolus als familienhaftes Vergnügen von so und so viel Personen. Erschwerend gesellte sich hinzu, dass die sich bis auf wenige Ausnahmen in einer riesigen Talsohle befindende und um Reputation ringende heimische Szene (dazu genügt für Fachleute ein tieferer Blick in die Ergebnislisten; das Niveau war teilweise in Spitze und Breite erschreckend schwach) die Aufmerksamkeit und Wertschätzung vor Ort eben mit 13 weiteren Sportarten teilen musste.

Symptomatischer Stromausfall im Olympiastadion

Der DLV sollte sich mit seinem Chef-Vordenker, dem geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden Cheik-Idriss Gonschinska, und seinen vielen Gremien sehr genau überlegen, ob er sich künftig an einem solch multiplen Spektakel noch beteiligt. Weg vom Größenwahn, kleine „Flamme“ an einem heimeligeren Schauplatz scheint angezeigter als ein Leuchtturm ohne Licht. Es war geradezu symptomatisch, dass zu allem Überdruss gestern auf der Zielgeraden der Meisterschaften noch zeitweise der Strom im Olympiastadion ausfiel und eine Unterbrechung bedingte.