Kugelstoßer David Storl international derzeit nur ein Hinterbänkler

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Kolumne

Moment mal

(Ostrawa/Krefeld, 02. Juni 2022)
Vorausgeschickt, dass es sich lediglich um die herrlichste Nebensache der Welt handelt, die sich da Sport nennt. Aber auch hier gilt der Spruch aus Volkes Mund: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich völlig ungeniert. Und Deutschlands Vorzeige-Kugelstoßer David Storl (*27.07.1990) vom SC DHfK Leipzig ist als jüngster Weltmeister bei den Männern der Leichtathletik-Historie drauf und dran seinen einstmals glänzenden Ruf gehörig zu ramponieren. Ob er sich zudem mit seiner Antrittsgeld-Tingeltour in dichter zeitlicher Abfolge mit vier Starts innerhalb von 14 Tagen einen Gefallen tut, statt sich in seiner Situation gezielt(er) auf ausgewiesene Normen-Wettkämpfe vorzubereiten, darf füglich bezweifelt werden. International gesehen ist der Sachse in seiner derzeitigen Verfassung nur noch ein Hinterbänkler, nimmt in der Weltrangliste 2022 aktuell den 47. Platz ein. Das dürfte nicht seinem Anspruch entsprechen.

Zum alten Eisen müsste er noch nicht gehören
 
Vorgestern belegte er bei einem Abendsportfest in Ostrawa (Tschechien) einen ernüchternden siebten Platz. Dazu war es von der Weite mit 19,84m der (vorläufige?) absolute Tiefpunkt. Dass er mit seinen bald 32 Jahren nicht zum alten Eisen gehören müsste, bewies der noch ältere Joe Kovacs (*1989) aus den USA, der mit 22,25m vor Tomas Walsh (21,68m) aus Neuseeland und Filip Mihaljevic (20,89m) aus Kroatien gewann. Die bisherige Bilanz von Storl vor Ostrawa: 18.Mai in Savona (Italien) 4. mit 19,96m, 21. Mai in Halle 3. mit 20,31m, 28. Mai in Thum 3. mit 19,91m.

Normen für die WM und EM scheinen außer Reichweite

Gut, verwenden wir noch eine Plattitüde: Noch ist nicht aller Tage Abend. Doch die Normen für die diesjährige WM in Eugene (USA) und die Heim-EM in München scheinen mit 21,10 respektive 20,85m außer Reichweite. Zumal er selber nicht den Eindruck vermittelt, sie ernsthaft anzustreben. Bei den Halleschen Werfertagen erstaunte er mit der Aussage gegenüber dem MDR-Reporter, dass er sich und niemanden mehr etwas beweisen müsse, vor allem Spaß am Sport haben und ihn genießen wolle. Sonderlich ehrgeizig kommt das nicht rüber. Obendrein machte der 1,98-Meter-Hüne keinen sehr austrainierten, athletischen Eindruck, trägt ein unübersehbares Wohlstandsbäuchlein vor sich her.
Aber wiederholen wir uns: Es geht ja um nicht mehr und weniger als die vermeintlich herrlichste Nebensache der Welt. Amateure können das auch frank und frei für sich in Anspruch nehmen…