Dieter Wolf jagte Agenten, Rekorde und die Mörder seines Sohnes

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(Köln/Neuss-Norf/Krefeld, 02. Oktober 2021) Reißerisch, ihm war es ein wenig zu reißerisch, wie der mit Verlagssitz in Köln herausgegebene Sonntagsexpress (gestern in etwas anderer Gestaltung im täglich erscheinenden Boulevard-Blatt) die Geschichte über ihn aufmachte. Die Dachzeile: „Er jagt Agenten, Rekorde und die Mörder seines Sohnes“; Überschrift: „Gestatten Wolf, Deckname Peter Storm“. Faktisch auf die Vergangenheit bezogen (fast) alles richtig. Doch der gemeinte, in Neuss-Norf wohnhafte und für den TSV Bayer Dormagen startende Dieter Wolf (*27.August 1937; im Bild) hat stramme 84 Lenze auf der Lebensuhr. Agenten jagt der mit 50 Jahren pensionierte Bundeswehr-Oberstleutnant des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) mit Standort Köln schon längst nicht mehr, die nach seinem im Dezember 1994 von den Roten Khmer in Kambodscha vom Motorrad geschossenen und verschleppten  Sohn Matthias (*19.05.1962) hat er ebenfalls aufgegeben, und so wie oben genannt wird er sich kaum vorgestellt haben, als er „Undercover“ unterwegs war.

Nun auch noch der Verlust der Ehefrau

Wenngleich es in der locker-flockig geschriebenen Story auch inhaltlich nach seiner maßgeblichen Einschätzung „ein bisschen drüber ist“, steht außer Frage, dass Dieter Wolf eine hochinteressante, bewegte und spannende Vita hat. Dazu gehört, dass er nach seiner Pensionierung von 1987 bis 2004 in hauptberuflicher Anstellung Sicherheitschef des Rüstungskonzerns Rheinmetall in Düsseldorf gewesen ist. Aber auch harte Schicksalsschläge prägten seinen Weg. Nicht nur der durch lange Ungewissheit begleitete Verlust des Sohnes. Was die Reporterin vom Express bei ihrem Besuch in seinem Bungalow in Neus-Norf noch nicht wissen konnte: Seine Frau Bärbel, mit der er fast 60 Jahre verheiratet war, die 2016 an Demenz erkrankte und die er fünf Jahre bis Juni 2021 zuhause pflegte, ist vergangenen Samstag in seinem Beisein in einem Heim verstorben.
Seine Erinnerungen, die er in einer Trilogie handschriftlich (!) zu Papier brachte und von der bald der erste Band von 300 Buchseiten im Miles-Verlag erscheinen wird, muss nun noch ein weiteres, letztes Kapitel bekommen.
Teil 1: Berufsleben: Im Kampf gegen Stasi-Agenten und kriminelle Bundeswehr-Angehörige, Sicherheitschef bei Rheinmetall; Teil 2: Erlebnisse eines Leistungssportlers; Teil 3: Mein Sohn in der Hölle der Roten Khmer.
Wer noch mehr über Dieter Wolf wissen möchte, dem sei unsere Laudatio zu seinem Achtzigsten angedient.